Hallo!
Zunächst zur Begrifflichkeit. Wie ich schon in Beiträgen zum ECO-Code geschrieben habe, wird bei Eröffnungen sehr häufig der
definierende Schlüssel mit dem
Hauptabspiel verwechselt. Und zwar vor allem auch von Programmen, die einer Partie oder einem ECO-Code einen Eröffnungs
namen zuordnen sollen. In Folge auch bei allen Leuten (z.B. Wikipedia-Autoren), die sich auf die Programmierung verlassen.
Innerhalb eines definierenden Schlüssels (z.B. einem ECO-Code) befindet sich manchmal nur eine einzige genau und einheitlich benannte Eröffnung bzw. nur eine einzige genau und einheitlich benannte Variante einer Eröffnung. Z.B. B01 = Skandinavisch ; D07 = Tschigorin-Vert. des Damengambits
Manchmal befinden sich aber auch mehrere Eröffnungen oder mehrere unterschiedlich benannte Varianten einer Eröffnung zusammen in einem Schlüssel. Dann wird (abkürzend und ungenau) der gesamte Schlüssel oft durch die Nennung der wichtigsten dieser Varianten gekennzeichnet, was dann zu Verwechslungen führt, wenn tatsächlich eine andere, andersbenannte Variante desselben Schlüssels gemeint ist.
Z.B. steht C44 für alles nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6, wo weder 3.Lb5 noch 3.Lc4 noch 3.Sc3 noch 3.d4 gespielt wird (also etwa 3.Le2 = Ungarisch oder 3.c3 = Ponziani), aber auch für alles nach 3.d4, wo nicht 3...exd4 4.Sxd4 passiert (also z.B. 3...exd4 4.c3 = Göring-Gambit oder 3...exd4 4.Lc4 = Schottisches Gambit). Von all diesen Varianten gilt das Schottische Gambit als die theoretisch wichtigste, weshalb manche dann eben
abkürzend und grob den ganzen Code/Schlüssel C44 als Schottisches Gambit bezeichnen. Als Abkürzung ist das sinnvoll und ganz brauchbar sowie oft eben auch richtig, aber manchmal ist eine C44-Partie (der ein Computer dann oft automatisch "Schottisches Gambit" zuordnet!) eben doch Ponziani oder Göring-Gambit!
(Das haben jetzt hoffentlich alle verstanden!)
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Nun zum Göring-Gambit.
Genaugenommen gibt es wohl nur ein modernes Theoriebuch dazu:
GM Karsten Müller / FM Martin Voigt:
Danish Dynamite
(Untertitel: Explosive Gambits: the Danish, Göring, Scotch and Urusov)
Russell Enterprises (
USA), 233 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2003, ~
ISBN-10: 1888690208 ,ISBN-13: 978-1888690200
Das Hamburger Autorenteam hat leider bei einem amerikanischen Verlag
veröffentlicht, Buch gilt als vergriffen; Niggemann führt es noch im Katalog
(aber ob die es tatsächlich noch haben?!), auf jeden Fall kann man sich
dort ´ne Rezension durchlesen.
Das Buch ist wohl gründlich, vielleicht zu gründlich, anscheinend unübersichtlich.
Eher was für spielstarke Perfektionisten.
Für Vereinsspieler (1300-1800??) soll auch das alte Buch von Rolf Schwarz
(Gambitreihe) aus den 1980ern noch gut sein, zumindest als Einführung.
Die Komplikationen des angenommenen Göring-Gambits haben Müller/Voigt
wohl zum ersten Mal richtig tiefschürfend untersucht - leider ist die Ablehnung
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.c3 d5! seit langem gut ausanalysiert. Und Schwarz
hat da überhaupt keine Probleme, relativ schnell/einfach/forciert verflachte Stellungen
zu erreichen, in denen nach Meinung vieler Theoretiker eher Schwarz auf Gewinn
spielen kann! Auch die Ablehnung mittels 4...Sf6 ist ganz brauchbar, dazu findet
sich ein Schwarzrepertoire in DangerousWeapons/GefährlicheWaffen 1.e4 e5
(Everyman 2008)
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