[QUOTE=AngryRabbit]Die sehen mir recht schwierig zu spielen aus und eher was für 2000+ Spieler zu sein ...

QUOTE]
Na, als kommender 2000+ Spieler solltest Du davor keine Angst haben

Die meisten Leute spielen ja diese Systeme, UM Igel-Stellungen zu bekommen. Bei Kan/Paulsen kommst Du tendenziell häufiger in Igel-Stellungen hinein als bei Taimanov. Kein Wunder, im Taimanov-System "drückt" der Sc6 ja schon gegen Sd4, Weiß hat also nicht ganz so freie Hand. Ein Kniff, um weißes c2-c4 mit Igel-Stellungen zu vermeiden, wäre 2...Sc6 3.d4 cd4 4.Sxd4 Dc7 und erst danach e6+a6, denn nach 5.c4 De5 müßte Weiß ein unklares Bauernopfer bringen. Dies hat natürlich andere Nachteile, es legt Dich auf eine 2...Sc6-Zugfolge fest (3.Lb5!?) und selten aber manchmal würde Schwarz seine Dame auch lieber erst später oder gar nicht nach c7 stellen. - Es gibt auch paar Varianten mit Db6 oder Lc5 und ähnlichen Ideen, aber davon rate ich ab!!! Ist eher was Gekünsteltes für Fortgeschrittene.
Wenn Du partout weißes c2-c4 verhindern willst, mußt Du eben mit 4...Sf6 den Sb1 vor den c2 zwingen, dies wäre also Scheveningen, Najdorf oder Klassisch (Richter-Rauser).
Wie schon im anderen Thread beschrieben, ist der Scheveninger der klassische Sizilianer, eigentlich noch klassischer als die "Klassische Variante". Dazu gibt es auch ein gutes Buch "Easy Guide to the Scheveningen", schon paar Jahre alt. Das einzige objektive Problem ist der Keres-Angriff 6.g4!, der Dir in unteren und mittleren Spielklassen aber kaum begegnen wird. Sobald Du dann die 2000er-Marke durchbrochen hast, bist Du dann mit den übrigen Scheveninger Varianten so vertraut, daß Du sie auch über Najdorf oder Taimanov erreichen kannst!
Najdorf selbst ist natürlich hochgradig korrekt und aktiv, entsprechend nicht ganz einfach. Es gibt zwei schöne Bücher, die sich beide an ein 1700-2300 Publikum richten, echte Theorie eben. Zum einen, gerade herausgekommen, "Mastering the Naydorf" von Arizmendi/Moreno, (sofern es spielbar ist läßt Schwarz immer den echten Najdorf-Zug e7-e5 folgen), zum anderen "Play the Najdorf Scheveningen-style" von John Emms (2003), (abgesehen von 6.Lg5 ein echtes Scheveninger Repertoire, Schwarz läßt immer e7-e6 folgen, Najdorf mit 6.Lg5 ist eben für Schwarz aushaltbarer als Schev. mit 6.g4 ). Letzteres Werk wäre bestimmt auch toll, falls man das echte Schev. spielt
Zum Klassischen Sizilianer gibt es eigentlich nur "Easy Guide to the Classical Sicilian", auch schon etwas älter. Oft gibt es eigene Werke zu den wichtgsten Varianten: Richter-Rauser 6.Lg5 oder Fischer-Sozin 6.Lc4.
Ich selbst habe früher diverse Sizilianer mit Schwarz gespielt (mit Weiß Grand-Prix oder Lb5-Systeme): (Najdorf, Drachen, Beschl.Drachen, Nimzowitsch, Klassisch), irgendwann ist mir die Theorie auch aus schwarzer Sicht zuviel geworden und ich habe auf Caro-Kann umgesattelt. Weißspieler 2300++ hauen Dir dann nämlich in jeder Siz-Variante 25+ Züge Theorie hin und haben gefährliche Angriffe. Man sollte sich von der Beliebtheit von 1...c5 nicht täuschen lassen: wenn Weiß richtig Theorie kann und sich mal ´ne halbe Stunde Zeit nimmt, um 8-zügige Springeropfer zu berechnen, dann ist Sizilianisch ziemlich zweischneidig bis riskant! Wenn man weiter nach unten geht oder die Bedenkzeit verkürzt, ist Weiß dazu nicht mehr in der Lage und Schwarz scort am Damenflügel ganz gut.
Am liebsten mochte ich den Beschleunigten Drachen. Er ist relativ einfach und man hat viele taktische Tricks auf der Drachendiagonale. Das Maroczy-System 5.c4 ist kritisch aber handhabbar. Außerdem paßt der Beschl.Dr. in viele Gesamt-Repertoires gut rein. Falls man gegen 1.c4 Grünfeld aber kein Königsindisch haben will, spielt man 1.c4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 c5 oder gar 2.Sc3 g6 3.e4 c5?! .
Die besten Bücher sind immer noch die von JohnDonaldson (Variantenbäume)oder PeterHeineNielsen (Komm.Partien) beide ~1998.
Ja, letztendlich kann ich das nicht entscheiden, was Du spielen sollst. Das StartingOut Buch von Emms ist bestimmt ein guter Anfang und Überblick, das einzige Risiko ist natürlich, daß es für Dein Niveau schon zuwenig Informationen bietet, glaub´ich aber eher nicht.
Ansonsten eben (je nach Geschmack) eines der anderen genannten Theoriewerke. Die Wahrscheinlichkeit, daß Du diese (meist englische) Spezial-Literatur in einer öffentlichen Bibliothek oder in einer normalen Buchhandlung findest, ist ziemlich gering. Da mußt Du schon in die größte Buchhandlung einer Großstadt gehen oder zu einem Spezial-Schachladen, die es auch nur paarmal in Deutschland gibt. Falls Du nicht im Internet (Niggemann, Chessgate, ...) bestellen willst (natürlich trotz meiner Ratschläge ein Risiko), sondern erstmal paar Bücher durchblättern willst, würde ich mich auf dem Weg zu einem dieser Spezialgeschäfte machen. Auch wenn man auf der Zugspitze, in der Colbitzer Heide, mitten in der Rhön oder auf dem Leuchturm wohnt, sollte es möglich sein, hin und wieder mal nach Berlin, Hamburg, München, Dresden, Stuttgart oder so zu kommen. In diesen Spezialgeschäften ist meist auch einer, der nicht nur kaufmännische sondern auch schachliche Qualitäten hat und Dich berät, falls Du Bereitschaft zum Geldausgeben erkennen läßt.
Tut mir leid, ganz ohne Geldausgeben (18-30 Euro pro Buch) geht es nicht, wenn man schachlich weiterkommen will. Aber wir stehen ja kurz vor Weihnachten!
Egal, welchen offenen Sizilianer Du spielen möchtest, empfehlenswert ist jedenfalls auch "Anti-Sicilians" von Rogozenko. Auf fortgeschrittenem (!) Niveau wird dort gezeigt, wie man als Schwarzer gegen alle frühen weißen Abweichungen spielt: 2.c3, 2.f4, 2.Sc3, Lb5-Systeme, ...
Das war´s erstmal wieder. Die nächste Frage, bitte?!
tracke :-)