Hallo an alle!
Ich möchte mal eine Lanze für ein weniger bekanntes Buch (denke ich jedenfalls...) brechen: "Strategie der Schachendspiele" von Michail Schereschewski, erschienen 1985 im Sportverlag Berlin. Es geht grundsätzlich um die Frage des Denkens und Planfassens im Endspiel, also nicht: "Wie setze ich mit Läufer und Springer matt?" oder "Welche theoretisch wichtigen Stellungen gibt es im Turmendspiel?" sondern z.B. "Der Grundsatz: Nichts überstürzen", "Das Denken in Schemata" oder "Das Prinzip zweier Schwächen". Für die "Profis" ist das wohl alles ein alter Hut, aber ich selbst (DWZ ca. 1950) habe einige neue Erkenntnisse dadurch gewonnen. Wenn man die Beispiele analysiert (und nicht nur einfach runterspielt) ertappt man sich immer wieder dabei, dass man gegen solche Grundsätze verstößt. Ich z.B. versuche viel zu oft, einen direkten Gewinnweg im Endspiel zu suchen bzw. zu berechnen. Und wenn ich dann im Buch nachschaue stelle ich fest, dass Karpow statt meiner komplizierten Überlegungen einfach noch zwei ruhige Züge eingeschoben hat, die einfach nur die Figuren ein bißchen besser stellen, und schon geht es viel einfacher.
Ein kleiner Kritikpunkt am Buch: Da es in der "Vor-Computer-Zeit" geschrieben wurde kann es vorkommen, dass bestimmte taktische Abwicklungen nicht sauber analysiert sind. Es empfiehlt sich also, die Beispielpartien mit dem Rechnen noch mal kurz zu checken. So kann es passieren, dass man gelegentlich eine überraschende Ressource findet, die beiden Spielern und auch Schereschewski entgangen ist. Aber das sind Details, die nichts am insgesamt guten Eindruck ändern. Die Materialauswahl ist gelungen und die Beispiele m.E. sehr lehrreich.