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Hallo,
Bin noch ziemlich neu in Sachen Schach.
Deswegen hab ich mal ne Frage und zwar: Wie funzt eigentlich die Eröffnung Siziliansch????
Und Wie schütz man sich dagegen?
Danke schon im Vorraus.
Euer Michi
das ist eine Frage, zu der man ein 26-bändiges Werk schreiben könnte! - Ich will mal eine "Kurzfassung" versuchen ...
Sizilianisch ist eine dynamische Verteidigung gegen 1.e4, nämlich 1...c5, womit Schwarz ein weißes 2-Bauern-Zentrum auf asymmetrische Weise Art (im Gegensatz zu 1...e5) verhindert.
Um 1820 herum wurde die Zugfolge 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 d5 von sizilianischen/südfranzösischen Schachspielern vorgeschlagen, der Deutsche Louis Paulsen verfeinerte dies später mit 3...cxd4 4.Sxd4 a6, womit Schwarz ja in gewisser Weise das Zentrum aufgibt und dem Weißen bei der Entwicklung hilft. Im Dogmatismus des 19. Jhdts. konnte sich diese flexible Spielauffassung nicht durchsetzen, der Durchbruch in der Meisterpraxis kam erst ~1930, als Maroczy und Euwe bei Turnieren im holländischen Seebad Scheveningen mit ihrem System erfolgreich waren: 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 .
Diese Systeme mit schwarzen Bauern auf e6+d6 bilden die klassische Bauernstruktur. Weiß hat Raumvorteil und Entwicklungsvorsprung (insbesondere einen Riesen-Springer auf d4!), Schwarz dafür die flexiblere Bauernstruktur (insbesondere einen Mehrbauern im Zenrum) sowie Gegenangriffschancen auf der c-Linie. Zwei Hauptfortsetzungen:
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 (Scheveninger System) 6.Le2 Le7 7.0-0 0-0 8.f4 Sc6 9.Le3 a6 10.a4 Dc7 unklar Diese Position ist schon ein paar zehntausend Mal in der Meisterpraxis gespielt worden. Heutzutage entsteht das Scheveninger System häufig durch Zugumstellung, da in obiger Reihenfolge der Keres-Angriff 6.g4!? sehr stark ist.
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 (Richter-Rauser-Angriff) e6 7.Dd2 a6 8.0-0-0 Ld7 9.f3 Le7 10.h4 h6 11.Le3 unklar.
Wer mit Sizilianisch anfängt (als Schwarzer), sollte erst einmal diese soliden aber prinzipiellen Varianten spielen.
Ab ~1935 entwickelten Opocensky und Boleslawski dann Systeme mit schwarzen Bauern auf e5 und d6, die dann später von Najdorf verfeinert wurden:
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Le2 e5 (Boleslawski-System) 7.Sb3 Le7 8.0-0 0-0 mit gleichen Chancen. Der Bauer d6 ist rückständig, kann aber gut verteidigt werden und hilft, das Zentrum zu kontrollieren. Später kann er eventuell nach d5 vorrücken.
In diesem System gruppiert Schwarz oft seinen Damenspringer mit Sc6-b8-d7 um (wie im spanischen Breyer-System!). Deswegen (und weil Weiß den Richter-Rauser-Angriff 6.Lg5 spielen kann) entwickelten Opocensky/Najdorf die Zugreihenfolge 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e5 (Najdorf-System), womit Sc6 eingespart und erstmal das wichtige Feld b5 kontrolliert wird. Heutzutage bezeichnet man meist schon die Stellung nach 5...a6 als Najdorf-System, und Weiß spielt statt 6.Le2 eher 6.Lg5/6.Lc4 (worauf 6...e5 ein Fehler wäre, Feld d5) oder 6.Le3 oder 6.f4 oder...
Die dritte klassische Struktur nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Le2 ist der (klassische) Drachen 6...g6 7.0-0 Lg7 8.Le3 0-0. Da diese Variante dem Weißen keinen Vorteil verspricht, begannen die Anziehenden mit dem Richter-Rauser-Angriff 6.Lg5 auszuweichen, woraufhin sowjetische Meister die Zugreihenfolge 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 entwickelten. Dagegen entwickelte Rauser sein System 6.Le3 Lg7 7.f3! 0-0 8.Dd2 samt langer Rochade und Bauernsturm h2-h4-h5. Dieser Rauser-Angriff (im Zusammenhang mit 9.Lc4 auch Jugoslawischer Angriff genannt) gehört zu den allerschärfsten Varianten der Schachtheorie (denn auch der schwarze Gegenangriff auf der c-Linie ist sehr gefährlich) und ist auf Meisterebene bis zum 30. Zug und weiter ausgearbeitet (auf GM-Ebene vermutlich bis zum Matt auf einer Seite oder bis zum Remis/Dauerschach; aber das verraten Kasparov, Tivjakov, Ward &Co leider nicht).
Wenn man die schärfsten Varianten des Rauser-Angriffs vermeiden will (viele Schwarzspieler wollen das aber gar nicht!), kann man mit 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 den Beschleunigten Drachen spielen, wonach Weiß wegen taktischer Drohungen gegen Sd4 nicht dazu kommt, seinen Rauser-Aufbau zu spielen. Dafür hat Weiß das Maroczy-System 5.c4, womit Weiß für die nächsten 20 Züge das Feld d5 sicher beherrscht, was Schwarz mit ...b7-b5 auszuhebeln versucht.
Es gibt auch noch den Hyper-Beschleunigten Drachen 1.e4 c5 2.Sf3 g6, falls Schwarz z.B. das System 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 vermeiden will.
Diese 3 Strukturen
- e6+d6: Scheveningen
- e5+d6: Boleslawski/Najdorf
- g6(+d6): Drachen
sind von grundsätzlicher Bedeutung und sollten erstmal grob verstanden worden sein!
Seit ~1965 entwickelte Sveschnikov das (schon vor ihm bekannte) System 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 weiter. In der Hauptvariante nach 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Lxf6 gxf6 10.Sd5 hat Schwarz unglaubliche Schwächen auf den weißen Feldern, dafür aber das Läuferpaar und 2 agressive f-Bauern! Zur Zeit ist dies eine der beliebtesten Verteidigungen gegen 1.e4 und wird von der halben Weltspitze gespielt!
Sehr wichtig ist noch der "Paulsen-Taimanov-Kan-Igel-Komplex", etwa 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sc6 5.Sc3 a6 (Taimanov). Schwarz behält seinen d-Bauern noch auf d7 und versucht mit Dc7,b5,Lb7,Lc5 den weißen Aufbau zu stören, bevor er sich selbst festlegt. Im Falle von d7-d6 entstehen oft Scheveninger Varianten. Spielt Weiß c4 vor Sc3 (galt mal als günstig für Weiß, heute läßt Schwarz das absichtlich zu) und baut Schwarz seine Bauern mit e6+d6+b6+a6 auf, so spricht man von einer Igel-Struktur (die auch in ganz anderen Eröffnungen wie Damenindisch entstehen kann!). Kurzum: Schwarz baut eine Auffangstellung auf ohne Angst vor weißem Raumvorteil und versucht dann zu kontern. Sehr beliebt heute!
Daneben gibt es im "Offenen Sizilianer" (Weiß spielt 2.Sf3,3.d4,4.Sxd4) noch etliche andere Systeme, z.B.
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Lb4 (Siz. Angriff,Jagdvariante)
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 (Siz. Vierspringerspiel)
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5 5.Sb5 d6 (Kalashnikow) bzw. 5...a6 (Löwenthal)
und und und ...
Theoretisch ist 2.Sf3 nebst d4 die beste Bekämpfungsmethode des Sizilianers (in ALLEN Hauptsystemen hat Weiß Aussicht auf einen kleinen Vorteil), in der Praxis aber kennt Schwarz sein scharfes Spezialsystem viel besser, während Weiß nach 2.Sf3 unzählige hochkomplizierte Varianten vorbereiten muß ("Life is to short to study the white side of the open sicilian!").
Vor allem seit Ende der 70er Jahre (Entstehung der Wochenend-Open, Rückgang der Rundenturniere, bei SchweizerSystem-Auslosung ist keine wochenlange Gegner-Vorbereitung mehr möglich!) sind "praxis-orientierte, pragmatische" Systeme popularisiert worden, die viel weniger Theoriekenntnis erfordern (aber immer noch genug!), die aber letztendlich (bei genauer Behandlung durch Schwarz) kaum einen theoretischen Vorteil versprechen:
- Lb5-Systeme: Mit 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 (oder 2...d6 3.Lb5+) kann viel Theorie vermeiden, auf 2...e6 oder 2...g6 muß er sich aber was anderes zurechtlegen.
- 2.c3: Der beliebteste und noch relativ ambitionierteste Anti-Sizilianer, Weiß plant die Errichtung eines Bauernzentrums, Schwarz reagiert mit Gegenangriff auf e4 (2...d5 oder 2...Sf6). Inzwischen hat sich auch schon "einige" Theorie gebildet, aber das ist immer noch wenig im Vergleich mit dem offenen Sizilianer. Schwarz hat einige Ausgleichsfortsetzungen zur Verfügung, aber es bleibt genug Feuer im Spiel, um unklare Stellungen auf Gewinn zu spielen. Für Vereinsspieler/Amateure vielleicht die beste Wahl.
- Morra-Gambit: mit 2.d4 cxd4 3.c3 dxc3 4.Sc3 kann Weiß einen Bauern spucken und bißchen Angriff erhalten. Es gibt zwar keine klare Widerlegung (und in unteren Klassen hat Weiß oft durchschlagenden Erfolg!), aber irgendwann lernen die Schwarzen, wie man sich dagegen verteidigt, und Weiß kann froh sein, wenn er den Bauern mit Ach und Krach zurückgewinnt. Außerdem kann Schwarz ablehnen und mit 3...d5 oder 3...Sf6 in den c3-Sizilianer überleiten.
- Grand-Prix-Angriff 2.f4 oder 2.Sc3 Sc6 3.f4 :Wurde sehr beliebt ~1980 bei englischen Wochenendturniere mit Saison-Grand-Prix-Wertung (daher der Name). Weiß plant irgendwie Sf3,Lc4/b5,0-0,d3,De1-h4,f4-f5 o.ä. mit Angriff. Auf 2.f4 ist das Tal-Gambit 2...d5! 3.exd5 Sf6 sehr stark, also verbesserte Weiß mit 2.Sc3 Sc6 3.f4 . Nach 3...g6 4.Sf3 Lg7 hat Weiß die Wahl zwischen 5.Lc4 (der wird aber leicht zum Angriffsobjekt) und 5.Lb5 Sd4! . Trotzdem ganz gut spielbar, aber Weiß darf nicht viel erwarten, falls Schwarz bißchen Theorie kennt.
- Geschlossener Sizilianer 2.Sc3 nebst 3.g3: Ein vollwertiges System (vielleicht das Beste neben 2.c3 und dem offenen), das aber etwas schwerfällig ist und tieferes strategisches Verständnis erfordert. Der schwarze Angriff am Damenflügel schlägt fast immer durch, wenn Weiß Glück hat, ist sein Königsangriff schneller.
- Königsindischer Angriff: Mit 2.Sf3/3.d3/4.Sbd2/5.g3/6.Lg2/7.0-0 kann Weiß auf fast jeden schwarzen Aufbau reagieren. Interessantes Spiel mit unklarem Ausgang, für den Anfänger vielleicht zu kompliziert. 2.d3 oder 2.g3 sind Zugumstellungstricks.
- Flügelgambit 2.b4: Einige Amateure haben damit gute Erfolge, aber bei scharfem Spiel vertrete ich persönlich eher die Seite des Mehrbauern! Tendenziell inkorrekt, aber beweisen kann man das wohl nicht.
- 2.b3, 2.a3, 2.Se2, 2.Lc4 : Man kann als Weißer vieles spielen, ohne gleich schlechter zu stehen, aber eine Untersuchung würde hier wohl zu weit führen.
Empfehlung für Weiß:
Im theoretischen Sinne ist der offene Sizilianer 2.Sf3/3.d4 die beste Wahl, aber erfordert enorme Theoriekenntnis, wenn man nicht vom Schwarzen in seiner Spezialvariante geschlachtet werden will.
Im praktischen Sinne dürfte 2.c3 für die meisten Hobbyspieler die beste Wahl sein.
Wenn man langfristige, strategisch durchdachte Königsangriffe mag, sollte man zu 2.Sc3 oder zum Königsindischen Angriff greifen.
Ich hoffe, mit dieser kurzen Abhandlung ein paar Schachfreunden geholfen zu haben,
beste Grüße
tracke
cpt.bligh hat recht denn michi hat geschrieben das er ziemlich neu im schach ist=anfänger-und du schreibst einen roman den er wahrscheinlich nicht verstanden hat(oder hast du es irgendwoher rauskopiert??
Na, den "Roman" habe ich schon selbst geschrieben. -
Vielleicht mag mein Beitrag etwas zu theoretisch und anspruchsvoll erscheinen. Wäre es vielleicht besser gewesen, Michi mit Varianten vollzumüllen? Oder ihm von einem anderen "Anfänger" versichern zu lassen, daß Sizilianisch "echt total gut ist" oder auch "echt total nicht gut ist" ?! Ich denke, mein Beitrag war schon halbwegs verständlich, auch für andere, die ihn gelesen haben sollten. Falls und insoweit man mir überhaupt zustimmt, ich will ja hier nicht ex cathedra dozieren.
Und der Begriff des "Anfängers" ist natürlich etwas schwammig. Mancher 1600er bezeichnet sich als Anfänger, mancher 1300er als erfahrener Vereinsspieler. Und viel schwieriger wird das Ganze aus der Sicht von stärkeren Spielern: Kasparov hat schon von 2600-Großmeistern behauptet, sie könnten kein "Schach spielen" sondern nur "Klötzchen schieben" :-) !?
sicher ist es ansichtsache aber hier ist ersichtlich das er noch kein profi ist.dein beitrag ist interessant aber auch etwas sehr lang meistens mag ich solche beiträge gar nicht lesen(diesmal hab ich ihn gelesen) und ich denke ein anfänger wird auch eher kürzere beträge lesen.so vom inhalt auch nicht schlecht obwohl die entstehungsgeschichte net so interessant für ihn sein wird-aber wenigstens net viele varianten
Ist schon der Hammer, was Tracke hier so schreibt.
Ich hab mit solchen "Aufsätzen" nur immer ein Problem.
Für mich würde, wenn ich eine Partie spiele, und ich mich nach so einer Theori halte müßte, der Spielspaß unheimlich verloren gehen.
Ich denk auch für einen Hobbyspieler, der nicht in einem Verein spielt, sondern ab und zu mit Computer, Bekannten, u.s.w, sind diese Kenntnisse überflüssig. Mag sein, das ich mich da irre, bin auch gerne bereit mal eine andere Meinung dazu zu hören.
Ich meine als Hobbyspieler braucht man 50% Endspielkenntnisse, 30 Prozent Mittelspielkenntnisse und 20% Eröffnungskenntnisse.
etwas schachgeschichte, ein paar Varianteneinschaetzungen. Ich habe es gern gelesen. Ist ja nicht so, dass er irgendwelche Varianten vorgegeben hat. Einfach nur alles Sizilianische genannt und kurz verbal beschrieben. Meist deckt sich seine Einschaetzung mit meiner ;-)
Ich weiss nicht ob der Spielspass verloren geht. wenn man nicht nur ein System, sondern mehrere kennt (das Grundprinzip, die Ideen). Man muss ja nicht dem Rezept folgen, wenn man nicht will.
Als Hobbyspieler braucht man nur die Regeln zu kennen, wenn man keine Ambitionen hat und vielleicht noch Matt mit Dame und Turm. Alles andere frei schnauze...
Danke für eure Hilfe.
Vorrallem tracke!
Das sagen noch manche leute das die Posts in einem Forum unnütze sind!
Na ja Danke jezt weiß ich ja endlich über sizilianisch bescheit!
Danke naochmal
@ Tracke: Meinst du ernsthaft, dass man es mit jahrelanger theoretischer Arbeit nicht schaffen kann, sich als Weißer gegen sämtliche sizilianischen Varianten ausreichend (~ -20.Zug) vorzubereiten?
Ganz ehrlich: Die komplette Theorie nach 1.e4 e5 im Spanier scheint mir schwieriger zu studieren zu sein, aber das ist vielleicht Ansichtssache.
wie der titel schon andeutet, gehts mir vor allem darum, wie ich dem poisened pawn ausweichen kann, bzw wie man am besten reagiert, habe atm leider nix über najdorf/sizi so dass ich nur konikowski schnellkurs theorie hernehmen kann, und da sieht das ganze für weiß nicht so toll aus