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Ich spiele gegen Pirc auch eine Art "modifizierter" 150er-Angriff. Die häufigste Zugfolge ist bei mir auch
1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.Le3
Die meisten Spieler (zumindest auf höherem Niveau) spielen dann zunächst 4...c6. Normalerweise gibt die Theorie dann 5.Sf3 an, doch ich spiele 5.a4!? um direkt b7-b5 zu verhindern und so die Leute zumindest ein wenig aus dem Tritt zu bringen. Kommt darauf 5....Lg7, so setze ich bewährt mit f3, Dd2 fort um anschließend mit h4 typischerweise am Königsflügel anzugreifen.
Dieser Aufbau ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, weil man als Weißer nicht wirklich rochieren kann (in manchen Varianten allenfalls kurz) und sein Heil in der Mitte suchen muß. Allerdings habe ich damit bisher recht gute Erfahrungen gemacht.
Ich poste einfach mal eine Partie, die ich gegen den Internationalen Meister Kopylov gespielt habe. Paßt einigermaßen zum Thema: Vielleicht finde ich auch später noch die eine oder andere Partie...
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FM Wisnewski,C (2387) - IM Kopylov,M (2449) [B07]
Kiel op (8), 23.08.2001
1.e2-e4 g7-g6 2.d2-d4 Lf8-g7 3.Sb1-c3 d7-d6 4.Lc1-e3 Sg8-f6 5.f2-f3 c7-c6 6.a2-a4
So habe ich dieses System schon mindestens 50 mal gespielt, der folgende Zug ist mir dabei allerdings noch nie untergekommen.
6...Sb8-a6 7.Dd1-d2 Dd8-a5 8.Ta1-a3!?
Dieser etwas eigenwillige Zug entsprang meinem Kopf, als ich realisierte, daß ich in dieser Stellung ohnehin nicht lang rochieren könnte. Stattdessen entschließe ich mich, zunächst den typischen Vorstoß ...b7-b5 zu verhindern, und außerdem kann der Turm auf der dritten Reihe sowohl Verteidigungs- als auch Angriffspositionen beziehen.
8...0-0 9.h2-h4 Sa6-b4 10.Ke1-f2
Der Textzug entfesselt die Dame und bereitet ein eventuelles Sc3-a2 vor.
10...e7-e5 11.Sg1-e2 Da5-c7?!
Diesen Zug halte ich für fragwürdig. Selbst wenn der weiße Textzug nicht funktionieren sollte, hätte der Anziehende immer noch den Vorstoß a4-a5 in der Hinterhand, was den Kameraden auf b4 allein auf weiter Flur belassen würde.
12.Sc3-b5!?
Wer mich kennt der weiß, daß mir ein solcher Zug sofort ins Auge springt, und wenn dies der Fall ist, auch nicht wieder los läßt. Ich berechnete einige Fortsetzungen, die günstig für mich zu sein schienen, übersah allerdings eine Kleinigkeit. Dazu jedoch später mehr.
12...c6xb5 13.Dd2xb4 e5xd4 14.Se2xd4 d6-d5 15.a4xb5?!
[15.Sd4xb5 hatte ich ursprünglich geplant. Bei zweitem Hinsehen erblickte ich allerdings am Ende meines geplanten Bauernopfers ein Loch in der Kombination. 15...Dc7xc2+ 16.Lf1-e2 a7-a5! Dieser "einfache" Zug, der die Dame von b2 ablenkt, widerlegt die ganze weiße Idee. Die einzige Chance von Weiß scheint in 17.Db4-c5 zu bestehen. Allerdings ist die weiße Stellung nach 17...Dc2xc5 18.Le3xc5 d5xe4 19.Lc5xf8 Lg7xf8 sehr unangenehm, da die schwarzen Felder sehr schwach sind.
15.Ta3-c3 hätte ich wohl spielen sollen. Mein Gefühl sagte mir, daß der Turm in der Diagonale des Läufers, und in Gabelreichweite des Springers nicht gut stünde, doch offenbar ist dies die beste Fortsetzung. 15...Dc7-d8 16.e4-e5 Sf6-d7 (16...Sf6-h5 17.g2-g4±) 17.e5-e6! Dies hatte ich nicht gewürdigt 17...Lg7xd4 18.e6-e7 Ld4xc3 19.e7xd8D Lc3xb4 20.Dd8-c7 unklar]
15...d5xe4 16.b5-b6 Dc7-d8
Hier hatte ich ursprünglich Txa7 geplant, war mir wegen Sd5 aber auf einmal gar nicht mehr so sicher.
17.Lf1-c4
[17.Ta3xa7?! Sf6-d5 18.Db4-c5 Sd5xe3 19.Kf2xe3 e4xf3 und der weiße König wird es schwer haben, den zahlreichen schwarzen Figuren zu entkommen.]
17...a7-a6?+=
Nach diesem Zug konnte ich abermals aufatmen. Warum sollte Schwarz nicht a5 spielen? Es opfert lediglich einen Bauern, und das dafür errungene Spiel sollte es in jedem Fall wert sein. [17...a7-a5! 18.Ta3xa5 Ta8xa5 19.Db4xa5 Sf6-g4+ 20.f3xg4 Lg7xd4=+]
18.c2-c3 e4xf3 19.g2xf3
Die entstandene Stellung halte ich für besser für Weiß. Der König mag auf den ersten Blick etwas unsicher stehen, doch es droht nichts konkretes. Desweiteren hat der weißfeldrige Läufer von Schwarz kein vernünftiges Feld, was die Aktivierung des Damenturmes zusätzlich erschwert, während die weißen Leichtfiguren im Zentrum glänzend stehen.
19...Sf6-d5?
Auch diesen Zug kann ich nicht für gut halten. Nicht nur, daß ein wichtiger Verteidiger abgetauscht wird, nun kann Weiß auch noch mit Tempo seinen Angriff (den er mit 9.h4 andeutete) starten.
20.Lc4xd5 Dd8xd5 21.Ta3-a5± Dd5-d8 22.h4-h5 Tf8-e8 23.h5xg6 h7xg6 24.Le3-g5
Nun wird es langsam eng für die Dame. Es ist klar, daß Schwarz es sich nicht leisten kann, den Fianchetto-Läufer gegen den zentral postierten Springer abtauschen kann, da der Felderkomplex um den schwarzen König zu schwach werden würde. Hier war 24...Dd7 unbedingt erforderlich. Der Textzug erlaubt eine hübsche Kombination.
24...Lg7-f6?
[24...f7-f6 25.Db4-b3+ Kg8-f8 26.Lg5-h6 sieht unangenehm, aber haltbarer als die Partie aus;
24...Dd8-d7 25.Db4-c4±]
25.Ta5-d5!!+- Lf6xg5
[25...Dd8xd5 26.Lg5xf6 Dd5-h5 27.Th1xh5 g6xh5 28.Db4-c5+-;
25...Dd8-e7 26.Db4xe7 Lf6xe7 27.Lg5xe7 Te8xe7 28.Td5-d8+ Kg8-g7 29.Th1-h8+-;
25...Lc8-d7 26.Lg5xf6 Dd8xf6 27.Td5xd7+-]
26.Td5xd8 Te8xd8 27.Db4-c5 Lg5-f6 28.Dc5-c7
Die schwarzen Figuren sind immer noch unkoordiniert, nun gilt es lediglich, die schwarze Festung zu stürmen. Dies ist eine Sache der Technik.
28...Td8-e8 29.f3-f4 Lf6-d8 30.Dc7-d6 Lc8-g4 31.f4-f5 Kg8-g7 32.Dd6-f4 Lg4-h5 33.f5xg6 f7xg6 34.Sd4-f5+ Kg7-g8
[34...Kg7-f8 35.Sf5-d6+ Kf8-e7 36.Th1-e1+ Ke7-d7 37.Te1xe8+-;
34...Kg7-h7 35.Df4-h6+ Kh7-g8 36.Dh6-g7#]
35.Th1xh5!
Ein weiterer taktischer Schlag, der es erlaubt, in ein gewonnenes Endspiel abzuwickeln.
35...g6xh5 36.Df4-g3+ Kg8-f7 37.Sf5-d6+
Während der Partie hatte ich zunächst ein anderes Abspiel berechnet und ärgerte mich für den Moment, da ich in der Folge etwas übersah. Im Nachhinein muß ich aber feststellen, daß die Partiefortsetzung wohl einfacher war.
[37.Dg3-g7+ Kf7-e6 38.Dg7-g6+ Ld8-f6 (38...Ke6-d7 39.Dg6-f7+ Ld8-e7 40.Df7-d5+ Kd7-c8 41.Sf5xe7+ Te8xe7 42.Dd5-g8+ Kc8-d7 43.Dg8xa8+-) 39.Sf5-g7+ Ke6-e7 40.Sg7xe8 Ta8xe8+- Ist zwar immer noch leicht gewonnen, doch immerhin sind nun die schwarzen Figuren befreit.]
37...Kf7-e7 38.Dg3-e5+ Ke7-d7 39.De5xe8+ Kd7xd6 40.Kf2-e2
Bewegt den König aus der Schachlinie des schwarzen Läufers und kann eventuell beim Aufbau eines Mattnetzes helfen.
40...h5-h4 41.De8-f8+ Kd6-c6
[41...Kd6-d7 42.Df8-f7+ Kd7-c6 (42...Ld8-e7 43.Df7-d5+ Kd7-e8 (43...Kd7-c8 44.Dd5-e6+ Kc8-d8 45.De6-g8++-) 44.Dd5xb7+-; 43.Df7-e6+ Kc6-b5 44.b2-b4 Ld8xb6 45.De6-d5+ Kb5-a4 46.Dd5-d7+ Ka4-a3 (46...Ka4-b3 47.Dd7-e6+ Kb3xc3 48.De6xb6+-) 47.Dd7xb7+-;
41...Kd6-e6 42.Df8-e8+ Ke6-d6 43.De8-g6+ Kd6-d7 44.Dg6-f7+ Siehe 41...Kd7]
42.b2-b4!
Gemein! Der Bauer b6 ist tabu.
42...h4-h3
[42...Kc6xb6?? 43.Df8-c5#]
43.Df8-c5+ Kc6-d7 44.Dc5-d5+ Kd7-c8 45.Dd5-e6+ Kc8-b8 46.Ke2-f3!
Schwarz ist in eine Zugzwangstellung hineinmanövriert worden, und Weiß wartet erstmal ab.
46...h3-h2 47.Kf3-g2 a6-a5 48.De6-d6+ Kb8-c8 49.Dd6-c5+ Kc8-d7 50.Dc5-d5+ Kd7-c8 51.b4xa5
Da jetzt b6 gedeckt ist droht Weiß 52.De6+ Kb8 53.Dd7 mit Gewinn, weshalb Schwarz die Waffen streckte.
1-0
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