Wie sagte der englische Großmeister mal so schön über
den Hodgson-Angriff im Damenbauernspiel (1.d4 d5 2.Lg5):
"White isn´t worse".
Dies trifft bestimmt auch auf 2.c3 gegen Caro-Kann zu.
Natürlich ist 2.c3 kein Fehler in dem Sinne, daß Weiß nun
schlechter stehen würde. Er hat höchstens seinen Anzugs-
vorteil unnötig weggegeben. Je nachdem, wie Weiß auf das
natürliche 2...d5 fortzusetzen gedenkt, gibt es aber viel
flexiblere Züge, um dasselbe zu erreichen (1.e4 c6 2.c3 d5):
- Antwortet Weiß mit 3.exd5 cxd5 4.d4, so ergibt sich eine
Variante des Abtauschsystems (2.d4 d5 3.exd cxd), wo
Weiß besser mit dem aktiven 4.Ld3 fortsetzen könnte, obwohl
das schlußendlich auch nur Ausgleich ergibt, Schwarz sich
aber zumindest bißchen dafür anstregen muß. Weiß hätte
sich mit 2.c3 also frühzeitig aller Ambitionen beraubt.
- Antwortet Weiß mit 3.d3, so kann Schwarz Damentausch
anstreben mit 3...dxe4 4.dxe4 Dxd1+ 5.Kxd1 e5, wonach
die Stellung ziemlich ausgeglichen ist (ich würde im Zweifels-
falle trotzdem lieber Schwarz spielen!). Der weiße Rochade-
Verlust ist nicht schlimm, der weiße König findet auf c2 ein
nettes Plätzchen. Schwächere Gegner behandeln solche
damenlose Mittelspiele mangels Erfahrung oft ziemlich schlecht,
und insofern kann dies eventuell eine gute praktische Waffe sein.
Allerdings kann Weiß dies auch fast genauso gut mit 2.d3 d5
(2...e5 ist auch gut aber seltener) 3.c3 erreichen (3.Sd2 mit
mit einem königsindischen Aufbau ist "normal"). Auch hier hätte
Weiß mit dem unflexiblen 2.c3 seine Karten nur frühzeitig
aufgedeckt, auch wenn die Zugfolge 2.c3 d5 3.d3 vielleicht
psychologisch geschickter ist als 2.d3 d5 3.c3, weil Schwarz
dann den Weißen eher "bestrafen" will und übermotiviert auf
Vorteil spielt, obwohl Schwarz "nur" klaren Ausgleich hat.
- Antwortet Weiß auf 2.c3 d5 mit 3.e5, so hat Schwarz die
Wahl zwischen 3...Lf5 4.d4 e6, was eine unklare Variante
des Vorstoßsystems ergibt (2.d4 d5 3.e5 Lf5 4.c3 e6), und
dem vielleicht noch aktiveren 3...c5! 4.d4 Sc6, was meist
über 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 entsteht (und Weiß spielt gegen
3...c5 dort eher 4.c2-c4 (oder 4.d4xc5) als 4.c2-c3. Weiß
steht in diesen Abspielen bestimmt nicht schlechter, hat
sich aber früh seiner Flexibilität beraubt.
Außerdem hat Schwarz auch noch plausible Alternativen im
zweiten Zug wie 2...e5, 2...d6 oder 2...g6.
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