Also erstens bekommt man über die DWZ-Listen sehr leicht heraus, daß Friedrich Wiegel ein schon älterer und erfahrener Schachfreund aus Bayern/Mittelfranken ist (er hat sehr viele Turnierauswertungen und spielt mindestens seit 1995 bei den Senioren). Sein Rating pendelt zwischen 1900 und 2000, das All-Time-High war 2034 (soweit man das sehen kann).
Und bei Amazon findet man:
Über den Autor - Friedrich Wiegel verbrachte sein ganzes Leben in Röthenbach a.d.P. 1955 trat er dem Schachverein seines Heimatortes bei und ist seitdem ist er von der Materie Schach fasziniert. Die meist langatmigen und komplizierten Kommentare über Eröffnungen, Mittelspiele und Endspiele fasste er in kurze, einprägsame Regeln zusammen. In zwei fränkischen Zeitungen erscheinen seit 1988 wöchentlich Schachkolumnen von ihm. Als Schachspieler gewann er viele Meisterschaften.
Soweit zum Autor, kommen wir zum Buch:
Friedrich Wiegel: Schachregeln und Tipps für kleine Großmeister
# Broschiert: 158 Seiten
# Verlag: Imprint Verlag; Auflage: 1 (15. Juni 2009)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3936536406
# ISBN-13: 978-3936536409
# Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,6 x 1,6 cm
Kurzbeschreibung:
Schach ist ein Spiel der Individualisten - gibt es denn da Regeln? Ja: Schachregeln sind sogar das Salz in der Suppe! Wer sie kennt, hat Aussicht auf Erfolg. In fast jeder Schachpartie kann man Regelverstöße feststellen. Verstöße, die dem Spieler nicht bewusst waren und er deshalb die Partie verlor. Die Regeln "Springer am Rande bringt Kummer und Schande" oder „Die Dame, die zu früh auf die Straße geht, taugt nichts“, sind jedem Schachspieler bekannt. Aber kennt er auch die Regel, wie ein Freibauer blockiert wird? Jahrelang hat Friedrich Wiegel solche Regeln gesammelt und weiterentwickelt. Jetzt gibt er mit dieser umfangreichen Sammlung dem Anfänger wie dem fortgeschrittenen Schachfreund ein starkes Hilfsmittel zur Verbesserung seines Spiels an die Hand! Also: "Schachregeln lesen und begreifen und man wird stark im Schach.
Nun, ich kenne das Buch natürlich überhaupt nicht. Und der Autor ist bestimmt auch nicht von vornherein inkompetent. Allerdings kommt es mir bißchen merkwürdig vor, wenn jemand im hohen Alter nochmal einen nicht mal sehr speziellen Ratgeber im Selbstverlag veröffentlicht (meist tut er das dann für sich selbst, weder für andere noch für sein Portemonnaie; wahrscheinlich schießt er noch zu, nur um mal "sein Werk" im persönlichen Bekanntenkreis vorzeigen zu können).
Insbesondere kommt mir auch der Klappentext (den der Autor sicherlich selbst geschrieben hat) etwas merkwürdig vor, vor allem die Verwendung der Begriffe "Schachregel" und "Regelverstöße". Natürlich ist "Regel" im allgemeinen/umgangssprachlichen Sinne richtig verwendet, aber die allermeisten
Schach-Autoren sprechen da eher von "Gesetzmäßigkeiten", "Merksätzen", "Goldenen Regeln" oder "Prinzipien" und würden fehlerhaftes Spiel kaum als "Regelverstoß" bezeichnen: damit meint man wohl das Nichteinhalten der Spiel- und Turnierregeln ...
Was soll das mit der Regel der Freibauern-Blockierung und was hat der Autor daran (etwa im Vergleich zu Nimzowitsch´ "Mein System") noch weiterentwickelt?
Der Autor hat "die meist langatmigen und komplizierten Kommentare über Eröffnungen, Mittelspiele und Endspiele [...] in kurze, einprägsame Regeln zusammen" gefasst - Was soll so´n Blödsinn, ist das billigste Eigenwerbung? Schach ist kein einfaches Spiel ...
Ich könnte noch viel mehr aus dem Klappentext herausanalysieren, dies muß aber reichen.
Meines Erachtens gibt es genügend bewährte Klassiker besserqualifizierter Autoren, sodaß man das Risiko eines Fehlkaufs nicht unbedingt eingehen muß.
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber mich würden die vorliegenden (zugegebenermaßen spärlichen) Informationen eher abschrecken!
tracke

PS: Im Gegenzug würde ich beispielsweise die Amateur-Meister-Bücher von Euwe vorschlagen, eventuell ergänzt mit einem sehr einfachen Endspielbüchlein von Awerbach.
Es ist legitim, nicht viel Zeit zum Schachstudium zu haben, aber dann sollte man auch keine großen Ziele hegen. Vollmundig angepriesene Abkürzungen erweisen sich meist als Sackgassen!