
Wo liegt hier bitte das leichtere Figurenspiel für Schwarz? Weiß kann doch genauso gut seine Figuren voranbringen, mit dem Unterschied, dass Weiß zwei Züge mit der Entwicklung vorraus ist und seine Königsstellung nicht geschwächt hat? Immerhin hast du die Wahl zwischen Lf1-e2 und Lc1-e3. 4. ...d7-d5 macht die schwarze Stellung nicht besser.
Das du gegen diese Stellung verloren hast, hat vermutlich psychologische Gründe: Wer "seine" Eröffnung spielt (und wenn es nur Kraut ist), der gibt sich natürlich am Brett besonders viel Mühe, um sich nicht selbst zu widerlegen. Oft macht es ja auch mehr Spaß, ungewönliche Züge zu spielen und Freude hat großen Einfluss auf die Konzentration. Hinzu kommt ja noch der Überraschungseffekt für den Gegner: "Lang, lang war´s her..."; wie du ja auch selbst sagst.
Dieses Beispiel zeigt ja nur, dass sich 1-2 Züge auf das Spielergebnis gar nicht so stark auswirken, wenn beide Spieler bei der Sache sind. (kommt natürlich auch auf die Spielstärke an.) Ich habe auch schon Partien gespielt, bei denen ich mit einer Leichtfigur mehr verloren, bzw. mit einer LF im Rückstand gewonnen habe. Eine Partie hat eben mehr als nur 30 Züge und für saudumme Einsteller haben beide Spieler auch im Mittel- und Endspiel noch genügend Möglichkeiten.
Das ändert aber nichts daran, dass Schwarz nach 3. Sf3xe5 die schlechtere Stellung bekommt. Nach 3. d2-d3?! hat Schwarz tatsächlich das bessere Figurenspiel, aber warum willst du es soweit kommen lassen? Den Zentrumsbauern zu schlagen ist eine alte Sitte, du bekommst erzwungen die bessere Stellung. Falls du Angst hast, dass Schwarz sich besser als du vorbereiten könnte, dann spiele einfach 3. Lf1-c4. Mein Fritz 8 errechnet hier übrigens d2-d4, vermutlich ohne irgendeinen strategischen Sinn.
Ich habe in "zu guten" Stellungen mit vielen strategischen Vorteilen aber Materialgleichheit oft das Problem, das mir keine guten Züge mehr einfallen, weil meine Figuren schon auf den besten Feldern stehen. Leider muss man eben einen Zug machen und es ist mir schon passiert, dass ich mich wieder rückwärts entwickelt habe. Die Damiano-Verteidigung ist so eine Zugfolge, bei der sich Schwarz in halboffenen Stellungen irgendwie durchtrickst und im Mittelspiel wieder gleich auf mit Weiß ist. Vielleicht geht es dir genauso wie mir? Leider kann ich dir dann auch nicht helfen, weil ich selbst eine Antwort auf diese Frage suche. Aber den Vorteil mit 3. d2-d3 wieder herzugeben ist ja auch irgendwie inkonsequent, oder?