Ob der Grund für diese Niederlage wirklich 3...Dd8 ist,bezweifle ich doch etwas.Ich denke eher,daß das am kompromisslosen Angriffsstil Shirovs liegt.Er hat auch schon mal gegen Raj Tischbierek in der Bundesliga in einer dubiosen Najdorfvariante nach knapp 20 Zügen verloren,ausserdem ist eine einzige Partie für die Bewertung einer Variante nicht sehr aussagekräftig.Wenn man mehrere Grossmeisterpartien dazu anschaut,tut sich Schwarz doch eher schwer,was nicht heisst,daß die Variante nicht spielbar ist.Ich denke,daß normale Entwicklungszüge wie Lg5,Sf3,Ld3 nicht schwer zu finden sind,auch wenn jemand die Theorie zu Dd8 überhaupt nicht kennt und darauf verzichtet,Schwarz gleich überrennen zu wollen.Die Bauernstruktur ist ja dieselbe wie im Skandinavier nach 2...Da5 und die positionellen Ideen bleiben doch damit gleich.Matthias Wahls hat ein hervorragendes Buch über Skandinavisch geschrieben(sehr empfehlenswert,wenn sich jemand mit dieser Eröffnung näher beschäftigen will)und ich möchte einige seiner Argumente für Skandinavisch aus schwarzer Sicht anführen:
"Sie spielen gegen einen Angriffsspieler oder feurigen Adoleszenten,was aufs gleiche hinausläuft.Der Jüngling steckt gerade in seiner romantischen Phase und ist es gewohnt,mindestens in jeder zweiten Partie den halben Figurenkasten zu opfern.(....)Durch ein ganzes Trommelfeuer sinnvoller Abwartezüge und Umgruppierungen,bringen Sie Ihren jungen Gegner derart aus dem Tritt,daß er entweder vor Langeweile einschläft

oder die Nerven verliert und sich veropfert.(....)
Ihr Gegner ist eindeutig schwächer als Sie,aber ein grosser Meister der Vereinfachung,seine destruktiven Fähigkeiten befinden sich auf hohem Niveau.Trotzdem kein Grund zu verzagen!Ihre technischen Fertigkeiten sollten auch in diesem Fall ausreichen,den Spielstärkeunterschied geltend zu machen(Ein Mindestmaß an technischen Fertigkeiten setze ich natürlich voraus.Ohne jenes hätten Sie im Skandinavier sowieso nicht viel verloren und sollten es vielleicht besser mal mit dem Elefantengambit versuchen.

)"(Matthias Wahls,Modernes Skandinavisch).
Die Vorzüge des Skandinaviers scheinen also (egal ob Da5 oder Dd8) in der soliden Bauernstruktur zu liegen und ein geduldiger Positionsspieler kann damit sehr gut punkten(auch remis ist ein gutes Ergebnis!).
Ps:Warum ist der geschlossene Sizilianer denn so langweilig?Da kommt Weiss halt erst nach einiger Vorbereitung am Königsflügel oder im Zentrum zur Sache!Spassky hat die Gefährlichkeit dieser Strategie in vielen Partien bewiesen?