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Schach - Geschlossene Spiele

Damengambit, indische Eröffnungen, Englisch & mehr



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  Slawisch Beitrag #1 (permalink)  
Alt 12.03.2006, 22:52
Benutzerbild von The Pusher
The Pusher
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Slawisch

Hallo Schachfreunde,

bin heute in einem Ligaspiel zum zweiten Mal in Folge "Opfer" der slawischen Verteidigung (1. d4 d5 2. c4 c6) geworden. Welches ist der beste 3. Zug für weiß? Wie geht es dann weiter? Bin eigentlich auf dem Gebiet des Damengambits (v.a. orthodox, Tarrasch und angenommenes Gambit) recht bewandert...

Ich möchte KEINE Großmeisteranalyse bekommen, nur die wichtigsten Aspekte auf die man achten und die man als Weißer vermeiden sollte; und v.a.: wo sind die Schwachstellen im schwarzen Lager?

Danke im voraus!

P.S.: Wer sich im Damengambit fitmachen möchte sollte sich tunlichst Kasparovs DVD besorgen!
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  Slawisch Beitrag #2 (permalink)  
Alt 12.03.2006, 23:08
Gast6247
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Zitat:
Zitat von The Pusher
Hallo Schachfreunde,

bin heute in einem Ligaspiel zum zweiten Mal in Folge "Opfer" der slawischen Verteidigung (1. d4 d5 2. c4 c6) geworden. Welches ist der beste 3. Zug für weiß? Wie geht es dann weiter? Bin eigentlich auf dem Gebiet des Damengambits (v.a. orthodox, Tarrasch und angenommenes Gambit) recht bewandert...

Ich möchte KEINE Großmeisteranalyse bekommen, nur die wichtigsten Aspekte auf die man achten und die man als Weißer vermeiden sollte; und v.a.: wo sind die Schwachstellen im schwarzen Lager?

Danke im voraus!

P.S.: Wer sich im Damengambit fitmachen möchte sollte sich tunlichst Kasparovs DVD besorgen!
Es soll Slawisch-Varianten geben, in denen Schwarz den Bauern (sofern er schlägt) halten kann.
Man kann als Weißer natürlich direkt die Abtausch-Variante 1. d4 d5 2. c4 c6 3. cxd5 spielen, die aber keine großen Vorteile für Weiß verspricht.
Ich spiele neuerdings nur noch Varianten mit 3. Sc3. Nach frühem schwarzem dxc4 spiele ich a4, was mir hilft, den Bauern wiederzubekommen. Dieses "System" konnte ich bisher nur in Blitz-Partien mit gutem Erfolg anwenden. Ansonsten hilft nur, sich einfach gut zu entwickeln.
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  Slawisch Beitrag #3 (permalink)  
Alt 13.03.2006, 13:33
Chessmaster
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4.a4 spielt üblicherweise Weiss ,weil er nicht weiß,was er unternehmen soll,nachdem Schwarz seinen Bauern mit b5 deckt.Auf 4.a4 folgt 4...e5!.Und Schwarz hat keine Probleme mehr. 4.e4,4.e3, oder 4.Sf3 sind normal.
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  Slawisch Beitrag #4 (permalink)  
Alt 13.03.2006, 15:15
Gast6247
Gast
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von Chessmaster
4.a4 spielt üblicherweise Weiss ,weil er nicht weiß,was er unternehmen soll,nachdem Schwarz seinen Bauern mit b5 deckt.Auf 4.a4 folgt 4...e5!.Und Schwarz hat keine Probleme mehr. 4.e4,4.e3, oder 4.Sf3 sind normal.

Als in der Turnierpraxis meistgespielte Variante wird bei "Modernes Damengambit -Richtig gespielt" von J. Konikowski 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 angegeben.

Naja, bei Slawisch habe ich wohl auch noch einiges zu lernen!
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  Slawisch Beitrag #5 (permalink)  
Alt 13.03.2006, 17:27
tracke
Garry des Forums
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Registriert seit: 02.2004
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Beiträge: 678
Slawisch - Ideen und Systeme

Hallo ThePusher!

Slawisch ist natürlich ein ungeheuer komplexes System, sowohl was die Tiefe der strategischen Ideen als auch was den Umfang des praktisches wie des theoretrischen Materials angeht. Die Übergänge zu anderen Systemen des Damengambits sind fließend (insbesondere zum Ang.DG und zum Halbslawen). Der eigentliche Kern ist aber das "offene" System 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4! mit dem "holländischen" System 5.a4 Lf5! 6.e3 e6 7.Lxc4 Lb4 als Hauptfortsetzung.

Bereits Mitte des 19.Jhdts war 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 ziemlich bekannt. Allerdings merkte man auch schnell, daß Schwarz seine offensichtliche Grundidee (Vermeidung des eingeschlossenen Damenläufers, Lf5/Lg4 vor e7-e6) leider nicht sofort umsetzen kann, denn 4...Lf5? scheitert taktisch an 5.cxd5! cxd5 6.Db3! b6 7.e4! mit klarem weißen Vorteil. Also beschränkten sich die Schwarzspieler auf den (alten) Halbslawen mittels 4...e6 5.e3 Sbd7 6.Ld3 Ld6 7.0-0 0-0 8.e4! mit leichtem weißen Vorteil, was der Popularität des Slawen nicht gerade nutzte. [Das Meraner System 4...e6 5.e3 Sbd7 6.Ld3 dxc4! 7.Lxc4 b5! (Rubinstein 1923) war noch ebenso unbekannt wie das Anti-Meraner-Gambit 4...e6 5.Lg5!? dxc4!? 6.e4 b5! (Botwinnik ~1935). Systeme mit ...g6 (Schlechter ~1890) sind etwas passiv und auch nicht immer gut, meist nur nach sehr frühem weißen e2-e3.]
Das offene System 4...dxc4! wurde dann etwa 1890-1920 von starken Spielern aus Böhmen, Mähren, Ungarn entwickelt und angewandt; der Durchbruch auf höchstem Niveau kam durch Aljechin und insbesondere durch Euwe (Man studiere die Wettkämpfe 1935 und 1937, wo Slawisch und ansatzweise schon Nimzoindisch "diskutiert" wurde, während bei Capablanca/Aljechin1927 noch das klassische DG mit Cambridge-Springs und Entlastungssystem vorherrschte!).
Ideengeschichtlich war die Entwicklung des offenen Slawen eines der ersten Anzeichen der "hypermodernen Eröffnungsrevolution" (Reti, Tartakower). Denn Schwarz gibt ja das Zentrum auf mit 4...dxc4, um dann das Fehlen eines eigenen Zentrumsbauern mit einer flexiblen Bauernstruktur (Kmoch: "Sprungstellung") und Figurendruck zu kompensieren (hierin sind das Meraner System und das Ang.DG ganz verwandt, dort wird der Damenläufer aber nach b7 statt f5 entwickelt).
Als Beispiel der schwarzen Idee in Reinkultur betrachte man etwa 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.e3 e6 7.Lxc4 Lb4 8.0-0 0-0 9.De2 Sbd7 10.e4 Lg6 11.Ld3 h6 12.Td1 Te8 13.Lf4 a6 14.Tac1 Tc8:
[Kann ein Mod hier ein Diagramm einfügen?)
Vom klassischen Standpunkt aus (Steinitz 1870) hat Weiß klaren Vorteil: ideales 2-Bauern-Zentrum, optimale Springerentwicklung, gutentwickelte Läufer schielen zum Kg8, Tc1+d1+De2 stehen prima und sind für jede Linienöffnung im Zentrum super postiert. Die Felderschwäche auf b4 ist unbedeutend und kaum ausnutzbar. Die Generation von Steinitz, Tarrasch und Pillsbury würde keine 3 Sekunden daran denken, die schwarze Stellung überhaupt noch verteidigen zu wollen. - Aber: Die Schachmoderne hat in Theorie und Praxis gezeigt, daß Schwarz praktisch vollständigen Ausgleich erzielt hat. Das weiße Zentrum ist nicht sehr beweglich: d4-d5 führt zu Abtausch und Verflachung, e4-e5 ergibt Stärken und Schwächen für beide Seiten. Schwarz kann Weiß weiter unter Druck setzen (Lg6-h5, Dd8-a5) und auf e6-e5, c6-c5 oder b7-b5 langsam hinarbeiten. - Eventuell hat Weiß tatsächlich immer noch mikroskopischen Vorteil und scort knapp über 50%, aber in der Turnierpraxis ist dies oft zuwenig für Weiß.
Das Verständnis dieser Zentrumsdynamik der Holländischen Variante ist m.E. der Schlüssel zum Verständnis der Slawischen Verteidigung.

Der schwarze Erfolg in der holländischen Variante führte zur "Zentral-Variante" 6.Se5!?, welche die modernere und schärfere weiße Alternative zu 6.e3 darstellt. Die Idee ist die sofortige Durchsetzung des Bauernzentrums mittels f2-f3+e2-e4, wonach der Lf5-g6 auf Granit beißt. So etwas wie 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5 e6 7.f3! Lb4 8.e4! Lg6? wäre ein weißer Traum, hier merkt man die Nachteile der schwarzen Zentrumsaufgabe sehr deutlich! Das Manöver Se5/f3/e4 kostet allerdings Zeit, vernachlässigt die Entwicklung und schwächt den weißen Königsflügel; Schwarz sollte schnell und energisch handeln, wozu er im wesentlichen 2 Möglichkeiten hat:
- Das Läuferopfer 6.Se5 e6 7.f3 Lb4 8.e4 Lxe4! 9.fxe4 Sxe4 . Bis 1980 ließen die Weißen die Finger davon, man schätzte die weiße Mehrfigur weniger stark ein als die 3 schwarzen Bauern und das schwarze Spiel gegen den unsicheren Ke1, der meist zum Damenflügel flieht (Ke1-d2-c2-b1). Dann zeigte Karpov mit Weiß, wie man dem schwarzen Angriff entkommen und später mit L die 3B ausspielen kann. Nach einer Hochphase von 1995-2002 gilt die Variante immer noch als spielbar für Schwarz, allerdings als unattraktiv, Weiß scort ordentliche 55-60% und hat ein forciertes Remis zur Auswahl.
- Das Spiel auf den Gegenstoß e7-e5: Nach 6.Se5 Sbd7 7.Sxc4 Dc7! 8.g3! e5! 9.dxe5 Sxe5 10.Lf4 kann Schwarz eine bequeme Entwicklung auf Kosten des Läuferpaares anstreben mit 10...Td8 11.Dc1 Ld6 12.Sxd6+ Dxd6. Oder er kann mit der positionellen Schwächung 10...Sfd7 11.Lg2 f6 den Se5 halten. Oder (und damit wären wir am "cutting edge" der EÖtheorie), Schwarz kann sich mit 10...Sfd7 11.Lg2 g5!!? (Morozewitsch 2001) in unglaubliche Komplikationen stürzen.

Es gibt natürlich noch dutzende von anderen Systemen im Slawen, nach 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 etwa:
a.) 4.e3 Lf5!= ("der langsame Slawe")
b.) 4.Dc2/Db3 dxc4! 5.Dxc4 Lf5!= (->D23 Ang.DG)
c.) 4.g3 Lf5!= oder 4...Lg4!= ("der Reti-Slawe")
d.) 4.cxd5 cxd5 5.Sc3 Sc6 6.Lf4 Lf5!= oder 6...a6!? oder 6...Se4!? (Abtauschsystem)
e.) 4.Sc3 dxc4! 5.e3 b5! 6.a4 b4= ("der ruhige Slawe")
f.) 4.Sc3 dxc4! 5.e4?! b5! =+ ("das Geller-Gambit", für Weiß noch gefährlicher als für Schwarz!)
g.) 4.Sc3 dxc4! 5.Se5 Sbd7 6.Sxc4 b5!=
h.) 4.Sc3 dxc4! 5.g3!? e6!= (->E01 Katalanisches Gambit)
Diese Systeme haben alle ihre eigenen Probleme und Tücken, versprechen aber dem Weißen theoretisch wenig bis nicht viel.

Fazit: Wer mit Weiß dem gutpräparierten Schwarzen nicht sofort bequemen Ausgleich zugestehen möchte (man kann natürlich auch ausgeglichene Stellungen auf Gewinn spielen), wer Ehrgeiz genug hat den Anzugsvorteil festhalten und möglichst noch ausbauen zu wollen, wer eben auf theoretischen Vorteil spielt und die besten/anspruchvollsten Systeme sucht - der sollte zu 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 und jetzt 6.Se5 oder 6.e3 greifen. Mit beiden Fortsetzungen kann Weiß sich einen winzigen Vorteil erhoffen, etwa einen 52-55%-Score; das ist nicht viel, aber deutlich mehr als die 48-52% der anderen Systemen. 6.e3 ist eher etwas ruhiger, 6.Se5 eher etwas schärfer; letztlich sind aber beide Fortsetzungen für beide Spieler taktisch wie positionell wie strategisch nicht anspruchslos.

Im 3.Zug gilt 3.Sf3 als Hauptfortsetzung gegenüber 3.Sc3 , anderes wie 3.e3 oder 3.cxd5 ist sowieso eher harmlos.
Meistens macht 3.Sf3/Sc3 Sf6 4.Sc3/Sf3 sowieso keinen Unterschied, vielen Spielern (Weiß und Schwarz) ist der Unterschied überhaupt nicht bewußt. Der Unterschied liegt weniger in harmlosen(!) Varianten wie 3.Sc3 Sf6 4.Lg5?! dxc4! oder 3.Sc3 Sf6 4.cxd5 cxd5 5.Lf4 Sc6 6.e3 (und späterem Sge2 statt Sf3).
Der hauptsächliche Unterschied zwischen 3.Sc3 und 3.Sf3 besteht in der " Meraner Frage": Hat Schwarz auch die Meraner Verteidigung im Halbslawen (3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7) in seinem Repertoire? - Der Meraner wie der offene Slawe sind gleich gute supersolide und superkorrekte Verteidigungen. Viele Weißspieler spielen aber lieber gegen den Meraner als gegen den offenen Slawen, denn im Meraner (6.Dc2!) ist es für Weiß oft einfacher, daß Spiel strategischer und weniger scharf zu gestalten, ohne gleichzeitig die Hoffnung auf winzigen Vorteil aufzugeben. Wenn Weiß im offenen Slawen den gewaltigen Komplikationen z.B. der Morozewitsch-Variante ausweichen will, dann hat Schwarz sofort bequemes Spiel. - Zurück zu 3.Sc3. Falls Schwarz neben dem Slawen auch den Meraner spielt (was natürlich bei allen SuperGMs der Fall ist), so kommt nach 3.Sc3 Sf6 4.e3 einfach 4...e6; und Schwarz kann in theoretischer Hinsicht zufrieden sein, weil Meraner und Slawe gleichwertig gut sind und er sowieso alles perfekt kennt. Falls Schwarz nun aber den Meraner gar nicht spielt oder nicht so gut wie Slawen, dann hat er nach 3.Sc3 (und 3...Sf6 4.e3) ein Zugumstelllungs- bzw. Repertoire-Problem. Er hat nun die Riesenauswahl zwischen verschiedenen Systemen, die alle wohl spielbar aber doch objektiv nicht ganz so gut wie der Übergang in den Meraner sind: 3.Sc3 dxc4!? oder 3.Sc3 e5!? oder 3.Sc3 Sf6 4.e3 Lg4!? oder 4...Lf5!? oder 4...g6!? oder 4...a6!?. Andererseits: Schwarz hat hier die freie Auswahl, Weiß muß auch erstmal alles kennen und erreicht letztendlich auch nicht sooo viel mehr als im Meraner! Und falls Schwarz sowieso Halbslawisch via 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 spielen wollte (das weiß Weiß ja noch nicht nach 2...c6), so hat Weiß sich mit 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6! die Möglichkeit zum scharfen 5.Lg5!? verbaut.
Es ist halt nicht einfach. Die meisten Theoretiker wie Praktiker halten aber 3.Sf3 für bedeutend wichtiger als 3.Sc3, Kasparow ist/war eine (sehr wichtige) Ausnahme.

Noch ein Wort zu 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 a6!? . Mit dieser hochmodernen und noch immer unzureichend erforschten Variante kommt Schwarz eigentlich der ursprünglichen Slawisch-Idee wieder ein bißchen näher. Wenn 4...Lf5? taktisch scheitert und 4...dxc4 die Entwicklung des Lc8 nur um den Preis eines weißen Bauernzentrums ermöglicht, so ist 4...a6!? eben ein cleverer und auch ziemlich nützlicher Abwartezug, um nach weißem c4xd5, c4-c5 oder b2-b3 dann im nächsten (oder häufig übernächsten) Zug doch noch zu Lc8-f5/g4 zu kommen, OHNE mit d5xc4 das Zentrum aufzugeben und OHNE auf b7 einzugehen (Db3,Ta7!?). Allerdings ist 4...a6 irgendwie doch komisch (Kortschnoi:" Wenn a6 korrekt ist, verstehe ich nichts vom Schachspiel", "4...a6 überlebt kein WM-Match"), anscheinend funktioniert es aber: gerade ist FIDE-WM Topalow auf den a6-Zug gesprungen!
Bevor man sich aber an den a6-Slawen herantraut, sollte man den offenen Slawen, den Halbslawen sowie das klassische DG verstanden haben. Also nichts für Anfänger!

Ich hoffe, meine Ausführungen hier (sofern sie nicht falsch, subjektiv und theoretisch undefiniert sind) tragen zum Verständnis des Slawen etwas bei.

tracke


EDIT: Warum steht dieser Thread eigentlich nicht unter Eröffnung -> Geschl. Spiele ?

Geändert von tracke (16.03.2006 um 13:29 Uhr)
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  Slawisch Beitrag #6 (permalink)  
Alt 14.03.2006, 10:07
Wilf
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den Vorsätzen untreu geworden ?
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  Slawisch Beitrag #7 (permalink)  
Alt 14.03.2006, 15:14
tracke
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Beiträge: 678
Zitat:
Zitat von Wilf
den Vorsätzen untreu geworden ?
Ja, leider ein bißchen.

tracke
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  Slawisch Beitrag #8 (permalink)  
Alt 14.03.2006, 22:48
GrafWunder
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Geil, tracke. Habe mich gerade an deinem Beitrag delektiert.
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  Slawisch Beitrag #9 (permalink)  
Alt 15.03.2006, 15:20
nikolajewitsch
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Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 410
@The Pusher

Hast du die DVD von Kasparov? Ich habe im Bereich "Schachsoftware" nach Erfahrungen damit gefragt; es wäre toll, wenn du hier oder dort was dazu schreiben könntest.

Danke im Voraus.
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  Slawisch Beitrag #10 (permalink)  
Alt 15.03.2006, 21:32
Benutzerbild von The Pusher
The Pusher
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Ort: Bremen
Beiträge: 68
Hab was unter "Schachsoftware" reingepostet, hoffe es hilft Dir.
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  Slawisch Beitrag #11 (permalink)  
Alt 15.03.2006, 22:39
cream
Erfahrener Benutzer
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Registriert seit: 03.2005
Ort: Hamburg
Beiträge: 83
Welcome back, tracke !

Zunächst mal ein herzliches Willkommen, tracke !

Dein erster Post zum Thema Slawisch hat mich gleich wieder an alte Zeiten erinnert ;-). Allerdings muß ich da doch nochmal nachfragen:



Zitat:
Zitat von tracke

Im 3.Zug gilt 3.Sf3 als Hauptfortsetzung gegenüber 3.Sc3 , anderes wie 3.e3 oder 3.cxd5 ist sowieso eher harmlos.
[...]
Der hauptsächliche Unterschied zwischen 3.Sc3 und 3.Sf3 besteht in der " Meraner Frage": Hat Schwarz auch die Meraner Verteidigung im Halbslawen (3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7) in seinem Repertoire?
[...]
Falls Schwarz nun aber den Meraner gar nicht spielt oder nicht so gut wie Slawen, dann hat er nach 3.Sc3 (und 3...Sf6 4.e3) ein Zugumstelllungs- bzw. Repertoire-Problem. Er hat nun die Riesenauswahl zwischen verschiedenen Systemen, die alle wohl spielbar aber doch objektiv nicht ganz so gut wie der Übergang in den Meraner sind: 3.Sc3 dxc4!? oder 3.Sc3 e5!? oder 3.Sc3 Sf6 4.e3 Lg4!? oder 4...Lg4!? oder 4...g6!? oder 4...a6!?. Andererseits: Schwarz hat hier die freie Auswahl, Weiß muß auch erstmal alles kennen und erreicht letztendlich auch nicht sooo viel mehr als im Meraner!

So ganz habe ich das noch nicht verstanden.
Nach 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 würde dieselbe Stellung entstehen, wie nach 3.Sf3/4.Sc3. Nach 3.Sc3 Sf6 4.e3 hat Schwarz das von Dir benannte Repertoire-Problem.
Meinst Du, dass er hier ...Lf5 nicht mehr spielen kann und nach 3.Sf3 Sf6 4.e3 kann er es ? Dass Schwarz nicht 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 Lf5 spielen kann, hat Du ja überzeugend bewiesen.
Ich sehe den Unterschied zwischen 3. "Sc3 versus Sf3" Sf6 4.e3 Lf5 nicht.

Gruss cream
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  Slawisch Beitrag #12 (permalink)  
Alt 16.03.2006, 10:11
Gorillababy
FM des Forums
 
Registriert seit: 02.2004
Beiträge: 372
Hallo cream,

wichtig ist hier, nicht ob 3.Sf3 oder 3.Sc3 gespielt wurde, sondern ob Sc3 überhaupt schon steht und Druck auf d5 ausübt. Sicherlich ist 3. Sc3 Sf6 4. e3 Lf5?! 5. cxd! nicht so stark wie die oben genannte Variante mit Sf3+Sc3, aber Weiß erhält doch Vorteil.
5. ... cxd wird mit dem gewöhnlichen Db3 beantwortet. 6. ... Db6 7.Sxd5!
Daher 5. ... Sxd5. In Karpov-Huebner, Köln 2002 rpd wurde hierauf 6. f3 gespielt und der Partieverlauf zeigt, dass dies sicher nicht ungefährlich ist, aber das von Hübner gewählte 6. ... Sxc3 7. bxc 8. e5! scheint auf den ersten Blick doch fast adequate Chancen für Schwarz zu bieten.
Stärker als 6. f3 scheint mir daher die Idee: 6. Lc4 e6 7.Se2 - 8. e4. Als Beispielpartien würde ich hier klassisch Alchejin - Opocencky, Paris 1925 und eine neuere Partie Belozerov - Frolov, Novosibirsk 2001 anführen.

Gorillababy
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  Slawisch Beitrag #13 (permalink)  
Alt 17.03.2006, 16:42
Gast5546
Gast
 
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Zitat:
Zitat von Chessmaster
4.a4 spielt üblicherweise Weiss nachdem Schwarz seinen Bauern mit b5 deckt.
Hier also im 5.Zug jeweils nach nach 4.e4,4.e3, oder 4.Sf3.Wobei mir 4.e4 am forcierendensten erscheint.
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  Slawisch Beitrag #14 (permalink)  
Alt 18.03.2009, 14:06
Benutzerbild von n0rn
n0rn
Neuling
DWZ/Elo: ~1700
 
Registriert seit: 03.2009
Ort: Wesel & Münster
Beiträge: 6
Zunächst mal: Hallo!
Es ist schön, wie ausführlich (für ein Forumsthema) die Möglichkeiten vom Slawischen hier behandelt werden, aber ich habe noch eine konkrete Frage zu einer Variante.
Was macht Schwarz denn, wenn Weiß nach 1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sc3 Sf6 4. e3 Lf5 dann im fünften Zug 5. Db3 spielt? Meiner Meinung nach kann 5. ...Dd7 nach Sg1-f3-e5 unbequem werden. Genauso wenig würde ich mich nach 5. ...Lc8 besonders wohlfühlen und fände die Variante 5. ...Db6 6. Dxb6 axb6 7. cxd5 Sxd5 8. Sxd5 cxd5 auch nicht angenehm, da mir dann der Doppelbauer nicht gefällt, auch wenn ich vielleicht auf der offenen c-Linie oder der halboffenen a-Linie Druck machen könnte.
Was kann Schwarz nach einer dieser Antworten für vernünftige Pläne entwickeln? Oder ist es vielleicht überhaupt nicht gut, schon im vierten Zug Lf5 zu spielen?
Danke im Voraus.
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  Slawisch Beitrag #15 (permalink)  
Alt 19.03.2009, 15:27
tracke
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Hallo nOrn!

Wie in meinem langen Post erwähnt, ist 3.Sc3 Sf6 4.e3 Lf5!? für Schwarz "wohl spielbar aber doch objektiv nicht ganz so gut wie der Übergang in den Meraner".

Nach 5.Db3 scheint wirklich 5...Db6! das beste für Schwarz zu sein und auch wirklich zum knappen Ausgleich zu genügen - die Stellung nach 6.Dxb6 axb6 7.cxd5 Sxd5 8.Sxd5 cxd5 ist m.E angenehm für Schwarz (zumindest im Ausgleichssinne): der isolierte Doppelbauer ist fast gar nicht angreifbar, die offenen Linien geben den schwarzen Figuren aktives Spiel. Komischerweise holt Schwarz seinen Prachtläufer f5 oft nach d7 zurück, um (nach e6,Sc6-a5, Le7, evt.f6) später mit b6-b5! selbst am Damenflügel anzugreifen und den weißen a-Bauern unter Druck zu setzen. Dazu gibt´s ´ne klassische Modellpartie von Capablanca (Weiß war Spielmann oder Marshall?).
Kritischer als 5.Db3 ist 5.cxd5! cxd5 6.Db3!, weil jetzt 6...Db6 an 7.Sxd5 scheitert. Darum 6...Lc8! (nebst e6/Le7/0-0), und manche Schwarzspieler (z.B. GM Prie) mögen sowas. Trotz doppelten Tempoverlustes ist diese Abtausch-Stellung nicht besonders schlimm für Schwarz, da erstens der weiße Damenläufer auch eingeschlossen ist und zweitens und überraschenderweise die Db3 auch nicht gut steht. Aber besonders toll ist das für Schwarz natürlich auch nicht.

Gegen 3.Sc3 taugen 3...Sf6 4.e3 Lf5/Lg4 oder 3...e5 wohl nur als Ausweichsysteme zur gelegentlichen Anwendung, Schwarz sollte entweder unter diesen Möglichkeiten variieren oder besser was anderes vorbereitet haben: Entweder Halbslawisch via 3...Sf6 4.e3 e6 bzw. 3...e6. Oder das Schlechter-System 3...Sf6 4.e3 g6. Oder aber das prinzipielle 3...dxc4, das schon von Kramnik, Morozevich, Swidler, I.Sokolow, Rublewsky etc. gespielt wurde und auch von Slawisch-Autor Vigus empfohlen wird. 3...dxc4 ist wohl insbesondere die beste Wahl für Schwarz, falls er nur den Offenen Slawen spielen und nur eine (auch schon recht umfangreiche) Variante gegen 3.Sc3 lernen will und nicht gleich ´ne ganze weitere Eröffnung (Meraner, Noteboom, Schlechter).

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