Hallo,
ich schließe mich meinen Vorrednern an: Der Yakovich ist das beste Nachschlagewerk (Komplettdarstellung, Varianten statt Modellpartien) über den Sweschnikow-Sizilianer. D.h. das beste Buch für den Vereins-/Turnierspieler 1800-2400, der die grundsätzlichen Ideen schon beherrscht und mit den am Ende der Varianten entstehenden Stellungen auch was anzufangen weiß. In den absoluten Hauptvarianten müßte man natürlich "einiges" nacharbeiten, schließlich tut sich dort ständig was.
Sweschnikow ist ein hochkompliziertes, hochtaktisches und hochdynamisches System. Schon bei einer Stellungsbeurteilung der meisten Hauptvariantenstellungen im 15.Zug würden sehr viele Vereinsspieler aber wohl total danebengreifen, von einer taktischen Berechnung eines Planes ganz zu schweigen. Es ist eben sehr schwer, die klaren positionellen Vorteile des Weißen und die latente Dynamik des Schwarzen auch nur halbwegs korrekt gegeneinander abzuschätzen. Dies ist ja gerade der Witz des ganzen Systems, daß viele Stellungen, die bei einer Rechentiefe von 8 Zügen (16HZ) sehr gut für Weiß aussehen, sich bei einer Rechentiefe von 12-15 Zügen als spielbar für Schwarz erweisen (mindestens spielbar, Schwarz hat eben auch gute Gewinnchancen). Bei gegenseitigen Angriffen mit Schwerfiguren und ungleichfarbigen Läufern spielen Bauern dann oft kaum noch eine Rolle.
Langer Rede kurzer Sinn: in Anbetracht der von schach3r angegebenen Rating halte ich es für "äußerst bedenklich" (und das ist noch vorsichtig formuliert), überhaupt Sweschnikow spielen zu wollen. Ich weiß, alle wollen Sweschnikow spielen wie Leko/Kramnik, oder Najdorf wie Kasparov, oder Königsindisch wie Shirov oder Grünfeld wie Swidler ... . Aber es wird nicht funktionieren!
Es kann höchstens insofern funktionieren, als daß auf dem Niveau die meisten Gegner schon sehr früh absolut minderwertig fortsetzen (6.Sb3 o.ä.). Falls sich aber tatsächlich mal "richtiges" Sweschnikow ergeben sollte, wird sich ab dem Zeitpunkt, wo einer der Spieler die Theorie verläßt, nur igendein taktisches Gehacke ergeben, das mit den eigentlichen, tiefen dynamischen Ideen des Sweschnikow-Sizilianers kaum noch was gemein hat.
Man kann auch Squash mit ´nem Flummi spielen: einmal locker-flockig draufschlagen und dann mit offenem Mund dem Flummi hinterherstaunen; irgendwas wird schon passieren und dann kriegt einer den Punkt!
Es gibt einfachere Sizilianer, z.B. den Beschleunigten Drachen.
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