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  Wijk aan Zee Beitrag #1 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 10:04
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Calimero44
beinahe ein Schachjournalist
 
Registriert seit: 01.2005
Ort: Bergheim
Beiträge: 254
Wijk aan Zee

Wow! Endlich mal wieder ein großartiges Turnier mit hochklassigem Schach und ausgefochtenen Begegnungen.

Da ich jedes Jahr mehrere Tage zum Turnier nach Dortmund fahre und dort die letzten 2 Jahre mit einer Flut von Schnell-Remis bitter enttäuscht worden bin, macht s mir persönlich Hoffnung dieses Jahr etwas mehr verwöhnt zu werden.

Gerade die Auftritte von Leko und auch Polgar haben mich sehr beeindruckt.
Leider hat mein favorit Player Morosewitsch einmal mehr gezeigt, dass sein so außergewöhnliches Spiel nur gegen mittelstarke Spieler zum Erfolg führt. Dennoch bleibt er meiner Meinung nach eine Bereicherung für jedes Turnier!

Wie ist eure Meinung zum ersten Superturnier des Jahres? Woran lag es eurer Meinung, dass es zu einem echten Highlight geworden ist?

Hat es wirklich nur daran gelegen ein recht großes Feld mit vielen Runden zu spielen?
Hat es daran gelegen, dass Kramnik und vor allem Leko letztes Jahr aufgrund ihres anstehenden WM-Kampfes zu sehr ausgebremst waren?
Was können sich die Dortmunder Organisatoren abgucken?

Grüße

das Küken aus Palermo
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  Wijk aan Zee Beitrag #2 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 15:20
Benutzerbild von chessychess
chessychess
Garry des Forums
DWZ/Elo: DWZ: 1643
 
Registriert seit: 12.2004
Ort: Hamburg
Beiträge: 944
Es ist immer schön, wenn so starke Turniere statt finden. Das Problem der Schnell-Remise ist aber ein anderes. Das liegt nicht am Veranstalter, oder am Austragungsort, sondern an den Spielern selbst. Wijk aan Zee hat es auch gezeigt: Wenn die Spieler auf Angriff spielen, dann werden die Partien auch in den meisten Fällen entschieden. Aber, wenn man von Anfang an geschlossene Eröffnungen wählt und sich dann nach 18-20 Zügen Remis trennet, weil man der Meinung ist, dass es Remis ist, dann kann man nichts anderes erwarten. Einfach, weil sie die Zugabfolgen nachpielen, die schon 100.000 Mal gespielt wurden. Anstatt mal was neues riskantes zu probieren, oder eben von Anfang an was anderes zu spielen. Ich halte das für feige und Kramink nd Leko sind die Paradebeispiele für diese Generation feiger Spieler.
Deshalb ist mir Kasparov so unheimlich symphatisch in dieser Beziehung und für mich mit Sicherheit der beste aktuelle Spieler der Welt. Er geht immer auf Angriff und versucht es zumindest zu gewinnen. Erst, wenn er sieht, dass wirklich nichts zu machen ist, einigt er sich auf ein Remis.
So auch bei der Russischen Meisterschaft 2004 als er gegen Dreev einen ungenauen Zug machte, obwohl die genaue Fortsätzung zum Patt geführt hätte und Kasparov das auch am Brett gesehen hatte.

Hier ein Auszug von chessbase.de dazu:

"Eine Schlüsselpartie des Tages war ohne Zweifel Kasparov – Dreev. Dreev hatte gemeinsam mit Grischuk die Führung inne, aber mit Schwarz gegen Kasparov zu spielen verhieß kein einfaches Leben. Und tatsächlich spielte Garry wieder mit der Selbstsicherheit, die früher bei ihm selbstverständlich gewesen war, spulte schnell die Eröffnungszüge herunter und erhielt rasch eine bedrohliche Stellung. Dreev reagierte mit einem prinzipiellen Turmopfer. Kasparov musste eine Figur zurückgeben, um das Matt zu verhindern, und die Spieler erreichten eine hoch komplizierte Stellung. Weiß hatte eine Qualität mehr, aber die schwarzen Figuren zielten auf die Königsstellung des Anziehenden, und alles konnte zu seinen Ungunsten explodieren. Es scheint, als war Dreev mit seinem 18...Sxe5 zu voreilig, womit er Kasparov erlaubte, die Stellung zu vereinfachen und in ein Endspiel überzuleiten, das von Jakovenko als „wahrscheinlich gewonnen“ eingeschätzt wurde. Schwarz hatte zwar formal gesehen materielle Kompensation für die Figur, Weiß aber gute Gewinnchancen. Der einzige Faktor, der für Schwarz sprach, war, dass Weiß sehr aufpassen musste, nicht alle seine verbleibenen Bauern (zwei, um genau zu sein) zu tauschen. Mit seinem letzten Zug vor der Zeitkontrolle griff Kasparov fehl und erlaubte Dreev eine wundersame Rettung, die dieser jedoch nicht sah. Um sie zu finden, musste man von ganzem Herzen an die schwarzen Verteidigungsressourcen glauben... oder Kasparov sein! Garry sagte, er habe die problemhafte, zum Patt führende Fortsetzung gesehen und zeigte sie nach der Partie seinem Gegner."

Dreev fand diese aber nicht und verlor! Das ist Kampfgeist, der den meisten heutigen Spitzenspielern fehlt. Lieber Remis und Gesicht gewahrt, als verloren. Das ist feige.
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  Wijk aan Zee Beitrag #3 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 15:27
Cpt. Bligh
Garry des Forums
DWZ/Elo: 1757
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: Münster
Beiträge: 2.415
Genau meine Meinung, Hoch auf Garry.
Kramnik ist doch ne Wurst.
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  Wijk aan Zee Beitrag #4 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 15:44
Benutzerbild von Calimero44
Calimero44
beinahe ein Schachjournalist
 
Registriert seit: 01.2005
Ort: Bergheim
Beiträge: 254
Sicher hat es was mit der Grundeinstellung der Spieler zu tun. An denen kann man als Veranstalter aber wenig ändern..es sei denn ich setze gewisse Anreize.
Und irgendwie muss ja was gefruchtet haben, denn gerade ein Leko, der mich in Dortmund 2 Jahre sehr enttäuscht hat, hat in Wijk ein super Turnier gespielt und gezeigt was er kann...zudem auch recht attraktiv.

Außer Garri fallen mir außerdem noch eine ganze Reihe anderer Spieler ein die an sich interessant zu sehen sind:

- Anand...ohne Frage der beste Spieler neben Kasparow
- Topalov
- Morosewitsch...immer für Opfer und Angriffsschach gut
- die jungen Wilden Radjabow, Karjakin und Nakamura
- Judith Polgar
- aus deutscher Sicht...Christopher Lutz!

Dennoch waren es im letzten Jahr auch keine Garanten für gute Turniere und weniger Remis...
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  Wijk aan Zee Beitrag #5 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 17:46
Benutzerbild von chessychess
chessychess
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Beiträge: 944
Zitat:
Zitat von Calimero44
Dennoch waren es im letzten Jahr auch keine Garanten für gute Turniere und weniger Remis...
Nein, mit Sicherheit nicht. Anand und Topalov sind da nicht besonders gut einzuschätzen. Anand begnügt sich auch lieber mit Remis als das er verliert. Dennoch gewinnt er oft sehr überlegen, was aber an seinen schwächeren Gegnern liegt. Ich würde zu gern ein Dull Anand-Kasparov sehen.
Topalov fehlt noch ein wenig die Konstanz und das letzte Quentchen Glück. Naja, und Morozewitsch ist zwar sehr angriffs lustig, aber verrennt sich dabei all zu oft und verliert leider.

Aber Leko hat wirklich sehr überzeugend gespielt, alle Achtung. Ganz im Gegenteil Kramnik. Sehr enttäuschend, aber mehr kann man wohl nach der erfolgreichen Titelverteidigung nicht erwarten. Image ist alles... .
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  Wijk aan Zee Beitrag #6 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 23:15
Scipio
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Registriert seit: 03.2004
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Beiträge: 681
ja, also haben wir ein Haufen Remisschieber und einen "Kämpfer", der nicht mehr kämpft, damit niemand merkt, dass die anderen besser kämpfen können als er ^^...

ich will mal anmerken, dass es da schon bessere Beispiele gibt, wie zum Beispiel Morosevich....
übrigens liegt es in der Tat am Veranstalter!
Es wäre einfach nur Geldverschwendung für Kramnik oder Leko, nicht auf die Remisen einzugehen...
es lohnt sich nicht...
Remis spielen und seine Kräfte für bestimmte partien aufzuheben ist sinnvoller....
Das mit dem Gesichte Wahren ist ja nur ein Nebengrund...

Außerdem könnte die Veralter nach dem "Fußballsystem" punkte vergeben, sprich 3 Punkte für einen Gewinn, 1 Punkt für Remis und 0 für Verlust...
Wenn so etwas in normalen Open eingeführt wird, sollte es da doch erstrecht der Fall ein...
oder man sollte eher den Kampfgeist der kämpferischen Schachspielern in den Medien hervorheben, damit diese, auch wenn es bessere gibt, eher sponsoren finden...
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  Wijk aan Zee Beitrag #7 (permalink)  
Alt 08.02.2005, 23:48
Cpt. Bligh
Garry des Forums
DWZ/Elo: 1757
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: Münster
Beiträge: 2.415
Erstens ist es doch völlig blöd, wenn man bei einem Turnier einfach Punkte nach einem anderen System vergibt (für die Auswertungen muss man dann ohnehin das alte nehmen), zweitens verstehe ich nicht, wieso nach der russischen Meisterschaft noch immer wso viele sagen, Kasparov würde nicht zeigen was er kann, denn das hat er. Lasst euch von diesem Jahr überraschen.
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  Wijk aan Zee Beitrag #8 (permalink)  
Alt 09.02.2005, 01:36
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chessychess
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Registriert seit: 12.2004
Ort: Hamburg
Beiträge: 944
Zitat:
Zitat von Scipio
ja, also haben wir ein Haufen Remisschieber und einen "Kämpfer", der nicht mehr kämpft, damit niemand merkt, dass die anderen besser kämpfen können als er ^^......
Sorry Scipio, aber die "Worte im Mund umdrehen lassen", lasse ich mir nicht . Ich behaupte keineswegs, dass Kasparov der Einzige ist, der am Brett kämpfen kann. Selbst mein Paradebeispiel für Remisspieler Kramnik hat im letzten Weltmeisterschaftskampf gegen Leko äußerst eindrucksvoll gezeigt, dass auch er kann, wenn er will. In diesem fall wohl eher, wenn er muss, denn sonst wäre die WM verloren. Das Ding ist aber eben, dass sich die Elite immer weniger zu solchen Spielen motivieren lässt. Und Kasparov stellt eindeutig eine Ausnahme in dieser Hinsicht dar. Er kämpft immer und versucht das Maximum, also den Sieg zu erreichen. Selbst mit schwarz, wo ja fast alle restlichen sich damit begnügen Ausgleich zu erhalten und Remis zu spielen. Morozewitsch dagegen spielt zwar auch sehr angriffslustig und versucht stets zu gewinnen, nur hat er eben nicht das Niveau eines Kasparov und verliert sehr häufig. Und an dieser Stelle aller Deutlichkeit wegen nochmal angemerkt: Kasparov ist sicherlich nicht der einzige der so spielen kann, aber der einzige der eben spielt wie er spielt. Und das lieber Scipio ist der kleine, aber feine Unterschied!

Und zum zweiten Teil deines Satzes: Da du hier die vorangegangenen Posts übersehen, ignoriert, oder einfach nicht beachtet hast: Kasparov hat vor kurzem an der Russischen Meisterschaft teilgenommen und diese Überzeugend mit 1,5 Punkten Vorsprung vor Grishuk gewonnen! Grishuk (2704), Svidler (2735), Morozevich (2758), Epishin (2599), Bareev (2715), Dreev (2698), oder auch Motylev (2651) gehörten unter Anderem zu seinen Gegnern. Wenn die bescheuerte FIDE sein Match gegen Kazimdschanov zustande brächte, hätte er jetzt gegen ihn wahrscheinlich genau so eindrucksvoll gezeigt, wie überlegen er 2600ern ist. Gäbe es dieses Match gar nicht, oder es würde von Anfang an auf einen späteren Zeitpunkt festgelegt, beispielsweise Herbst 2005, würde Kasparov auch heuer in Wijk aan Zee spielen. An ihm liegt es nun wahrlich nicht. Er wollte und hat sein Missfallen an dem Umstand, dass er wegen dem geplanten WM-Match nicht an diesem Turnier teilnehmen konnte in der Öffentlichkeit deutlich gemacht
Und, dass er nun lange an keinen großen Turnieren teilgenommen hat, lag an seiner politischen Karierre und an seiner Hoffnung ein Rematch gegen Kramnik zu bekommen. Das Argument, dass er sich vor Turnieren drückt ist alt und stimmt nicht, und seit neuerer Vergangenheit nun total ausgelutscht!

Zitat:
Zitat von Scipio
übrigens liegt es in der Tat am Veranstalter!
Es wäre einfach nur Geldverschwendung für Kramnik oder Leko, nicht auf die Remisen einzugehen...
es lohnt sich nicht...
Remis spielen und seine Kräfte für bestimmte partien aufzuheben ist sinnvoller....
Das mit dem Gesichte Wahren ist ja nur ein Nebengrund...

Außerdem könnte die Veralter nach dem "Fußballsystem" punkte vergeben, sprich 3 Punkte für einen Gewinn, 1 Punkt für Remis und 0 für Verlust...
Wenn so etwas in normalen Open eingeführt wird, sollte es da doch erstrecht der Fall ein...
oder man sollte eher den Kampfgeist der kämpferischen Schachspielern in den Medien hervorheben, damit diese, auch wenn es bessere gibt, eher sponsoren finden...
Zunächstmal; meinst du mit "Veranstalter" den Veranstalter, oder den Ausrichter?
Der Veranstalter ist in den meisten Fällen noch FIDE und ich glaube nicht, dass die Hohlköppe da so schnell ein neues Punktesystem einführen. Von der ACP kann man sowas schon eher erwarten, da der Präsident dieser Organisation, Lautier selbst den Schnell-Remisen den Kampf angesagt hat. Was du aber mit Geldverschwendung meinst ist mir nicht ganz klar. In Brissago, wie auch bei jedem anderen Turnier, oder WM-Match steht es von vornherein fest, wer wieviel Geld bekommt. Und bei Duellen eben der Sieger das meiste, bei Unentschieden wird der Pott geteilt. Unabhängig davon, ob bei 14 Partien es 7-7 nach 14 Remisen, oder 7-7 nach jeweils 14 entschiedenen Partien zu gleicher Anzahl pro Spieler unentschieden steht. Es gibt keine Siegpremien.
Wäre vielleicht auch eine Überlegung wert, sowas einzuführen. Ist im Rennsport nicht unüblich.
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