Als passionierter Slawisch-Spieler kann ich versichern, daß die Abtauschvariante nicht besonders vielversprechend für Weiß ist. Besonders harmlos oder sicher ist sie aber auch nicht gerade, z.T. ergeben sich ganz scharfe Varianten (z.B. V.Georgiev-R.Dautov, Plovdiv 2003, 0:1).
Inbesondere der Abtausch schon im 3.Zug ist vielleicht etwas verfrüht und gibt Schwarz nur aktive Möglichkeiten wie 3.cxd5 cxd5 4.Sc3 e5!? oder 4.Lf4 Sc6 5.Sc3 e5!?
Es gibt einige sehr solide Möglichkeiten wie 3.Sf3 Sf6 4.Dc2 oder 4.e3, mit denen sich Weiß vielleicht einen mikroskopischen Vorteil sichern kann. Wenn Weiß aber auf prinzipielle Weise um das Zentrum und den Punkt e4 kämpfen will (und das sollte er ruhig tun, man lernt einiges über Zentrumsdynamik), dann muß er sich auf die Hauptvariante einlassen: 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 und nun 6.e3 oder 6.Se5.
Ob Weiß zuerst 3.Sc3 oder 3.Sf3 zieht, ist größtenteils eine Frage des Geschmacks und des Repertoires, meistens läuft es aber auf das gleiche hinaus. Tendenziell ist 3.Sc3 schärfer (3...dxc4?!, 3...e5?!) und ambitionierter (3...Sf6 4.e3!? ; 3...e6 4.e4!?), 3.Sf3 dafür solider.
Zugumstellungstechnisch tut sich zwischen Zug 3 und 6 ein ganzes Universum auf, es sind noch alle möglichen Übergänge denkbar, z.B.:
3.e3 Sf6 4.Sf3 a6 5.Ld3 dxc4 6.Lxc4 e6 7.0-0 c5 (Angenommenes Damengambit)
3.Sc3 Sf6 4.e3 g6 5.Sf3 Lg7 (Grünfeld: Schlechter-System)
3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 Sbd7 6.e3 Da5 (Cambridge-Springs)
3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 Sbd7 (Meraner/Anti-Meraner)
3.Sc3 e6 4.e3 f5 (Stonewall)
Zentraler Orientierungspunkt dieser Zugumstellungen im "Offenen Slawen" (4...dxc4) ist dabei eigentlich die Halbslawische Verteidigung (4...e6) mit dem Meraner System 5.e3 Sbd7 6.Ld3 dxc4! bzw. dem Anti-Meraner System 6.Dc2!? . Der Meraner gilt für Schwarz weithin als noch minimal besser als der Offene Slawe. Allerdings ist der Meraner in der Zugfolge mit 2...e6 schwer durchsetzbar (3.Sc3 c6 4.e4 ; 3.Sc3 Sf6 4.Lg5/cxd5), weswegen er heutzutage meist nicht über den klassischen Weg 2...e6 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 e6 entsteht, sondern über die slawische Zugfolge 2...c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6. Die Zugreihenfolge im Offenen Slawen (und die Existenz ganzer Systeme wie 2...c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 a6 5.Dc2) hängt also im wesentlichen davon ab, ob Weiß es dem Schwarzen erlauben möchte, noch in den Halbslawen zu wechseln!
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