Liebe Schachfreundinnen- und Schachfreunde!
Es ist nicht gut bestellt um unseren Schachsport: Abmeldungen, Mitgliederschwund, Vereinsauflösungen usw., usw. Fast täglich hört man neue Horrormeldungen.
Das Vereinsschach steckt in seiner schwersten Krise seit Jahrzehnten. 
Über die Gründe ist oft und viel geredet worden. Aber dies soll hier nicht das Thema sein.
Viel mehr möchte ich mich hier den möglichen Lösungsansätzen widmen. Wie sieht der Ist-Zustand aus? Welche Maßnahmen werden von Seiten der Vereine und des dt. Schachbundes getroffen um dieser dramatischen Entwicklung Einhalt zu gebieten?
Mein Eindruck: die Resignation hat schon weit um sich gegriffen und viele Spieler- und Funktionäre wissen keinen Rat mehr

. Die einen machen den Verein dicht, die anderen verwalten nur noch die Abmeldungen und die Dritten stecken den Kopf in den Sand. Einige Wenige stellen sich mutig dem Trend entgegen

und versuchen durch verstärkte Jugendarbeit eine bessere Zukunft zu gestalten.
Aaaber: jeder weiß, welche Sisyphus-Arbeit Jugendarbeit im 21.Jahrhundert darstellt

. Konnte man früher davon ausgehen, dass von 10 Jugendlichen ein paar Jahre später noch vielleicht die Hälfte dem Verein angehörte, so sind es heute (mit viel Glück) noch 1 oder 2, welche möglicherweise über längere Zeit dem Schachsport erhalten bleiben werden.
Daher, welche Möglichkeiten gibt es, die bisher noch nicht hinreichend geprüft und praktiziert wurden?
Meine Meinung:
Die Zukunft gehört dem Silver Chesser !
Vorschläge:
1) Mitgliederwerbung:
In vielen Branchen ist seit Jahren die Strategie auf die immer größer werdende Zielgruppe der Senioren ausgerichtet. Z.B. spricht man im Internet schon seit Jahren vom „
Silver Surfer“. Der 60-jährige von heute ist kein hinfälliger Greis mehr, sondern oftmals ein vitaler Mitbürger

, welcher noch ein (mindestens) 20 Jahre langes Leben vor sich hat! Und was das Schach anbelangt: wenn es dem Verein gelingt, einen 60jährigen als Neu-Mitglied zu gewinnen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Ihnen noch viele Jahre als Aktiver erhalten bleibt, um ein Vielfaches höher als bei einem 10- oder 15jährigen! Zudem wird der ältere Schachfreund im Regelfall zuverlässiger, engagierter und vereinstreuer sein als ein Jugendlicher oder ein Kind

.
Mein Tipp:
gehen Sie in die Seniorenheime und veranstalten Sie dort Schachvorführungen, Simultanturniere usw., usw. Sie werden viele vitale und interessierte Schachfreunde für Ihren Verein gewinnen können, die auch früher schon mal vereinsmäßig oder als Hobbyspieler in Kontakt mit dem Schach waren. Viele Senioren, die Langeweile oder gar Angst vor einer einsetzenden Demenz haben, werden Ihnen dankbar sein!

Weiterer Tipp: werben Sie in Publikationen für Ihren Verein und hängen Sie z.B. in den Supermärkten an den schwarzen Brettern Werbung für Ihren Verein aus und
sprechen dabei auch einmal ganz gezielt Senioren an!
Vergessen Sie Ihre Vorurteile, gehen Sie in das nächstgelegene Seniorenheim und überzeugen Sie sich davon, wie viele intelligente Menschen mit einem reichhaltigen Erfahrungsschatz sich dort über Ihren Besuch freuen werden! Spielen Sie mit Ihnen oder lernen Sie von den Senioren (nicht nur beim Schach).
2) Organisation:
stellen Sie die antiquierten Vereinsstrukturen aus den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts endlich um: wenn Ihr Verein einen Jugendwart hat, dann brauchen Sie nun auch endlich einen
Seniorenwart, der sich um die Generation 50plus kümmert! Veranstalten Sie gezielt Seniorenturniere. Dazu können auch Jungsenioren-Turniere (ab 40 wie in Dresden, oder ab 50) gehören, aber auch spezielle Seniorenligen. Wenn es eine Bundes- oder Regionalliga für Jugendliche und Frauen gibt, warum nicht auch z.B. eine
Senioren-Bundesliga!?
Schluss mit dem Jugendwahn, Senioren sind genauso wichtige und wertvolle Menschen wie andere und erst recht gute Schachspieler!
3)
Mitglieder-Rückgewinnung:
schauen Sie doch mal wieder in die Mitgliedslisten von vor 10, 20 oder 30 Jahren: vielleicht ist das eine oder andere ehemalige Mitglied inzwischen im Ruhestand und hat wieder mehr Zeit für Schach!? Das Internet (Google) kann hier eine wertvolle Hilfe bei der Suche nach verschollenen Ex-Vereinsmitgliedern sein.
4)
Stopp dem Mitgliederschwund:
Jeder, der mal ein Vertriebsseminar besucht hat, kennt die Verkäufer-Regel Nr. 1: Bestandskunden zu halten ist um ein Vielfaches einfacher als neue Kunden zu gewinnen. Daher: gönnen Sie als Funktionär Ihres Vereins auch den alten Hasen mal wieder ein freundliches Wort und versuchen erst einmal die jetzigen Mitglieder zu halten, bevor Sie sich als nächstem Schritt, der Akquise von Neuzugängen widmen. Nur achselzuckend die Abmeldungen zu verwalten, ist keine Lösung.
Summa summarum: wenn unser Schachsport noch eine Zukunft hat, dann nur durch die Silver Chesser!
Der Schlüssel für die Zukunft des Schachs liegt in den Seniorenheimen!Copyright: gibt es nicht!
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