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Schach - Geschlossene Spiele

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  Albins Gegengambit Beitrag #1 (permalink)  
Alt 15.03.2006, 16:03
New
Echter Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 142
Albins Gegengambit

ich habe mich entschieden das jetzt ein bisschen genauers anzuschauen.

1. d4 d5
2.c4 e5
3.dxe5 d4
4.Sf3 Sc6
was hat jetzt weiss alles für möglichkeiten für eine fortsetzung?

5.b3
wie ist dieser zug?
fehler den man ausnützen kann?eigentlich sollte man das feld freihalten für den springer oder hat schwarz da eine gute antwort darauf?

5.e4
ich finde den zug nicht schlecht. . .was ist der nachteil wird ja nicht so oft gespielt.

5.Sd2
ist glaub ich nicht schlecht. idee ist wohl den springer auf b3 zu setzen und den bauern anzugreifen. sollte schwarz da versuchen den springer zu fesseln?
aber nach a3 ist man gezwungen den springer dann zu schlagen. was gibt es für alternativen für schwarz.

5.a3
hindert mal dass der schwrze läufer auf b4 kommt. was auch noch?

5.g3
wird wohl am meisten gespielt. später wohl läufer auf g2. was ist da die idee? den könig mal in sicherheit bringen?pläne für die zukunft?

habe ich was vergessen?

wäre toll wenn sich wer dafür ein bisschen zeit nehmen kann.
danke
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  Albins Gegengambit Beitrag #2 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 00:50
Gast5546
Gast
 
Beiträge: n/a
Bin erstmal erschlagen von den Neuerungen darunter.
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  Albins Gegengambit Beitrag #3 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 11:04
New
Echter Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 142
also das habe ich mir alles selber mal überlegt nirgendswo abgeschrieben
daher bin ich mir nicht sicher wie gut die züge sind.
kenne die eröffnung ja noch nicht gut.
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  Albins Gegengambit Beitrag #4 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 15:01
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Zugegebenermaßen kenne ich mich mit Albins Gegengambit nicht sonderlich gut aus. Die zuletzt aufsehenerregenden Partien von Morozewitsch und Kazimdschanow habe ich mir etwas angeguckt, aber für ein schlußendliches Urteil muß man wohl mit dem Computer tief in die hochtaktischen Hauptvarianten gehen.
Vorweg: mein leicht subjektiv-intuitives Urteil würde lauten
- daß Albin längst nicht so schlecht ist wie man noch vor 10 Jahren glaubte,
- daß Schwarz nicht auf Biegen und Brechen "wilde Sau" spielen, sondern sich besser a la Morozewitsch auf den Bauernrückgewinn mittels Sg8-e7-g6xe5 konzentrieren sollte; daß Schwarz diesen Bauern auch tatsächlich zurückgewinnen kann (denn wenn Weiß den Mehrbauern klammert, bekommt Schwarz tatsächlich sehr gutes Spiel),
- daß am Ende etlicher Komplikationen aber Weiß auf mehreren Wegen eine materiell ausgeglichene Stellung erreichen kann, in der er einen kleinen, aber klaren Positionsvorteil hat, der immerhin so groß ist (+=, sagen wir ~Fritz +0,5), daß Schwarz sich auf Meisterniveau nur ungern so quälen lassen mag.

Es gibt zwar paar ältere Bücher über Albin, aber genau wie die Chessbase-CD konzentrieren die sich alle auf die alten Varianten mit 5.g3 Lg4/Lf5/Le6 nebst Dd7/0-0-0/Lh3, die ziemlich kompliziert aber letztendlich einfach schlecht für Schwarz sind (auch wenn viele Weiß-DG-Spieler die Theorie nicht kennen und ein schwarzer 1700er beim Blitzen sicher viele Punkte damit einfahren wird).
Für die frühen Abweichungen (4.e3?, 4.a3, 4.Lf4, Spasskis 4.e4, usw) erwies sich Chris Wards "Unusual Queen´s Gambit" als sehr brauchbar und übersichtlich, auch wenn dies sonst kein besonders gutes Buch ist (behandelt Albin, 2...Lf5 und Tschigorin). Bezüglich der modernen Hauptvarianten mit 5.a3/g3/Sbd2 Sge7 kann man sich beim Studium locker auf eine Handvoll Morozewitsch-Partien beschränken; eine gute Darstellung findet man in SOS 2 (sowie einige Ergänzungen in SOS 3). Dazu noch paar sehr aktuelle Versuche von Kazimdschanow: in der Bundesliga hatte Jussupow noch mit 3.e3 gekniffen (!!), aber vom Keres-Schnellschach Anfang06 gibt´s bißchen was Interessantes (u.a. ein Remis gegen Karpow! Karpows Behandlung mit Weiß sieht trotzdem kritisch aus)

Nun gut. Wie gesagt hat Weiß eine Menge an unkritischen frühen Abweichungen, am gefährlichsten davon ist vielleicht 3.dxe5 d4 4.a3 Sc6 5.e3, was nach z.B. 5...dxe3 6.Dxd8+ Kxd8 7.Lxe3 Sxe5 8.Sf3! ein sterbenslangweiliges Endspiel mit winzigem Vorteil für Weiß ergibt.
Nach dem üblichen 4.Sf3 Sc6 (wie von New angegeben) sind wie gesagt 5.a3/g3/Sbd2 die Hauptvarianten, worauf eben 5...Sge7 erfolgen sollte. Im Moment sitze ich aber leider ohne Zeit und ohne meine EÖBücher im Internetcafe, sodaß ich das jetzt außenvor lassen muß.
Nur soviel: 5.b3 und 5.e4 sind klar schwächer! - 5.e4? gibt Schwarz einen gedeckten Freibauern, schwächt etliche Felder und läuft nur in 5...Lg4!, wonach Schwarz den Bauern e5 bequem mit Sge7-g6xe5 abholt (eventuell noch a5 oder Lc5/Lb4+ einstreut) und besser steht. - 5.b3!? ist nicht ganz so schlecht, sollte Schwarz aber halbwegs bequemen Ausgleich geben nach z.B. 5...Lg4 oder 5...Sge7.

tracke

Geändert von tracke (16.03.2006 um 15:06 Uhr)
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  Albins Gegengambit Beitrag #5 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 22:11
New
Echter Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 142
erstmal danke dass du dir die zeit genommen hast dafür

nach
1.d4 d5
2.c4 e5
3.dxe5 d4
4.a3...
finde ich den zug a3 eigentlich nicht schlecht. was hat da schwarz für möglichkeiten ausser Sc6 weiss will ja e3 spielen und würde da sicher gut stehen. läufer kann dann den bauer c4 decken und man muss nicht fianchetto draus machen
nach a3 könnte auch b4 folgen mit evtl. angriff auf den springer auf c6 wenn er dann dort steht.
4......c5 ist denke ich die beste erwiderung

wenn weiss aber dann
4.Sf3 Sc6
5.a3
spielt sehe ich schon ein kleines problem

1.d4 d5
2.c4 e5
3.dxe5 d4
4. Sf3 Sc6
5.b3
fällt mir halt auf dass die diagonale a1-h8 offen ist. weiss wohl mit der idee Lb2 mit angriff auf den bauer d4 und ausserdem ist der bauer auf c4 geschützt.
ist doch auch nicht schlecht oder?

Morozewitsch-Partien beschränken; eine gute Darstellung findet man in SOS 2 (sowie einige Ergänzungen in SOS 3). Dazu noch paar sehr aktuelle Versuche von Kazimdschanow: in der Bundesliga hatte Jussupow noch mit 3.e3 gekniffen (!!), aber vom Keres-Schnellschach Anfang06 gibt´s bißchen was Interessantes (u.a. ein Remis gegen Karpow! Karpows Behandlung mit Weiß sieht trotzdem kritisch aus)

was meinst du mit SOS 2 und 3?
wo finde ich partien dazu gut wenn sie auch noch kommentiert sind?
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  Albins Gegengambit Beitrag #6 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 23:14
hwarangdo
Forumsvollprofi
 
Registriert seit: 12.2004
Beiträge: 225
Zitat:
Zitat von New

was meinst du mit SOS 2 und 3?
wo finde ich partien dazu gut wenn sie auch noch kommentiert sind?
SOS = Schach ohne Scheuklappen/Secrets of opening surprises

eine Buchserie 2 mM 2 mal jährlich erscheint und bei diversen anbeitern erhältlich ist. Inhalt der Bücher sind relativ unerforschte solide Abweichung von hauptvarianten in den ersten 4-8 zügen
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  Albins Gegengambit Beitrag #7 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 23:23
GeDa
Forumsvollprofi mit Prädikat
DWZ/Elo: 1493
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 237
Hallo New,

guck mal auf der der Seite http://www.rci.rutgers.edu/~goeller/urusov/ unter Links - Opening Analysis. Da sind dann wieder Links über das Albins-Gegengambit.

Ich finds nicht so doll. Wenn ein DG-Spieler deine Eröffnung kennt wird er dich n mit 2.Sf3 und dann erst c4 ärgern.
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  Albins Gegengambit Beitrag #8 (permalink)  
Alt 17.03.2006, 16:30
Gast5546
Gast
 
Beiträge: n/a
Pauschal gesagt schwächt 1.d4 d5 2.c4 e5 3.dxe5 d4 4. Sf3 Sc6 5.b3 die schwarzen Felder. die Deckung von c4 war überhaupt noch nicht notwendig.
5.-Lb4+ 6.Ld2 Lg4 peilt die Zurückgewinnung des Be5 an.
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  Albins Gegengambit Beitrag #9 (permalink)  
Alt 18.03.2006, 10:59
New
Echter Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 142
für was ist dann Lb4?
dann muss man aber den springer schlagen
aber was ist wenn
7. Lxb4 Sxb4 dann hat weiss wieder zeit den bauern zu schützen oder so.

1.d4 d5
2.c4 e5
3.dxe5 d4
4.Sf3 Sc6
5.e4......

wie sollte man da weiterspielen als schwarz?
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  Albins Gegengambit Beitrag #10 (permalink)  
Alt 18.03.2006, 18:26
Gast5546
Gast
 
Beiträge: n/a
Kann sein das 1.d4 d5 2.c4 e5 3.dxe5 d4 4. Sf3 Sc6 5.b3 Lg4 6.Lf4 Lb4+ 7.(Sfd2 oder Sbd2) (De7 oder Sge7) genauer ist.
5.e4 lädt zu 5.-Lg4 ein.
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  Albins Gegengambit Beitrag #11 (permalink)  
Alt 18.03.2006, 18:52
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Echter Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 142
wie geht es weiter nach lg4
was sind die pläne und ideen
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  Albins Gegengambit Beitrag #12 (permalink)  
Alt 19.03.2006, 03:54
Judge Dredd
Sehr Aktiver
DWZ/Elo: 2355
 
Registriert seit: 02.2006
Ort: BRD ;-)
Beiträge: 51
Zitat:
Vorweg: mein leicht subjektiv-intuitives Urteil würde lauten - daß Albin längst nicht so schlecht ist wie man noch vor 10 Jahren glaubte,
Richtig. Es ist noch viel schlechter: totaler Schrott

Eine einfache Möglichkeit schon nach neun Zügen praktisch auf Gewinn zu stehen:

1. d5 d5 2. c4 e5 (?) 3. dxe5 d4 4. Sf3 Sc6 5. g3 Sge7 6. Lg2 Sg6 7. 0-0 Sgxe5 8. Sxe5 Sxe5 9. Sa3! und Schwarz kann sich aussuchen, ob er mit Lxa3 gegen das bald übermächtige Läuferpaar kämpfen oder lieber seinen d4-Bauern einstellen will, in allen Fällen geht die Reise doch sehr stark in Richtung "+-".

Zitat:
Wie gesagt hat Weiß eine Menge an unkritischen frühen Abweichungen, am gefährlichsten davon ist vielleicht 3.dxe5 d4 4.a3 Sc6 5.e3, was nach z.B. 5...dxe3 6.Dxd8+ Kxd8 7.Lxe3 Sxe5 8.Sf3! ein sterbenslangweiliges Endspiel mit winzigem Vorteil für Weiß ergibt.
Man sieht, es gibt anscheinend dutzende an Widerlegungen... Aber 8. Sf3 verdient kein Ausrufzeichen, denn 8. Sd2 ist solider. 8. Sf3 gewinnt wahrscheinlich auch, aber trödeln darf man als weißer dann nicht mehr, denn die Bauernstruktur ist hinüber. Typischer Fall wo einen dann die stärkeren Spieler, z. B. GM's wie Morozewitsch, in praktischen Turnierpartien am Ende doch noch abtragen und anschließend behauptet wird, "Albins Gegengambit sei doch gar nicht so schlecht wie sein Ruf." Das sog. "sterbenslange Endspiel" könnte dann ein "sterbenslanger Alptraum" werden für Weiß. Aber was du hier als "winzigen Vorteil für Weiß" bezeichnest bezeichne ich als glatte Gewinnstellung...Glaubst du an ein Wunder?

Finger Weg von Albins Gegengambit.

Geändert von Judge Dredd (19.03.2006 um 03:59 Uhr)
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  Albins Gegengambit Beitrag #13 (permalink)  
Alt 19.03.2006, 20:36
Gast5546
Gast
 
Beiträge: n/a
@New
Rückgewinn des e5.
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  Albins Gegengambit Beitrag #14 (permalink)  
Alt 20.03.2006, 17:09
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
@ JudgeDredd

Bei allem Respekt vor Deiner Spielstärke erscheint mir Dein Urteil über Albins Gegengambit ("totaler Schrott", "praktisch auf Gewinn stehen", "+-") doch etwas har sch und überzogen. Zumal ich die von Dir angegebenen Varianten auch nicht so furchtbar überzeugend finde: ein gut vorbereiteter Weißspieler hat vielleicht einige Chancen, relativ sicher einen leichten Vorteil zu erspielen, aber unter "Widerlegung" verstehe ich dann doch etwas anderes.

Bevor ich in die "Zugfolgenpolemik" einsteige, möchte ich noch einiges vorausschicken.
Erstens ist der Ratschlag "Finger weg von Albin!" m.E. nicht besonders produktiv und hilfreich. Viele etwas schwächere Forumsfreunde hier halten sich sowieso nicht daran, was "die Großen" sagen; auch deswegen, weil auf ihrem Niveau Albin einfach unklar ist (und natürlich interessant!). Es ist bestimmt richtig, daß man von Anfang an kein Schwarzrepertoire auf Albin aufbauen sollte, aber dies schließt doch die Verwendung als Zweit- oder Drittwaffe nicht aus. Im Gegenteil halte ich es (wie viele namhaftere Trainer) für durchaus sinnvoll, sich mal mit solchen aktiv-riskanten-halbkorrekten Eröffnungen wie Albin, Schara-Hennig, Budapester oder Jänisch zu schäftigen.
Zweitens spiele ich selbst Albin weder mit Weiß noch mit Schwarz, sodaß es mir eigentlich gar nicht im Eigeninteresse darum geht, irgendeine Variante zu retten oder als vorteilhaft nachzuweisen. Für mich ist es mehr allgemeinschachliche Horizonterweiterung, wenn ich mir das merkwürdige Schaffen von Morozewitsch &Co anschaue.
Drittens sträube ich mich ein bißchen, den Part des schwarzen Anwaltes zu übernehmen, den ich sage ja selbst, daß Weiß leichten Vorteil hat, etwa "+=" und Tendenz eher zu "+/-" als zu "=". Aber eben noch längst nicht "+-" (Die Interpretation dieser Informatorzeichen ist natürlich etwas schwammig; ich halte es mit WM Petrosian, nach dem "+/-" bei perfekter Verteidigung selbst auf höchstem Niveau noch remis enden sollte, während "+-" eben objektiv gewonnen sei).
Und drittens möchte ich auf das metatheoretische Argument (übergeordnet aus der Sicht einer Zugfolgenanalyse) hinweisen, daß u.a. Morozewitsch, Nakamura & Kazimdschanow ja Albin mit durchaus beachtlichem Erfolg spielten und spielen, und zwar gegen solche Weiß-Stümper wie Karpow, Topalow, Drejew, Gelfand und Jussupow. Beim 2004er-Versuch von Moro hielt ich es auch noch für eine psychologisch motivierte Eintagsfliege, aber danach haben sich doch alle SuperGMs das mal angeschaut mit ihren menschlichen wie künstlichen Sekundanten, und waren offenbar bis heute nicht in der Lage waren, so richtig was Entscheidendes herauszuholen. Und umgekehrt haben doch auch Morozewitsch, Nakamura & Kazimdschanow sich das mal ein bißchen angeguckt: wir alle hier haben doch keine wirkliche Ahnung von der Vorbereitung dieser Leute, aber die spielen doch bestimmt keine forcierten Verlustvarianten, die ihnen jeder IM nach 3stündiger Fritzanalyse um die Ohren hauen könnte!? Tut mir leid, das mag ich auch ohne Einblick in Moros Variantenkoffer nicht glauben.

* * *
4.Sf3 Sc6 5.g3 Sge7 6.Lg2 Sg6 7.0-0 Sgxe5 8.Sxe5 Sxe5 9.Sa3 "und Weiß steht praktisch auf Gewinn".
Zunächst einmal verdient Beachtung, daß nach 2...e5 Weiß diese natürliche Fortsetzung praktisch erzwingen und Schwarz praktisch nicht ausweichen kann. 9.Sa3 ist zwar nicht der alleroffensichtlichste Zug, andererseits aber auch nicht besonders tiefgründig/unnormal/abwegig. Man sollte also annehmen, daß jeder der oben angeführten SuperGMs diese Stellung schon ausgiebig analysiert hat, daß die Weiß-Analytiker sich offenbar nicht allzuviel davon versprachen und daß die Schwarzen davor keine allzugroße Angst hatten. Soviel vorweg. - 9.Sa3 ist bestimmt ein guter Zug, aber gleich die ganze Albin-Widerlegung?! Natürlich spielt Schwarz nicht 9...Lxa3?, aber den Bd4 sehe ich trotzdem noch längst nicht verloren (zumindest nicht ohne gute Kompensation). Nach einiger Analyse erscheinen mir selbst 9...g6?! und 9...a5?! ziemlich unklar (im Sinne von "widerlegt", soll heißen "+="), aber das stärkste für Schwarz scheint doch 9...c6 zu sein. Nun hat Weiß nach 10.Sc2 Sxc4 11.Sxd4 Se5! zwar ein bißchen Druck, aber mit fortdauernder Analyse verflacht das bald. Was anderes wäre etwa 10.b3 Lf5 11.Lb2 Lc5 12.Sc2 Df6! und weder bei 13.Sxd4?! 0-0-0 (Td8!?) 14.e3 Ld3?! noch bei 13.b4 Sxc4 14.Lxd4 Lxd4 15.Dxd4 Lxc2 16.Dxc4 La4! sehe ich was wirklich Entscheidendes für Weiß.
Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber ich sehe den Widerlegungscharakter von 9.Sa3 einfach nicht, auch wenn dem Nachziehenden oft eine zähe Verteidigung bevorsteht. Judge Dredd, habe ich was Einfaches übersehen oder gibt es dazu irgendwo tiefergehende Analysen?

Was nun 4.a3 Sc6 5.e3 dxe3 6.Dxd8+ Kxd8 7.Lxe3 Sxe5 betrifft, so ist zunächst festzuhalten, daß Schwarz mit 5...Le6!? über eine brauchbare Alternative verfügt. Bezüglich des Rufzeichens bei 8.Sf3 verweise ich mangels eigener Kompetenz auf GM Rowson, der "8.Sf3!" ausführlich kommentiert (Chess for Zebras, S.111f) und sich seinerseits auf den russischen Star-Trainer Schereschewski beruft. Beide schätzen 8.Sf3 als deutlich stärker ein gegenüber 8.Sd2 (Lf5 "with counterplay"), obwohl die Feinheiten dieses Endspiels sicher ziemlich tiefgründig sind. Natürlich ist 8.Sf3! Sxf3+ 9.gxf3 eine furchtbare Verschlechterung der weißen Bauernstellung, aber offenbar/angeblich ist es viel wichtiger, daß die einzige aktive Figur des Schwarzen beseitigt wird.

tracke

@ Mods: Kann man das nicht vermeiden, daß h***** übertüncht wird? Es ist doch ein anständiges deutsches Wort!

Geändert von tracke (20.03.2006 um 17:19 Uhr)
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  Albins Gegengambit Beitrag #15 (permalink)  
Alt 20.03.2006, 22:46
Judge Dredd
Sehr Aktiver
DWZ/Elo: 2355
 
Registriert seit: 02.2006
Ort: BRD ;-)
Beiträge: 51
Zitat:
ein gut vorbereiteter Weißspieler hat vielleicht einige Chancen, relativ sicher einen leichten Vorteil zu erspielen, aber unter "Widerlegung" verstehe ich dann doch etwas anderes.
Deine Überlegungen beruhen auf der unsinnigen Unterscheidung zwischen sog. "leichten", "mittleren" und "großen" Vorteilen, welche objektiv nicht möglich ist und daher nur willkürlich je nach Lust und Laune getroffen werden kann. Im praktischen Wettkampf ist das vielleicht akzeptabel, stiftet innerhalb einer Analyse jedoch nur Verwirrung.

Zitat:
Und drittens möchte ich auf das metatheoretische Argument (übergeordnet aus der Sicht einer Zugfolgenanalyse) hinweisen, daß u.a. Morozewitsch, Nakamura & Kazimdschanow ja Albin mit durchaus beachtlichem Erfolg spielten und spielen
Dieses Argument erweist sich als glatter "Bumerang". Die TOP-Spieler von heute spielen mittlerweile derart viele inkorrekte Varianten, dass auf die Qualität nun überhaupt kein Verlass ist. Meine Vermutung geht dahin, dass dies absichtlich geschieht, um die schwachen Spieler bzw. schlechten Analytiker (die gute Spieler sein können) durch eine Überflutung an Partiematerial einfach zu überfordern. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: (1) zu glauben oder (2) selbst zu überprüfen. Man muss einfach unterscheiden zwischen der praktischen Turnierpartie und der Analyse.

Zitat:
Und umgekehrt haben doch auch Morozewitsch, Nakamura & Kazimdschanow sich das mal ein bißchen angeguckt: wir alle hier haben doch keine wirkliche Ahnung von der Vorbereitung dieser Leute, aber die spielen doch bestimmt keine forcierten Verlustvarianten,
Doch genau das tun sie! Es gibt dafür dutzende an Beispielen. Die Überlegung ist die, dass in Partien Überrschung und Verblüffungseffekte mehr zählen als Objektivität, zumal man sich an selten gespielte Varianten am Brett oft gar nicht mehr so leicht erinnert. Da diese GM's außerdem nahezu alles spielen, haben sie zwar einen exzellenten Überblick, aber an Detailwissen mangelt es dann teilweise doch noch sehr.

Zitat:
aber das stärkste für Schwarz scheint doch 9...c6 zu sein. Nun hat Weiß nach 10.Sc2 Sxc4 11.Sxd4 Se5! zwar ein bißchen Druck, aber mit fortdauernder Analyse verflacht das bald.
In diesem Abspiel wird Schwarz nicht mehr lange überleben. 12. Lf4! und Schwarz gerät in der Entwicklung immer weiter in Rückstand.

Zitat:
Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber ich sehe den Widerlegungscharakter von 9.Sa3 einfach nicht,
Weil du oberflächlich analysierst und die Stellung nur grob anschätzt. Das machen übrigens auch viele Großmeister, und daher passieren eben auch so viele Fehler. Wer so arrogant ist und nur in 5 - 10 Minuten "abschätzt", analysiert nun mal meist schlecht. Da nutzt der GM-Titel auch nichts. Ich habe aber auch den Verdacht, dass etliche GM's absichtlich Gerüchte und fehlerhafte Analysen streuen, um die Vorbereitung der Gegner zu erschweren.

Zitat:
Was nun 4.a3 Sc6 5.e3 dxe3 6.Dxd8+ Kxd8 7.Lxe3 Sxe5 betrifft, so ist zunächst festzuhalten, daß Schwarz mit 5...Le6!? über eine brauchbare Alternative verfügt.
Alles, was nicht in 5 - 10 Zügen verliert, wird als "brauchbar", "spielbar", "interessant" eingestuft. Das ist leider ein grundlegender Fehler. Nach allen Kriterien, die man mittlerweile zur Stellungsbeurteilung entwickelt hat, kann Schwarz nur auf Verlust stehen. 5...Le6 ändert daran auch nicht viel. 6. Sf3 dxe3 7. Dxd8+ Txd8 8. Lxe3

Zitat:
Beide schätzen 8.Sf3 als deutlich stärker ein gegenüber 8.Sd2 (Lf5 "with counterplay")
Ja, das sind diese unbegündeten Einschätzungen, auf die man sich nun einmal leider nicht verlassen kann. Wahrscheinlich glauben die das selbst nicht, was sie da sagen. Oder sie stehen mit einem TOP-Spieler in Verbindung, der gerne mal Albins-Gegengambit als Überraschungswaffe einsetzen will. Ich glaube ja gerne, dass man mit viel Aufwand auch 8. Sf3!? bis zum weißen Sieg analysieren kann, aber "counterplay" ist beim besten Willen nicht erkennbar! 8. Sd2! Lf5 9. h3!?

Geändert von Judge Dredd (20.03.2006 um 22:49 Uhr)
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