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News aus der Schachwelt

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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #1 (permalink)  
Alt 30.07.2006, 12:33
Benutzerbild von chessychess
chessychess
Garry des Forums
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Registriert seit: 12.2004
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Beiträge: 944
Sparkassen Chess Meeting 2006

Seit gestern wird wieder in Dortmunddgespielt und für viele stellt sich die Frage, ob Kramnik an seine alte Form wird anknüpfen können. Zum einen hat er ja bereits eine überzeugende Vorstellung bei der Olympiade gezeigt, zum anderen steht ja sein Weltmeisterschaftskampf gegen Topalov an.

In der gestrigen ersten Runde musste er gegen Gelfand ran. Es scheint, als würde er vollkommen zu seiner alten Form zurück gefunden zu haben. Bereits nach 19 Zügen stand ein kampfloses, um nicht zu sagen ein feiges Remis auf dem Brett.
Kein Vergleich zu Adams-Arinian, die beide bis zum 58 Zug um das Remis gekämpft haben.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #2 (permalink)  
Alt 30.07.2006, 19:08
nikolajewitsch
IM des Forums mit 2 GM-Normen
 
Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 410
Ich würde ihn noch nicht so schnell verurteilen. Zu einem remis gehören immer noch zwei und ob die Stellung so furchtbar viel hergegeben hätte, müßte man sich nochmal genauer angucken. Ich hoffe auf einen starken Auftritt von Kramnik (auch wenn ich Aronian den Sieg gönne), einfach als Einstimmung aufs WM-Duell gegen Topalov.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #3 (permalink)  
Alt 30.07.2006, 19:49
Benutzerbild von chessychess
chessychess
Garry des Forums
DWZ/Elo: DWZ: 1643
 
Registriert seit: 12.2004
Ort: Hamburg
Beiträge: 944
Sicher. Ich hab's auch mit Absicht provokant formuliert, da Kramnik in der "Vergangenheit" ja gerade für viele kampflose Remis bekannt war. Eine erste Einschätzung wird man erst nach der Halbzeit machen können. Immerhin musste er sich heute um sein Remis ein wenig bemühen müssen. Was vielleicht aber auch am Gegner lag... ?!
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #4 (permalink)  
Alt 01.08.2006, 18:12
Brett 2
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 03.2006
Beiträge: 71
Ich hatte doch heute tatsächlich einen Moment lang überlegt, ob ich nach Dortmund fahren sollte - Gott sei Dank sitze ich zuhause vor dem Rechner, ich hätte sonst öffentlich randaliert! Nach knapp drei Stunden sind bereits drei Partien remis geschoben worden - in allen Partien standen dabei noch mehrere Figurenpaare auf dem Acker, bei Leko-Adams gibt es gar eine äußerst seltene Materialverteilung.

Natürlich ist ein Remis ein wertvolles Ergebnis und der natürliche Ausgang einer Schachpartie. Profis haben in einem Turnier wie Dortmund (wie hoch ist der Etat? , mehrere Jahresgehälter eines Durchschnittsverdieners?) aber die Verpflichtung, ihre Chance zu suchen und dem Publikum eine Show zu bieten. Es ist schade, dass die Veranstalter in Dortmund dies nicht merken - die Beispiele Sofia, Linares (!) und natürlich Wijk aan Zee zeigen doch, wie man Schachturniere auch wieder interessant machen kann.

Im Internet wird ja schon kräftig darüber spekuliert, dass dies hauptsächlich auch an der Einladungspolitik liegt (der Manager von Kramnik und Leko hat früher die Dortmunder Schachtage mit organisiert). Ich denke, dass die Rückkehr zum alten Dortmunder Schachfestival, auch bei Verzicht auf ein paar Kategorien für das Topturnier, absolut ein Gewinn für Dortmund und die Region wäre.

Zur Erinnerung bzw. für die Jüngeren: Früher gab es in Dortmund in jedem Jahr zwei Großmeisterturniere (1x ca. ELO 2500 - 2600, 1x ca. ELO 2400 - 2500), ein Meisterturnier (ELO 2300 - 2400) und ein oder sogar zwei im Gegensatz zu heute gut besetzte Open, man war auf dem besten Wege ein deutsches Wijk zu etablieren - bis mit dem Turnier 1992 (20. Schachtage) und der Teilnahme Kasparows die Großmannssucht ausbrach. (Bitte beachten: ELO 2500 war Ende der 80er/Anfang der 90er so viel wert wie heute ELO 2600!).

Bitte, bitte liebe Sparkasse - wach endlich auf! Mit diesem Turnier macht man sich bald nur noch lächerlich, im Netz (z.B. Chessgames.com) gibt es oft genug hämische Kommentare über die Remisseuche der vermeintlich Großen.

So, jetzt schauen wir mal, was in Biel läuft...
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #5 (permalink)  
Alt 01.08.2006, 23:14
nikolajewitsch
IM des Forums mit 2 GM-Normen
 
Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 410
Die Häufung mehr oder weniger kampfloser Remis beim Turnier in Dortmund ist zwar ärgerlich, v.a. für diejenigen, die sich die Mühe machen, wirklich hinzufahren, aber ich weiß nicht, ob man das auf den Turniermodus zurückführen kann. Solche Turniere mit 70-80 % remis gibt es immer wieder, ohne daß man es immer zwingend mit dem Modus, der Spielerzusammensetzung oder sonstwas erklären könnte. Hoffen wir auf die nächsten Runden......
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #6 (permalink)  
Alt 02.08.2006, 01:33
Benutzerbild von chessychess
chessychess
Garry des Forums
DWZ/Elo: DWZ: 1643
 
Registriert seit: 12.2004
Ort: Hamburg
Beiträge: 944
Remis wie bei Naiditsch-Kramnik stören doch nicht. Das Spiel war sehr spannend und unterhaltsam. Aber Leko-Adams hätten das ruhig ausfechten sollen. Adams hatte wahrscheinlich Angst, dass er das doch noch versiebt, und Leko kämpft nur wenn er muss. Sobald er auch nur riecht, der Gegner könnte mit einem Remis zufrieden sein, teilt er den Punkt. Das muss nicht sein. Sofia ging mit gutem Beispiel voran. Ich frage mich, warum das hier in Deutschland noch nicht angekommen ist.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #7 (permalink)  
Alt 06.08.2006, 18:24
Brett 2
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 03.2006
Beiträge: 71
Es ist und bleibt ein Problem der Einladungspolitik - wenn man immer darauf versessen ist, hohe Kategorien zu erzielen und dafür Experten wie Michael Adams anheuert, der heute zum Sturm auf den Thron hätte ansetzen können, seine Bemühungen aber nach 17 Zügen einstellte.

Einfach nicht mehr einladen, so was!!
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #8 (permalink)  
Alt 06.08.2006, 21:23
frillo
Sehr erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: ELO 2070
 
Registriert seit: 01.2006
Ort: nearby Nuremberg
Beiträge: 103
Zitat:
Zitat von Brett 2
Es ist und bleibt ein Problem der Einladungspolitik - wenn man immer darauf versessen ist, hohe Kategorien zu erzielen und dafür Experten wie Michael Adams anheuert, der heute zum Sturm auf den Thron hätte ansetzen können, seine Bemühungen aber nach 17 Zügen einstellte.

Einfach nicht mehr einladen, so was!!
Ja, das ist halt der Unterschied zwischen Patzerschach und Großmeisterschach Ist schon verwunderlich, wenn sich 1400er anmaßen GM`s a`la Kramnik und Adams be- und verurteilen zu wollen. Also ein bisschen mehr Respekt vor solchen Spielern meine Herren! Wo die gewesen sind, müsst ihr erst einmal hinkommen, dann könnt ihr euch ein Urteil erlauben.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #9 (permalink)  
Alt 06.08.2006, 22:39
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chessychess
Garry des Forums
DWZ/Elo: DWZ: 1643
 
Registriert seit: 12.2004
Ort: Hamburg
Beiträge: 944
Zitat:
Zitat von frillo
Ist schon verwunderlich, wenn sich 1400er anmaßen GM`s a`la Kramnik und Adams be- und verurteilen zu wollen. Also ein bisschen mehr Respekt vor solchen Spielern meine Herren! Wo die gewesen sind, müsst ihr erst einmal hinkommen, dann könnt ihr euch ein Urteil erlauben.
1. Lesen!
2. Sich fragen, ob man verstanden hat, worum es dem Verfasser ging.
3. Erst wenn man Punkt zwei mit "Ja" beantworten kann, seine Meinung kund tun. Andernfalls wirkt es nur albern, weil es keinen Konsens ergibt.

Ich kann mir sehr wohl anmaßen zu kritisieren, wenn sich bei einem so hochkaretigem Turnier Spieler kampflos unentschieden trennen. Sie sind es ihren Zuschauern und Sponsoren schuldig, weil für Leistungsverweigerung nunmal keiner Geld zahlen will.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #10 (permalink)  
Alt 06.08.2006, 23:22
Deep-Chess
Einsteiger
 
Registriert seit: 10.2005
Ort: Ratingen
Beiträge: 13
Zitat:
Zitat von frillo
Ja, das ist halt der Unterschied zwischen Patzerschach und Großmeisterschach Ist schon verwunderlich, wenn sich 1400er anmaßen GM`s a`la Kramnik und Adams be- und verurteilen zu wollen. Also ein bisschen mehr Respekt vor solchen Spielern meine Herren! Wo die gewesen sind, müsst ihr erst einmal hinkommen, dann könnt ihr euch ein Urteil erlauben.
Beim beurteilen einer Stellung geb ich dir Recht. Wir kommen noch nicht einmal in die Nähe der Tiefe von Kramnik und Co.

Remis nach 20 oder 22. Zügen von solchen Leuten, kann man allerdings sehr wohl verurteilen. Sie bekommen ein Menge Antrittsgeld und stehen in der Öffentlichkeit. Sie sind Vorbilder und Wegweiser. Für diese Remisschieberei gibts es nach meiner Meinung kein Pardon. Sie sollen für das Geld ruhig 6 Stunden am Tag arbeiten und nicht nur 2 Stunden.

In deinem Job muss du ja auch 8 Stunden "kloppen". Sag mal deinem Chef das du nach 2 Stunden gehen willst, weil ja die Maschine auch ohne dich läuft !

Allerdings haben die Super GM´s in den letzten zwei Runden mich wieder ein wenig mehr zufrieden gestellt.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #11 (permalink)  
Alt 07.08.2006, 16:42
ploehn
Benutzer
DWZ/Elo: 2100
 
Registriert seit: 05.2006
Beiträge: 24
Zitat:
Zitat von Deep-Chess
Beim beurteilen einer Stellung geb ich dir Recht. Wir kommen noch nicht einmal in die Nähe der Tiefe von Kramnik und Co.

Remis nach 20 oder 22. Zügen von solchen Leuten, kann man allerdings sehr wohl verurteilen. Sie bekommen ein Menge Antrittsgeld und stehen in der Öffentlichkeit. Sie sind Vorbilder und Wegweiser. Für diese Remisschieberei gibts es nach meiner Meinung kein Pardon. Sie sollen für das Geld ruhig 6 Stunden am Tag arbeiten und nicht nur 2 Stunden.

In deinem Job muss du ja auch 8 Stunden "kloppen". Sag mal deinem Chef das du nach 2 Stunden gehen willst, weil ja die Maschine auch ohne dich läuft !

Allerdings haben die Super GM´s in den letzten zwei Runden mich wieder ein wenig mehr zufrieden gestellt.
Ich glaube, dass es sich hier kaum jemand (mich eingeschlossen) vorstellen kann, wie nervenaufreibend es ist, sich mit Schach über Wasser zu halten. Ich hab' keine ahnung, wie viel Geld die GM's für diese Auftritte erhalten. Liest man sich aber z.B. die Interviews mit Kazimdschanow durch, erahnt man, wie ungewiss die zukunft selbst eines ehemaligen WM's sein kann, wenn man nicht mehr zu den Top-Turnieren eingeladen wird. Ebenso möchte ich daran erinnern, wie Kramnik kürzlich noch in nahezu allen Medien abgeschrieben wurde, weil er im Endeffekt lediglich eine Handvoll schlechter Partien geliefert hat.

Ich denke, wenn es beiden in einer Eröffnung gelingt die gestellten Probleme zu lösen und man nach 20 Zügen eine Stellung erreicht, die von beiden Seiten als ausgeglichen beurteilt wird, dann bedeutet der Versuch auf Gewinn zu spielen häufig extremes Verlustrisiko einzugehen. Der Verlust einer Partie kann auf einem derartigen Turnier dazu führen, dass man etliche Plätze verliert.

Der Verleich mit normalen Jobs hinkt daher m.E. stark. Eher sollte man überlegen, ob man im Job auf Teufel komm heraus seine Meinung gegenüber anderen durchzusetzen versucht. Das entspricht eher dem Versuch ausgeglichene Schachstellungen auf Biegen und Brechen gewinnen zu wollen.

Ich denke die meisten sind im ihrem Job eher vorsichtig mit solchen Versuchen, da man auch dort die z.T. zu befürchtenden Konsequenzen lieber meidet.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #12 (permalink)  
Alt 07.08.2006, 20:41
Deep-Chess
Einsteiger
 
Registriert seit: 10.2005
Ort: Ratingen
Beiträge: 13
Zitat:
Zitat von ploehn
Ich glaube, dass es sich hier kaum jemand (mich eingeschlossen) vorstellen kann, wie nervenaufreibend es ist, sich mit Schach über Wasser zu halten. Ich hab' keine ahnung, wie viel Geld die GM's für diese Auftritte erhalten. Liest man sich aber z.B. die Interviews mit Kazimdschanow durch, erahnt man, wie ungewiss die zukunft selbst eines ehemaligen WM's sein kann, wenn man nicht mehr zu den Top-Turnieren eingeladen wird. Ebenso möchte ich daran erinnern, wie Kramnik kürzlich noch in nahezu allen Medien abgeschrieben wurde, weil er im Endeffekt lediglich eine Handvoll schlechter Partien geliefert hat.

Ich denke, wenn es beiden in einer Eröffnung gelingt die gestellten Probleme zu lösen und man nach 20 Zügen eine Stellung erreicht, die von beiden Seiten als ausgeglichen beurteilt wird, dann bedeutet der Versuch auf Gewinn zu spielen häufig extremes Verlustrisiko einzugehen. Der Verlust einer Partie kann auf einem derartigen Turnier dazu führen, dass man etliche Plätze verliert.

Der Verleich mit normalen Jobs hinkt daher m.E. stark. Eher sollte man überlegen, ob man im Job auf Teufel komm heraus seine Meinung gegenüber anderen durchzusetzen versucht. Das entspricht eher dem Versuch ausgeglichene Schachstellungen auf Biegen und Brechen gewinnen zu wollen.

Ich denke die meisten sind im ihrem Job eher vorsichtig mit solchen Versuchen, da man auch dort die z.T. zu befürchtenden Konsequenzen lieber meidet.


Ich lasse das teilweise gelten. Deine Argumente sind sehr gut.

Ich bin in der Auffasung etwas allerdings härter. Ich will es mal an dem Beispiel von Naiditsch erklären. Arkadij hat von seinem Ranking her "nur" den 6 Platz erreicht. Seine Spielweise und seine in Dortmund gezeigte Kampfeslust, haben mich stark beeindruckt. Und, wie bekannt, stehe ich dem Deutschen sehr kritisch gegenüber.
Ein Veranstalter wird eher Profis einladen, die gewillt sind attraktives Schach zu bieten. Eine Veranstaltung ist nur dann profitabel wenn es Zuschauer und Sponsoren gibt. Obwohl die Chess-Masters in Dortmund eigentlich das Highlight sein müsste, haben weit aus mehr nach Biel geschaut.

Die Super GMs stehen nun mal im Rampenlicht und ich glaube das sie das auch geniessen. Die Antrittsgelder und sonstigen Einladungen überschreiten bei weiten ein Einkommen eines Schwellenhaushaltes.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #13 (permalink)  
Alt 07.08.2006, 21:13
Benutzerbild von Matthias
Matthias
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stellt euch mal vor zwei fußballmanschaften hören nach 35 minuten spielzeit auf, geben sich artig die hand und gehen vom platz ... beim spielstand von 0-0 ... was folgt : protestschreie , lautes gebrüll, ein riesentheater, und jetzt stellt euch mal vor in einem Interview fragt ein sehr verdutzter reporter einen gelassen spieler der noch sehr ausgeruht wirkt : warum um himmels willen spielen sie nicht mehr ? und der sagt nur ? wieso sollten wir ? das spiel ist doch ausgeglichen, keiner hatte einen vorteil ...
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #14 (permalink)  
Alt 07.08.2006, 21:16
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chessychess
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Die Argumente von ploehn haben doch gar nichts für sich. Ich mächte den ausrichter sehen, der Spieler einlädt welche nicht vernünftig spielen wollen. Das machst du als Spieler ein paar mal und dann bekommst du ebenfalls keine Einladungen mehr. Dass die Top20 immer wieder gern gesehen sind liegt daran, dass sie wenigstens hin und wieder ihre ganze Leistung zeigen. Jedoch viel zu wenig. Dortmund ist doch das beste Beispiel. Weder Adams, noch Svidler noch Leko (letztere in der vorletzten Runde allerdings) haben sich ernsthaft um den Sieg bemüht, obwohl sie Chancen hatten. Unvorstellbarerweise für mich jedoch Kramnik, der mit zwei Siegen in den letzten beiden Runden schön aufgeholt hat.

Aber zum Thema. Das Problem mit den kampflosen Remis besteht nicht seit gestern und es gibt bereits Veranstalter, die Remis-Vereinbarungen unter den Spielern verbieten. Mit bestem Erfolg. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit der Ausrichter dieses Konzept übernimmt. Und dann werden die Spieler entweder alles geben, oder die Einladungen von vornherein ablehnen müssen. Die Spieler bekommen antrittsgel, d.h. dass sie auch mit sieben Nullern in Folge ihren "Mindestlohn" einsacken.
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  Sparkassen Chess Meeting 2006 Beitrag #15 (permalink)  
Alt 08.08.2006, 11:06
ploehn
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Registriert seit: 05.2006
Beiträge: 24
Zitat:
Zitat von Deep-Chess
Ich lasse das teilweise gelten. Deine Argumente sind sehr gut.

Ich bin in der Auffasung etwas allerdings härter. Ich will es mal an dem Beispiel von Naiditsch erklären. Arkadij hat von seinem Ranking her "nur" den 6 Platz erreicht. Seine Spielweise und seine in Dortmund gezeigte Kampfeslust, haben mich stark beeindruckt. Und, wie bekannt, stehe ich dem Deutschen sehr kritisch gegenüber.
Ein Veranstalter wird eher Profis einladen, die gewillt sind attraktives Schach zu bieten. Eine Veranstaltung ist nur dann profitabel wenn es Zuschauer und Sponsoren gibt. Obwohl die Chess-Masters in Dortmund eigentlich das Highlight sein müsste, haben weit aus mehr nach Biel geschaut.
Ich denke aber, dass es einen Unterschied zwischen Naiditsch auf der einen und Kramnik, Lako, Svidler, Adams auf der anderen Seite gibt. Bei einem schlechten Turnierergebnis werden die letztgenannten ständig gelöchert wie es nur passieren konnte, ob Sie eine Formkrise haben, ob Sie bereits ihren Zenit überschritten haben, etc. Einem Naiditsch stellt man diese Fragen (heute noch) nicht. D.h. von ihm erwartet man einfach nicht so viel. Von den anderen dagegen schon. Das ist immer das Thema zwischen Favoriten und Außenseitern. Der Favorit soll immer glänzen und dabei auch noch gewinnen. Verliert er ist die Häme groß. Da ist es nur natürlich, dass der bessere Spieler Mittel und Wege sucht zu gewinnen und dabei das Verlustrisiko gering zu halten.


Zitat:
Zitat von Deep-Chess
Die Super GMs stehen nun mal im Rampenlicht und ich glaube das sie das auch geniessen. Die Antrittsgelder und sonstigen Einladungen überschreiten bei weiten ein Einkommen eines Schwellenhaushaltes.
Das kann ich nicht beurteilen. Da liegen mir keine Zahlen vor. Ich denke aber, dass es nicht sehr viele Profis gibt, die sehr gut vom Schach leben können. Ich glaube viele schaffen es nur, weil sie in ihren Herkunftsländern sehr preiswert leben können.

Ich fand in diesem Zusammenhang die Interviews mit Kazimdschanow nach San Luis sehr interessant in denen er seine Zukunftssorgen beschrieb.


Zitat:
Zitat von matthias.herrle
stellt euch mal vor zwei fußballmanschaften hören nach 35 minuten spielzeit auf, geben sich artig die hand und gehen vom platz ... beim spielstand von 0-0 ... was folgt : protestschreie , lautes gebrüll, ein riesentheater, und jetzt stellt euch mal vor in einem Interview fragt ein sehr verdutzter reporter einen gelassen spieler der noch sehr ausgeruht wirkt : warum um himmels willen spielen sie nicht mehr ? und der sagt nur ? wieso sollten wir ? das spiel ist doch ausgeglichen, keiner hatte einen vorteil ...
Das m.E. kein sinnvoller Vergleich, da die Spielregeln bei beiden Spielen drastisch unterschiedlich sind. Fußball endet eben nach ungefähr 90 Minuten. Abgesehn davon war das Geschrei bei vielen Spielen der gerade beendeten WM sehr groß, weil sich in ihnen beide Mannschaften ausgeglichen bekämpft haben und eigentlich keiner den Sieg verdient hat. Das ist ähnlich wie bei einem GM-Remis nach der Eröffnung, als beide festellten, dass keine klaren Gewinnmöglichkeiten zu sehen sind und sich die Stellung im dynamischen Gleichgewiocht befindet.


Zitat:
Zitat von chessychess
Die Argumente von ploehn haben doch gar nichts für sich. Ich mächte den ausrichter sehen, der Spieler einlädt welche nicht vernünftig spielen wollen. Das machst du als Spieler ein paar mal und dann bekommst du ebenfalls keine Einladungen mehr. Dass die Top20 immer wieder gern gesehen sind liegt daran, dass sie wenigstens hin und wieder ihre ganze Leistung zeigen. Jedoch viel zu wenig.
Ich finde, das ist so nicht wahr. Es ist m.E. einem Spieler unter 2400 praktisch nicht möglich einzuschätzen, was hinter so einem remis für eine Leistung steckt. Klar versuchen wir hier mit unserem Patzerniveau Stellungen, die einigermaßen ausgeglichen sind "über's Knie zu brechen". Das gelingt auch hin und wieder, weil der Gegner genauso blind ist. Übernimmt man aber Verantwortung z.B. wenn man für die Mannschaft spielt hat man hin und wieder eine ähnliche situation wie Top-Spieler, nämlich dass man sich nicht traut eine ausgelichene Stellung zu überreizen.

Zitat:
Zitat von chessychess
Dortmund ist doch das beste Beispiel. Weder Adams, noch Svidler noch Leko (letztere in der vorletzten Runde allerdings) haben sich ernsthaft um den Sieg bemüht, obwohl sie Chancen hatten. Unvorstellbarerweise für mich jedoch Kramnik, der mit zwei Siegen in den letzten beiden Runden schön aufgeholt hat.
Ich denke in Dortmund ist eher der kurze Turniemodus mit sieben Runden das Problem. Für Spieler aus der Top-Riege über 2700, die sich ernsthafte Chancen für den Turniesieg ausrechnen kann eine Niederlage das Ende dieses Traums bedeuten. Bei 12 oder 14 Runden läßt sich eine Niederlage eher wettmachen. Dementsprechend spielen die Akteure. Darüber hinaus gibt es Neigungen der Spieler. Ein Kramnik wurde Nummer zwei ohne Turniere mit +4 oder mehr zu gewinnen. Seiner Turniesiege sind häufig mit +2 erzielt worden.

Zitat:
Zitat von chessychess
Aber zum Thema. Das Problem mit den kampflosen Remis besteht nicht seit gestern und es gibt bereits Veranstalter, die Remis-Vereinbarungen unter den Spielern verbieten. Mit bestem Erfolg. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Mehrheit der Ausrichter dieses Konzept übernimmt. Und dann werden die Spieler entweder alles geben, oder die Einladungen von vornherein ablehnen müssen. Die Spieler bekommen antrittsgel, d.h. dass sie auch mit sieben Nullern in Folge ihren "Mindestlohn" einsacken.
Das ist evtl. ein Mittel, um die Remisquote zu regulieren, allerdings steigt die Qualität der Partien dadurch nicht unbedingt. Ich fürchte, dass dies lediglich zum Parallelthread führt, "wie es denn sein kann, dass GM xy derartige Fehler macht". Der Versuch die Spieler zu Entscheidungen zu zwingen, ist m.E. ein Verbiegen der Spielregeln. Ein remis ist ein reguläres Ende einer Partie. Wenn GM's sehen, dass dies eine vollkommen klares Ende einer Partie ist, muss man sich eben damit zufrieden geben.

Aber ich denke auch, dass man mehr entschiedene Partien bekommt, wenn man nicht nur Rekorde mit der Kategorie der Turniere anstrebt, sondern wenn man eher mal die Top-Spieler mit den aufstrebenden, nachrückenden Talenten mischt. Das ist ja in Dortmund durch Aronjan schon geschehen, könnte aber noch ausgedehnt werden.
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05.06.2007 chessychess 3 06.06.2007 22:57
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29.11.2004 jafi 1 01.12.2004 19:59

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