Hallo Leute!
Bin erstmal neu hier und habe mich wegen den vielen interessanten Themen hier angemeldet und hoffe das ich hier Hilfe zu meinem kleinen (nein eher großen) Problem bekomme.

Also ich bin mit Weiß ein überzeugter Englisch-Spieler und reagiere mit Schwarz auf 1.d4 liebend gern mit Nimzoindisch oder Damenindisch. Soweit so gut. Ich kenne mich mit allen Systemen gut aus und bin auch recht erfolgreich damit, nur habe ich das kleine Problem, auf das meistgespielte 1. e4 noch nicht meine Wunscheröffnung gefunden zu haben, obwohl ich alle (!) schoneinmal gespielt habe. Hier meine Erfahrungen dazu (Sorry, der Beitrag wurde ein wenig lang, ich kann verstehen, wenn ihr euch das nicht zumuten wollt, hoffe aber trotzdem auf ein paar mitfühlende Seelen

) :
1. ... e5 (Offenes Spiel)
Wie jedem Anfänger geraten wird, begann ich mit den Offenen Spielen, wobei mir recht schnell klar wurde, dass das nun gar nicht meinem Spielstil entspricht. Schließlich spiele ich Englisch, ich habe es gerne ein wenig ruhiger. Außerdem frustriert durch die wunderbaren weißen Stellungen die Weiß im Italiener erhält , schaute ich mich nach Alternativen um, die mir weniger viele Fehlschläge bereiten sollten.
1. ...d5 (Skandinavische Verteidigung)
Lange Zeit war dies das Non plus Ultra für mich, da ich zu der Zeit unfähig war ein Bauernzentrum zu führen ... (was ich nun mittlerweile doch kann

) Ich begann mit dem System 2. ... Da5, was mir sehr gut gefiel, allerdings ist dort eben die Dame leicht angreiffbar... Verwirrte Gegner und ratlose Gesichter waren die Folge der Züge 1. e4 d5 2. exd5 Sf6 3. c4 e6?! (eine Art verzögertes Isländisches Gambit), mitdem ich vielen den Kopf zum glühen brachte. Viele Erfolge motivierten mich, dieses System beizubehalten.
Nur leider kam die Zeit (oder eher das Niveau DWZ > 1500), inder ich gegen Gegner spielte, die dieses fragwürdige Gambit widerlegten... So musste ich mich gezwungenermaßen umkrempeln...
1. ...e6 (Französische Verteidigung)
So landete ich bei Französisch. Einen eigentlich ganz nette Verteidigung, die mir ganz gut gefielt. Schwarz greift das weiße Zentrum effektiv an, doch nun kommt der Knackpunkt: Sobald sich meine Figuren französischtypisch in Angriffsstellung gebracht haben (Db6-Sc6-c5-d5-e6-meist das Manöver Se7 auf f6) und der Gegner das Zentrum doch sichern kann, bricht bei mir totale Ratlosigkeit aus.
"Was soll ich denn nun tun?" war die Frage, die ich mir allzuoft stellte. Sinnloses Figuren hin-und-her schieben war die Folge. Mein Gegner reagierte darauf mit eiskaltem und blitzschnellem Angriff auf meinen König, der keine 10 Züge später im eisernen Griff des Weißen war. So suchte ich nach einem System, dass eher defensiv, aber dennoch Raum für Kontermöglichkeiten lässt.
1. ... c6 (Caro-Kann Vereidigung)
Ungeachtet dessen, dass ich Caro-Kann nur 4 mal spielte, mich aber ausgezeichnet mit dieser Eröffnung befasst habe, wurde mir bald klar, dass mir Caro-Kann noch weniger Möglichkeiten wie Französisch bietet, weil man das Zentrum noch schlechter und ineffizienter angreiffen kann. Ich bin vielleicht ein ruhiger Spieler, aber "so" ruhig nun auch nicht. Ich möchte mich schließlich auch gegen die weiße Expansion im Zentrum wehren können.
Gefrustet durch die Misserfolge schaltete mein Schachgehirn auf die Suche nach einer hypermodernen Verteidigung. Dies faszinierte mich, da ich das Zentrum gar nicht erst mit Bauern besetzen sollte, wie ich es sonst immer tat, sondern reinen Figurendruck mache. (So kam ich übrigens auch zum Nimzoer und Dameninder: Ein Lob auf Aaron Nimzowitsch!^^)
1. ... b6 (also Englische Verteidigung, oder Owen-Verteidigung)
Ich habe gehofft damit in Damenindischartige Fahrwasser zu kommen, was aber im Nachhinein recht dumm war (da ja 1.e4 schon gespielt wurde, was ja im Dameninder verhindert werden soll

) das wurde dann zur Modernen Verteidigung umgebaut.
1. ... g6 (Moderne Verteidigung) oder 1. ... d6 (Pirc-Verteidigung)
Mit der Meinung nun das Patentrzept gegen 1. e4 gefunden zu haben, habe ich eine lange Zeit (ca. 4 Monate) mit dem Aufbau g6-Lg7-Sf6-d6-Sbd7-b6-Lb7 gespielt. Es entstand eine Art Pirc-Ufimzew Verteidigung mit Damenfianchetto. Mit den Bauernvorstößen wie c5 oder f5 greift man dann das Zentrum des Gegners an, lockt es vor, schleicht sich so hinter die schützende Bauernkette und zerspielt den Gegner quasi von "Innen" herraus. Damit war lange Zeit glücklich und unerwartet erfolgreich, meine Gegner schlugen unüberlegt und wild auf meinen Aufbau ein, sodass ich viele Punkte verbuchen konnte.
Vorallem Angreiffer habe ich mit diesem Aufbau oft vor den Kopf gestoßen. Leider komme ich nun in eine höhere Spielklasse, inder es auch positionell "bessere" Spieler gibt, die mir nun die Tour vermasseln... dann bleibe ich meist auf einem gutem und einem sehr schlechten Läufer sitzen der mir im Endspiel mein Genick bricht, oder verzweifle an einem rückständig gewordenen Bauer, der bei meinem System nicht selten zwangsweise entsteht...

Außerdem war und bin ich der Meinung, dass man mit diesem Aufbau nur gewinnen kann, wenn der Gegner nicht aufpasst und in einen Konter rennt, was bei meinem derzeitigen Gegnerniveau wohl kaum mehr passieren dürfte. Nachdem diese Eröffnung ein Schlag ins Wasser zu werden drohte, spielte ich das allseits beliebte Sizilianisch.
1. ... c5 (Sizilianische Verteidigung)
Da man bei Englisch ja 1. c4 spielt und man nach 1...e5 Sizi im Anzug spielt dachte ich, dass dies eine gute Wahl sein würde. Falsch! Sizilianisch hat nun fast gar nichts mit Sizilianisch im Anzug zu tun. Weiß kommt sehr früh zu einem Königsangriff, was in Englisch meist nicht das Ziel des Schwarzen ist...
An Sizilianisch gefällt mir gut, dass Weiß den d- gegen den schwarzen c-Bauer abtauscht und ich so eine Zentrumsmehrheit bekomme, die ich eventuell verwerten könnte. Dumm nur, dass ich in den seltensten Fällen dazu komme, da mich Weiß recht schnell überrennen kann. Ich probierte es mit dem Drachen, mit Najdorf (mit d6 wie Kasparov) und mit Schweshnikov beidenen ich schneller zerspielt wurde als ich Gegenangriff auf der c-Linie starten konnte. Nun blieb als letzter Ausweg die Aljechin-Verteidigung (da ich die Nimzowitsch-Verteidigung für eher nicht so gut halte)
1. ...Sf6 (Aljechin-Verteidigung)
Nach dem provozierten Bauernsturm im Zentrum, der mich jedesmal fast meinen Springer kostete (was ja auch der Sinn von Aljechin ist), war ich mir nicht ganz sicher, wie sich Schwarz nun ohne hervorrangende Theoriekenntnisse in allen Varianten retten sollte (die Scoring-Rate bei chessgames beweist meine Vermutung). Interessanterweise konnte ich mich hier häufig länger halten, als im Sizilianer, dafür aber leider nicht öfters

.
Da ich nun alle vernünftigen Halboffenen Spiele einmal durchgenommen habe und ich zu dem Punkt gekommen bin, andem ich wirklich Hilfe brauche. Momentan entscheide ich spontan, was ich auf 1. e4 spielem, was mir aber so gar nicht passt.
Ersteinmal sorry, wenn gerade eure Lieblingseröffnung von mir ihr Fett weg bekam, ist nur meine persönlich, meist negative, Meinung, aber das musste einfach mal raus.
Hier nun erstmal meine Fragen:
Kann mir jemand Tipps geben, welche Eröffnungen ich vielleicht ausprobieren sollte? Kurz zu meinem Spielstil: Ich mag keine taktischen Verwicklungen, daher sollte die Eröffnung eher positionell ausgelegt sein und solide sein (es nützt ja nichts zu sagen, dass das der Beschleunigte Drachen nach dem Maroczy-Aufbau eher positioneller wird, aber Weiß einen mörderischen Königsangriff starten könnte.). Außerdem mag ich nicht gern Opfern (außer natürlich ich setzte Matt, oder sehe einen gewinnbringenden Vorteil, bin also kein Kasparov

). Ich habe auch nichts gegen Sizilianische Varianten, oder auch solidere Varianten im Offenen Spiel, also immer her mit Vorschlägen!
Kann mir auch jemand Tipps geben, wie man eine Eröffnung richtig lernen kann? Ich mache das frei nach dem Motto: Erst Pläne begreiffen, dann Varianten lernen, dann spielen, spielen, spielen! Ist das richtig oder kann man noch etwas verbessern?
Vielleicht suche ich auch etwas, was es gar nicht gibt. Schließlich hat jede Eröffnung ihren Haken. Doch ich hoffe, bald die passende Entgegnung auf 1. e4 zu finden!
PS.: Ich suche jetzt keine einzeiligen Antworten wie "Spiel Französisch!" oder irgendsowas und auch keine, die nur ihre eigenen Eröffnungen in den Vordergrund rücken, bitte also um etwas Objektivität.
Ich danke euch schonmal für eure Geduld und hoffe auf gute und konstruktive Vörschläge!