Wie bereits angekündigt, will ich in nächster Zeit versuchen (gleiches gilt auch für das etwas eingestaubte Bundesliga-Tagebuch), die Partien analysiert online zu stellen. Ich bitte um etwas Geduld, da eine einigermaßen erträgliche Analyse schon ein paar Stündchen in Anspruch nehmen kann. Aber letztlich halte ich es da wie eine Wanderdüne: Irgendwann krieg ich sie alle...!

Hier nun also meine Erstrundenpartie gegen Bischoff:
Wisnewski,C (2401) - Bischoff,D (2145) [A40]
DEM 2005 Altenkirchen (1)
Das Turnier war bereits vor dem ersten Zug nicht sonderlich gut für mich gestartet: Es ist zwar bekannt, daß ich mir als armer Student keinen Laptop leisten kann und mich bei meiner Vorbereitung demzufolge auf das Bulletin verlassen muß (was es ja bekanntlich erst nach der 1. Runde gibt). Nun kam aber auch der Umstand dazu, daß ich zudem auch Brett und Figuren zu Hause gelassen habe, was mein Vorhaben noch zusätzlich erschwerte. Und da mein Gegner in Hannes Langrock einen jungen, hungrigen und dazu noch qualifizierten Helfer für die Vorbereitung zur Seite gestellt bekam, wollte ich alternativ zu meinem sonstigen Repertoire kreativ spielen. Später stellte sich heraus, daß man sich genau darauf vorbereitet hatte...
1.d2-d4 d7-d5 2.Sb1-c3 Sg8-f6 3.Lc1-g5 Sb8-d7 4.e2-e3 e7-e6
In der Tat hatte man sich die für mich bis zu diesem Zeitpunkt unangenehmste Variante herausgesucht. In Turnierpartien bisher vier Mal auf dem Brett habe ich dürftige 50% geholt (wobei ich mit der Qualität der Partien nie ganz zufrieden sein konnte). Ich fühlte mich allerdings in Stimmung und wollte mir zeigen lassen, was man sich gegen mich ausgedacht hatte.
5.Dd1-f3!?
Auf diesen Zug verweist Nigel Davies in seinem Buch "The Veresov" lediglich als "interessante Idee". Im Nachhinein eine gute Entscheidung, denn nachdem ich in einer Vorgängerpartie recht chancenlos verloren hatte, hatte mein Gegner sich hauptsächlich auf 5.Ld3 und 5.Sf3 verlagert.
5...Lf8-e7 6.0-0-0 c7-c5 7.g2-g4!?
Die eigentliche Idee des weißen Aufbaus. Der weitere Partieverlauf ist damit klar: Weiß am Königsflügel, Schwarz am Damenflügel.
7...Dd8-a5?!
Nach längerer Analyse nach der Partie sind wir zu der Übereinstimmung gekommen, daß dieser Zug ungenau ist. Die schwarze Dame tut auf a5 nicht viel und steht meistens nur eventuellen Bauernstürmen im Weg. Zudem wird sie ab und an bei der Verteidigung des Königsflügels gebraucht und fehlt nun dort. [Sofortiges 7...a7-a6 mit Vorbereitung des schwarzen Angriffs wäre besser gewesen. Die Stellung ist zu kompliziert, als daß man konkrete Varianten angeben könnte - Man kann sie allenfalls als unklar bezeichnen.]
8.Lg5xf6
Dieser Tausch ist für dieses System auch charakteristisch, da der Läufer die meiste Zeit ohnehin nur im Wege stehen würde.
8...Le7xf6 9.Kc1-b1 a7-a6 10.h2-h4 Ta8-b8?!
Auch dieser Zug ist ungenau. Schwarz träumt von Drohungen auf der b-Linie, übersieht in der Folge jedoch eine weiße Riposte.
[Auch hier wäre direkt 10...b7-b5 besser gewesen. Der Turm wird zunächst gar nicht für den Angriff gebraucht, die Idee ist vielmehr mittels b5-b4 und c5-c4-c3 schwarzfeldrige Schwächen rund um den weißen König zu provozieren. Weiß setzt wohl am besten ähnlich wie in der Partie mit 11.g4-g5 Lf6-e7 12.Df3-f4 (Vielleicht fürchtete mein Gegner 12.e3-e4, doch das funktioniert wegen 12...b5-b4 13.e4xd5 Lc8-b7 -/+ nicht (Ebenso möglich ist auch 13...b4xc3 14.d5xe6 f7xe6 15.Df3xa8 Da5-b4 16.Da8xc8+ Ke8-f7-+)) fort. Nach z. B. 12...b5-b4 13.Sc3-e2 c5-c4 14.Se2-c1 c4-c3 15.Sc1-b3 (hier zeigt sich u.a., daß die Dame im Weg steht) 15...Da5-b6 16.h4-h5 entsteht eine unklare Stellung, deren genauere Analyse hier wohl den Rahmen sprengen würde.]
11.g4-g5 Lf6-e7 12.Sg1-h3 b7-b5 13.h4-h5
Der Wettlauf ist im vollen Gange.
13...b5-b4 14.Sc3-e2 Sd7-b6
Die Konsequenz des einleitenden 10...Tb8.
[14...c5-c4 wird einmal mehr durch 15.Se2-c1 recht gut abgefedert. Nach 15...c4-c3 (15...b4-b3?! 16.c2xb3 c4xb3 17.a2xb3± und es ist nichts los.) 16.Sc1-b3 zeigt sich einmal mehr die ungünstige Position der schwarzen Dame, und es ist bereits Schwarz, der aufpassen muß, wie etwa nach 16...Da5-b6 17.g5-g6!? mit weißem Angriff]
15.d4xc5 Sb6-a4 16.Df3-f4! +=
Die Dame wird mit Tempo zentralisiert und sowohl zur Verteidigung des Damenflügels als auch zum Angriff des Königsflügels umpostiert. Hier zeigt sich nun der Nachteil des eingangs kritisierten 10...Tb8.
16...Tb8-b5?±
[Das ursprünglich geplante 16...Sa4-c3+?? geht nun natürlich nicht wegen 17.b2xc3 b4xc3+ 18.Df4xb8+-;
16...Tb8-b7 ist wohl noch am besten, doch auch hier behält Weiß nach 17.c5-c6 die bessere Stellung, etwa 17...Tb7-c7 18.h5-h6 0-0 (18...g7-g6 19.Df4-e5 Th8-f8 (19...Th8-g8 20.De5-g7!!+-) 20.Se2-d4]
17.Se2-c1 Tb5xc5
beißt in den sauren Apfel. [17...Sa4-c3+? scheitert abermals an 18.b2xc3 b4xc3+ 19.Lf1xb5+ Da5xb5+ 20.Sc1-b3+-
17...Tb5-b7 18.Sc1-b3 Da5-c7 19.Lf1xa6+- ist natürlich auch trostlos.]
18.Sc1-b3 Da5-b6 19.Df4-d4!?
Natürlich ist auch 19.Sxc5 möglich, doch warum Schwarz unnötige Schummelchancen verschaffen?
19...Th8-g8
[Ich hatte noch mit 19...0-0 gerechnet und wollte danach mit 20.h5-h6 fortsetzen, weshalb mein Gegner dies auch verwarf. Allerdings muß man schon ein wenig tiefer eintauchen und gute Nerven haben, um nach 20...g7xh6 21.g5xh6 e6-e5!? 22.Dd4xe5 Le7-f6 23.De5-g3+ Kg8-h8 24.Sb3xc5 Db6xc5 die Nerven zu behalten, etwa 25.Th1-g1 Lc8-e6 (um f7 zu decken) a)25...Lf6xb2? 26.Td1-d4!+-; b)25...Sa4xb2 26.Sh3-g5 [Nicht sofort 26.Dg3-g7+?! wegen 26...Lf6xg7 27.h6xg7+ Kh8-g8 28.g7xf8D+ Kg8xf8 29.Kb1xb2 Lc8-f5!)] 26...Dc5-e7 [Oder (b) 26...Lc8-e6?! 27.Sg5xe6 f7xe6 28.Dg3-g7+! Lf6xg7 29.h6xg7+ Kh8-g8 30.g7xf8D+ Kg8xf8 31.Kb1xb2+-)] 27.Td1xd5 Sb2-a4 28.Td5-a5 Sa4-c3+ 29.Kb1-c1 Tf8-g8± und obwohl Weiß natürlich immer noch klar auf Gewinn steht, muß er seinen Vorteil erst noch verwerten; 26.Sh3-g5 Tf8-c8 (Aber nicht 26...Tf8-g8?? 27.Sg5xe6 Tg8xg3 28.Se6xc5 Tg3xg1 29.Sc5xa4+-) 27.Lf1-d3 Sa4xb2 28.Dg3-f4 Dc5-e7 29.Td1-d2+- und Weiß sollte den Angriff abschlagen können.]
20.Lf1-d3 g7-g6?+-
Nun neigt sich die Waagschale doch deutlich zugunsten des Anziehenden [20...f7-f5 wäre deutlich hartnäckiger gewesen. Weiß bleibt dann vermutlich nichts Besseres als 21.Sb3xc5 Le7xc5 22.Dd4-f4 Sa4-c3+ 23.Kb1-a1 Sc3xd1 24.Th1xd1 auch wenn seine Stellung aufgrund der vorteilhaften Bauernstruktur und der besseren Leichtfiguren immer noch vorzuziehen ist;
20...Tc5-c7 hingegen verspricht Weiß nach 21.Ld3xh7 Db6xd4 22.Sb3xd4 Tg8-h8 23.g5-g6 Ke8-f8 24.f2-f4± trotz des vorerst eingesperrte Lh7 einen größeren dauerhaften Vorteil.]
21.h5xg6 h7xg6 22.Sh3-f4 Tc5-c7 23.Th1-h8 Tg8xh8
[23...Db6xd4?? 24.Th8xg8++-;
23...Ke8-f8? 24.Sf4xg6+! f7xg6 25.Dd4-f4+ Kf8-g7 (25...Kf8-e8 26.Th8xg8++-; 25...Le7-f6 26.Df4xf6+ Tc7-f7 27.Th8xg8+ Kf8xg8 28.Df6xg6++-) 26.Th8-h7+!! Kg7xh7 27.Df4-f7+ Tg8-g7 28.Td1-h1#;
23...Tg8-f8 24.Dd4-g7+- ist auch sehr unangenehm für Schwarz.]
24.Dd4xh8+ Le7-f8
Dieser Zug erlaubt es Weiß die Partie schön abzuschließen. [24...Ke8-d7 verlängert das Leiden nur. Nach 25.Dh8-g8+- kann der schwarze Monarch nicht lange dem Feuer der weiße Offiziere entgehen.]
25.Sf4xg6! f7xg6 26.Ld3xg6+ Tc7-f7
[26...Ke8-e7 27.Dh8-f6+ Ke7-d7 28.Df6xf8+-]
27.Dh8-f6
und Schwarz hielt die Uhr an...[27.Dh8-f6 Db6-c7 28.Td1-h1 nebst Th7]
1-0