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09.02.2010, 20:51
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Schachjournalist
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Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
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Französisch-Retiaufbau
Nach diversen Versuchen irgendwie der unsäglichen Französischen Verteidigung Herr zu werden, bin ich zuletzt auf den Reti-Aufbau gestossen. 1.e4 e6 2.b3 d5 3.Lb2
Sieht gefällig aus. Kann jemand etwas darüber erzählen?
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10.02.2010, 10:27
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Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
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Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
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Es gibt sogar ein Buch darüber (das auch für b3 gegen e6-Sizilianer ganz nützlich ist) http://www.amazon.de/Fascinating-Ret...sr=8-1-catcorr
Allerdings ist die ganze Spielweise nicht unbedingt zu empfehlen: sie ist nicht gerade objektiv schlecht, aber im Ganzen wahrscheinlich noch viel schwieriger zu spielen als die "normalen" französischen Stellungen!
Das eigentliche Gambit 1.e4 e6 2.b3 d5 3.Lb2 dxe4 4.Sc3 ( 4...Sf6 5.De2 [Reti] oder 5.g4 [Papa]; 4...f5!? ist kritisch) ist zwar genau das offene und taktische Kuddelmuddel, von dem Schachfreunde wie TAFKABP zu träumen scheinen, aber noch nicht mal besser für Weiß. Der Nachziehende muß aber gar nicht kooperieren, und nach 2...b6 oder 2...c5 oder insbesondere 2...d5 3.Lb2 Sf6! 4.e5 Sfd7 entstehen Stellungen, die bei aller Unklarheit bestimmt nicht leicht zu spielen sind. Insbesondere nicht, wenn man sich mit französischen Stellungsstrukturen nicht auskennt! Eine dem Gegner unbekannte Nebenvariante zu spielen, mag auf Hobbyspieler-Niveau die Hälfte des Erfolges sein; sogar noch mehr, wenn die Variante scharf und objektiv gesund ist. Leider sind genau diese scharfen und objektiv gesunden Varianten gar keine Nebenvarianten, sondern haben eine Menge Theorie um sich gescharrt und sind entweder zu Hauptvarianten geworden oder aber widerlegt worden. Eine dem Gegner unbekannte Nebenvariante zu spielen, wird auf höherem Niveau immer unwichtiger und kann eher zum Keim der eigenen Niederlage werden! Denn es gibt bestimmt einen objektiven Grund dafür, daß diese Nebenvariante eine Nebenvariante geblieben ist! Und je stärker der Gegner ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß er diesen Grund schon kennt oder am Brett findet!!
Mit den geschlossenen französischen Zentrumsstrukturen (Weiß zieht e4-e5: Vorstoß, Winawer, Steinitz, MacCutcheon, Klassisch, Sf6-Tarrasch, Le7-Tarrasch) ist schon so mancher Weißspieler nicht zurechtgekommen, mir ging es früher mal genauso. Da muß man sich durchbeißen und es akzeptieren, daß dies zum Nicht-Anfänger-Schach dazugehört!
Ansonsten kann man ambitioniertes Schachspielen auch gleich seinlassen: gegen Französisch könnte man sich zur Not noch mit KIA oder Abtauschvariante behelfen (aber auch wirklich nur zur Not und zeitweilig), ohne Verständnis französischer Strukturen wird man letzten Endes aber auch Sizilianisch, Caro-Kann, Owen, Aljechin, Nimzowitsch, Damengambit, Katalanisch, Holländisch, Nimzo/Damenindisch usw nicht gut behandeln. Also, den französischen Stier an den Hörnern packen mit 3.Sc3! oder 3.Sd2! oder 3.e5!
tracke
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10.02.2010, 14:47
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Schachjournalist
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Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
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Zitat:
Zitat von tracke
Es gibt sogar ein Buch darüber (das auch für b3 gegen e6-Sizilianer ganz nützlich ist) http://www.amazon.de/Fascinating-Ret...sr=8-1-catcorr
Allerdings ist die ganze Spielweise nicht unbedingt zu empfehlen: sie ist nicht gerade objektiv schlecht, aber im Ganzen wahrscheinlich noch viel schwieriger zu spielen als die "normalen" französischen Stellungen!
Das eigentliche Gambit 1.e4 e6 2.b3 d5 3.Lb2 dxe4 4.Sc3 ( 4...Sf6 5.De2 [Reti] oder 5.g4 [Papa]; 4...f5!? ist kritisch) ist zwar genau das offene und taktische Kuddelmuddel, von dem Schachfreunde wie TAFKABP zu träumen scheinen, aber noch nicht mal besser für Weiß. Der Nachziehende muß aber gar nicht kooperieren, und nach 2...b6 oder 2...c5 oder insbesondere 2...d5 3.Lb2 Sf6! 4.e5 Sfd7 entstehen Stellungen, die bei aller Unklarheit bestimmt nicht leicht zu spielen sind. Insbesondere nicht, wenn man sich mit französischen Stellungsstrukturen nicht auskennt! Eine dem Gegner unbekannte Nebenvariante zu spielen, mag auf Hobbyspieler-Niveau die Hälfte des Erfolges sein; sogar noch mehr, wenn die Variante scharf und objektiv gesund ist. Leider sind genau diese scharfen und objektiv gesunden Varianten gar keine Nebenvarianten, sondern haben eine Menge Theorie um sich gescharrt und sind entweder zu Hauptvarianten geworden oder aber widerlegt worden. Eine dem Gegner unbekannte Nebenvariante zu spielen, wird auf höherem Niveau immer unwichtiger und kann eher zum Keim der eigenen Niederlage werden! Denn es gibt bestimmt einen objektiven Grund dafür, daß diese Nebenvariante eine Nebenvariante geblieben ist! Und je stärker der Gegner ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß er diesen Grund schon kennt oder am Brett findet!!
Mit den geschlossenen französischen Zentrumsstrukturen (Weiß zieht e4-e5: Vorstoß, Winawer, Steinitz, MacCutcheon, Klassisch, Sf6-Tarrasch, Le7-Tarrasch) ist schon so mancher Weißspieler nicht zurechtgekommen, mir ging es früher mal genauso. Da muß man sich durchbeißen und es akzeptieren, daß dies zum Nicht-Anfänger-Schach dazugehört!
Ansonsten kann man ambitioniertes Schachspielen auch gleich seinlassen: gegen Französisch könnte man sich zur Not noch mit KIA oder Abtauschvariante behelfen (aber auch wirklich nur zur Not und zeitweilig), ohne Verständnis französischer Strukturen wird man letzten Endes aber auch Sizilianisch, Caro-Kann, Owen, Aljechin, Nimzowitsch, Damengambit, Katalanisch, Holländisch, Nimzo/Damenindisch usw nicht gut behandeln. Also, den französischen Stier an den Hörnern packen mit 3.Sc3! oder 3.Sd2! oder 3.e5!
tracke
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Bin erstaunt wie akribisch Du Dich mit Fragen auseinandersetzt. Scheinbar bist Du ein Vollprofi. Wofür steht denn Papa? Die Variante gefällt mir gut. Hab als Ausweichmethode sonst die c4 Variante im Abtauschfr. gespielt. KIA ist nicht so mein Fall.
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13.02.2010, 16:13
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Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
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Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
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Na, ein Teil der Irrungen und Wirrungen, denen die meisten hier anhängen, sind mir selber mal wiederfahren. Bevor ich die Kurve gekriegt habe!
Vollprofi? - Schön wär´s. Wenn ich Amateur bei kleineren Turnieren auch mal hin und wieder ´nen Preis abstaube, so bekomme unter´m Schnitt nicht mal Startgeld und Spesen ganz raus.
Papa? Michael ("Mike") Joseph Papa jr. war ein (französischer?) Spieler, der 2.b3 auch paarmal gespielt hat. Und auch ein Heftchen dazu veröffentlicht hat: http://openlibrary.org/b/OL11698360M...French_Defense
Wenn Du keine französischen Strukturen (sprich keine Hauptvarianten) spielen möchtest, solltest Du entweder auf 1.e4 verzichten (aber bei 1.d4 gibt´s bestimmt auch was, was Du nicht magst) oder aber Deine Ambitionen gehörig herunterschrauben.
Meinetwegen kannst (d.h. darfst) Du nicht nur Abtausch oder KIA spielen, sondern auch Flügelgambit, 2.g4?! oder 2.e5?! - wir sind schließlich ein freies Land! Wenn Du Deine Schachbemühungen aber nur an Geschmack und Spaß ausrichtest, wirst Du vielleicht viel Spaß haben aber nicht viel Erfolg! Ich kann Dir aber versichern, daß man mit mehr Erfolg auch noch mehr Spaß hat, dazu bedarf es aber der Bemühung.
tracke
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28.03.2010, 22:28
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Schachjournalist
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Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
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