Hallo Mr.X, das reicht natürlich noch lange nicht...
Sizilianische Igel und Pseudo-Igel (weißer c-Bauer auf der 2.Reihe) gibt es wie Sand am Meer:
etwa im Kan/Paulsen-System, im Taimanov-System, im Scheveninger System, im Najdorf-System
oder auch etwa (ziemlich radikal) nach 2...b6 . Der schwarze Aufbau ist oft ziemlich ähnlich
(bzw. Schwarz strebt immer solche Igel- und igelähnlichen Aufbauten an) aber Weiß kann sich
natürlich (je nach schwarzer Zugfolge) darauf einstellen oder dem Schwarzen die Igel-Idee ganz
vermiesen. DENN ES IST NATÜRLICH SELTEN GUT, EINEN SCHEMATISCHEN AUFBAU UNABHÄNGIG
VON DEN GEGNERISCHEN ZÜGEN DURCHZUFÜHREN. Ich selbst probiere gegen solche Immer-Igel-Spieler
beim Blitzen gerne mal sowas wie 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.g3 a6 4.Lg2 Dc7 5.0-0 Sc6 6.c3 Sf6 7.Te1
nebst d2-d4, was einen Königsindischen Angriff mit d2-d3-d4 in einem Zug bedeutet und für
Weiß relativ günstig ist. Schwarz hätte natürlich mit einem frühen Angriff gegen den weißen Be4
(mit ...d5 oder ...Sf6) locker ausgleichen können, aber wenn er erst mal seine Schemazüge runterspult,
dann kommt Weiß eben rechtzeitig zu Te1 und spart für den d-Bauern ein wichtiges Tempo ein.
JEDEM FESTGEFÜGTEM SCHEMA (ob Igel, Colle, ...g6-gegen-alles, KIA, Bird-Larsen-Angriff,...)
KANN MAN DURCH SPEZIELLE ZUGFOLGEN BEIKOMMEN! Erforderlich dafür ist natürlich, daß man selber sehr konkret und mit einem guten allgemeinen EÖVerständnis vorgeht.
Um z.B. 2...e6 3.g3 spielen zu können, muß man als Weißer natürlich auch bereit sein, KIA ohne
Mehrtempo oder einen Offenen Sizilianer mit weißem Königsfianchetto oder was ganz anderes zu spielen.
3.g3 ist natürlich sehr speziell: nicht schlecht aber auch nicht besonders empfehlenswert, da Schwarz
halt mehrere klare Ausgleichsfortsetzungen hat (aber eben kein Igel!)
Um jetzt wieder mehr hauptvariantenorientiert auf den Offenen Sizilianer zurückzukommen:
Die sizilianischen Igel (bzw. Pseudo-Igel) sind früher meist aus dem Scheveninger System nach
6.Le2 entstanden (Ljubojevic, Andersson, Adorjan, Kasparow). Nachdem sich dann unter Weißspielern
herumgesprochen hatte, daß dem Stachelvieh nicht so leicht beizukommen ist, hat man sich noch
verstärkter dem Keres-Angriff 6.g4 gewidmet, was den meisten Schwarzen dann die Scheveninger
Zugfolge vermieste. Die sattelten oft um auf Taimanov, da gehen dann wieder viele Hauptvarianten
in Igel-Stellungen über. Nebenbei, die ersten Wettkämpfe Karpow-Kasparow 84/85 handelten genau
von diesen Problemen! Dann hatte Weiß wieder Ideen mit frühem Sd4-b5 oder Sd4xc6, was aber
auch nicht so furchteinflößend ist (aber zumindest den Igel verhindert). Immer beliebter wurde danach
das Kan/Paulsen-System, was Weiß keinen frühen Angriffspunkt gibt. Allerdings verzögert sich
hier auch der schwarze Kontakt mit der weißen Zentrumsstellung, weshalb Weiß oft erstmal Ld3+0-0
versuchen kann und am Damenflügel mit b1-Springer/c1-Läufer/c2-Bauer noch ganz flexibel bleibt.
Zum unflexiblen 2...b6 gab es wohl noch nie ein großes Vertrauen, da kann
Weiß noch jede mögliche
Zentrumsformation spielen oder auch das offene 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Lb7 5.Sc3 a6! 6.Lg5! versuchen,
wonach Schwarz wohl Probleme mit seiner Königsflügelentwicklung bekommt (vgl. Zellers Igel-Buch).
In letzter Zeit ist neben Kan/Paulsen und Taimanov auch O´Kellys 2...a6 relativ populär geworden.
Und schließlich sind noch all die schwarzen Db6-Systeme anzumerken, womit der weiße Sd4 erst nach b3
gedrückt wird, bevor Schwarz seine Dame wieder nach c7 zurückholt und (manchmal) noch igelt.
Ja, ich bin nun wahrlich kein Experte für die konkrete Theorie des Offenen Sizilianers, ich spiele das
weder mit Weiß noch mit Schwarz (mit Weiß zuviel Theorie und mit Schwarz zu gefährlich falls der Gegner
die Theorie wirklich gut kennt). Mein Eindruck ist aber, daß die meisten "klassischen" Igel-Stellungen
mit weißem e4+c4-Zentrum (wo Weiß sich den vollen Raumvorteil sichert) eher in der Englischen Eröffnung
(1.Sf3 Sf6 2.c4 c5 3.g3 b6 o.ä.) entstehen. Im Sizilianer fährt die heutige PC-Generation mit Weiß meist
einen ziemlich brutalen taktischen Kurs mit Sc3 (ohne c4), Ld3, 0-0, ggf. Le3, f4 samt Hauen und Stechen,
dies bedarf allerdings einer konkreten Vorbereitung, um nicht plötzlich ohne Be4 oder gar Sd4 dazustehn!
Sorry, genauer kann ich jetzt nicht helfen, zumal Du die Sizilianisch-Igel-Variante Deines Gegners
noch nicht einmal genauer spezifiziert hast. Hoffentlich waren meine Ausführungen trotzdem von
einem gewissen Nährwert !?
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