Hallo allerseits!
Warum spielen so wenig Leute Aljechin? - Vielleicht weil es schlecht ist ?!?
Natürlich ist Aljechin nicht richtig schlecht sondern durchaus spielbar.
Allerdings wohl schlechter als Spanisch, Sizilianisch, Caro-Kann, Russisch oder Französisch!
Meine Meinung über Aljechin hat sich nicht geändert seit:
http://www.schachmatt.de/46409-post3.html
Das Bogdanov-Buch ist inzwischen erschienen und ganz ordentlich; obwohl
tiefe Theorie in kritischen Abspielen ein bißchen dünn ist, denn Bogdanov geht
wohl davon aus, daß man die Details sowieso mit Datenbank+Engine ausarbeiten
sollte, womit er nicht ganz unrecht hat.
Das Taylor-Buch steht kurz vor der Veröffentlichung, auf der Verlagshomepage
(oder bei amazon) kann man sich schon einen Ausschnitt angucken. Macht
einen sehr guten Eindruck!
(Falls das Buch tatsächlich paar kleinere theoretische
Problemchen löst, kann ich mich gut vorstellen, Aljechin wieder von der Viertwaffe
zur Drittwaffe zu befördern!)
- Aljechin ist wirklich ´ne sehr brauchbare Ergänzung im Repertoire! Besonders
für 1.e4-Spieler - dann lernt man gleich, wo die Probleme bei Schwarz liegen!
- Es ist nicht besonders theoretisch umfangreich im Vergleich zu anderem.
- Aljechin scort im Bereich 1700-2100 sogar sehr gut, denn auf diesem Niveau
ist es typisch, daß jeder seine Schwarzsysteme sehr gut vorbereitet aber
sein Weißrepertoire nur ungefähr (weil dazu die Zeit fehlt), sowas ist gegen
Aljechin oft tödlich für Weiß
- Zuviel Aljechin-Spielen verdirbt die allgemeine Spielanlage:
man darf nicht
immer nur kontern wollen, man sollte auch lernen "das Spiel zu machen"!Magnus Carlsen spielt Aljechin
Wenn ich mal in meine Datenbanken schaue (die zwar nicht perfekt und komplett
sind aber doch ganz gut), dann stelle ich fest:
- ... daß Carlsen in früher Jugend (~2003) schon paarmal Aljechin gespielt hatte
und dann auf IM-Niveau damit aufhörte
- ... daß Carlsen von Oktober 2007 bis März 2008 bißchen mit Aljechin experimentiert
hat, hauptsächlich in Blitz- oder Schnellpartien
- ... daß sein Gesamtscore mit Aljechin nicht besonders doll ist
- ... daß er nach dem Sieg gegen Topalow nie wieder Aljechin in einer Turnierpartie
probiert hat, obwohl er seitdem ca. 60mal 1.e4 vorgesetzt bekam (stattdessen
~60% Sizilianisch und ~35% Spanisch)
- ... daß er nach dem Sieg gegen Topalow Aljechin nur noch zweimal in hochwertigen
Schnellpartien angewandt hat und dabei gegen Anand und Karjakin glatt verlor
Fazit:
Carlsens Sieg gegen Topalow war der erfolgreiche (und glückliche!) Abschluß eines
durchwachsenen Experimentes, danach wanderte 1...Sf6?! erstmal wieder ganz
tief in Carlsens Variantenkoffer ...
Ähnliches gilt für
Nigel Short, der auch oft als Aljechin-Idol bemüht wird,
tatsächlich aber gegen 1.e4 zu >90% auf Spanisch und Französisch vertraut!
@minu13
Du meinst bestimmt die Larsen-Variante 4.Sf3 dxe5 5.Sxe5 Sd7?! 6.Sxf7, oder?
Ja, da hat Weiß nach 6...Kxf7 7.Dh5+ Ke6 ein Dauerschach mit 8.Dg4+ Kf7 9.Dh5+
Ke6 sicher, da 8...Kd6? forciert verliert. Im Prinzip vertraut Schwarz nur darauf,
daß Weiß nicht gut genug vorbereitet ist und sich an die (durchaus verheißungsvollen!)
Widerlegungsversuche 8.c4! oder 8.g3! nicht herantraut. Dabei muß Schwarz das
Remis immer in Kauf nehmen und selbst auch einige Theorie kennen. Und selbst
die Ablehnungen 6.Sf3 oder 6.Lc4 sind noch ganz angenehm für Weiß. Ich finde
es ziemlich krank, sich als Schwarzer auf so eine Variante einzulassen, obwohl
5...Sd7?! auf Meisterniveau in gewissen Situationen sicherlich interessant ist.
(Die erwähnte Vorschau des Taylor-Buches beinhaltet u.a. genau die Stelle,
an der Taylor ausführlich
gegen 5...Sd7 und
für 5...g6 bzw. 5...c6 argumentiert:
http://www.everymanchess.com/chess/b...k_against_1_e4 )
tracke