Hallo Ninel,
Deine Frage ist schwer zu beantworten, weil man so kann nicht einschätzen kann, auf welchem Niveau Du spielst. Das kann man selbst auch nicht immer einschätzen, was heißt schon "mittelstark"o.ä.?! Im Prinzip sind nur offizielle Ratingzahlen (keine Internet-Elo oder so´n Blödsinn) halbwegs aussagekräftig (und auch nur, wenn man innerhalb der letzten zwei Jahre halbwegs ambitioniert ´nen Dutzend oder mehr Turnierpartien gespielt hat).
Wenn man eine Eröffnung sich wirklich mal bißchen angucken möchte, führt kein Weg an einem guten Buch (oder einer DVD) vorbei:
Für fortgeschrittene Vereinsspieler bis hoch zum Meisterniveau (~1700-2400) ist letztes Jahr ein unglaublich gutes Caro-Kann-Übersichtsbuch erschienen, nämlich
Grandmaster Secrets: The Caro-Kann von Peter Wells (175 Seiten, Gambit London 2007, ~22€)
Etwas einfacher, aber auch nicht ganz anspruchslos (~1500-1900), ist das ältere
Starting out: Caro-Kann von Joe Gallagher (192S., Everyman London 2001, ~15€).
Gibt´s auch in deutscher Übersetzung (Caro-Kann-Geheimnisse, 2006, ~22€)
Falls das immer noch zu schwer sein sollte, solltest Du vielleicht ganz auf Caro-Kann verzichten, obwohl Du ja schon einige Erfahrung damit hast.
Natürlich ist Caro-Kann eine schöne und solide Verteidigung (genauso gut wie 1...e5, Sizilianisch oder Französisch), aber erfahrungsgemäß wird C-K häufig von schwächeren Spielern gewählt, weil man sich damit so herrlich passiv hintenreinstellen kann und weil es so wenig Theorie gibt. C-K ist zwar nicht ganz so theorieintensiv wie Drachen, Najdorf, Sweschnikow oder Spanisch, aber ganz faul sein darf man auch nicht, sonst wird man einfach nur bestraft.
Und man darf auch trotz seiner kompakten Stellung nicht zu passiv spielen - irgendwann lernen es die Weißen, wie sie ohne positionelle Fehler ihren Raumvorteil ausspielen können, wenn man ihnen genug Zeit läßt.
Häufig ist es so, daß am Anfang einer Karriere als weißer e4-Spieler (man kann gerade mal bißchen Italienisch) einem ganz übel in den halboffenen Verteidigungen mitgespielt wird. Und man versteht gar nicht, warum diese komischen Bauernzüge des Gegners die eigenen Figuren kaltgestellt haben. Dann liegt es nahe, in der nächsten Schwarzpartie das ganze auch einmal zu versuchen...
Trotzdem empfehle ich nach wie vor, erstmal relativ lange bei 1...e5 zu bleiben, denn dort versteht man seine Fehler am ehesten und kann aus ihnen lernen. Auch wenn es da manchmal etwas taktisch zugeht. Wenn Weiß will und etwas Theorie beherrscht, dann kann er nach 1.e4 gegen jede Verteidigung haarsträubende Komplikationen heraufbeschwören: der Van-der-Wiel-Angriff (Caro-Kann), Offener Sizilianer, Winawer mit 10.Dg4 oder Aljechin-Chatard (Französisch) , Dreibauernangriff (Pirc/Modern), 4Bauern-Angriff (Aljechin), Hauptvarianten gegen Skandinavisch usw. In den Offenen Spielen hat man aber den Vorteil, daß man sich konkretes, dynamisches Schach aneignen kann, solange es noch nicht allzusehr zusätzlich mit komplizierten, strategischen Elementen verwoben ist...
Langer Rede kurzer Sinn: erst 1...e5 gründlich studieren, die halboffenen Systeme lieber mit was relativ Einfachem beginnen (wie dem klassischen Franzosen oder dem Beschleunigten Drachen). Caro-Kann erst zum Schluß der Karriere (~Larsen: "Das Problem bei Caro-Kann ist, daß es später schwerfällt, was noch langweiligeres zu finden")
Falls trotz allem die Caro-Kann-Strukturen gefallen, so wäre Skandinavisch mit 2...Dxd5 eine Überlegung wert: das hat noch weniger Theorie und man bekommt fast immer seine Struktur. Und man macht ggf. noch schneller die Erfahrung, wie ein gutentwickelter Weißer mit einem Figurenangriff die dolideste und schönste Bauernstellung zerstören kann...
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