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Schachspieler

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  Sultan Khan Beitrag #1 (permalink)  
Alt 11.06.2010, 21:43
TAFKABP
Schachjournalist
 
Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
Sultan Khan

Er kam, sah und siegte. Ein Schachspieler der extremen Eindruck auf mich ausübt, ist Mir Sultan Khan, der zu Zeiten Capablancas die Klingen mit den Top-Spielern der damaligen Zeit kreuzte und von Capa höchstpersönlich quasi zum Ritter geschlagen wurde, indem er Khan zum Genie ausrief. Khan führte keinen Meistertitel, hatte von Eröffnungstheorie wenig bis gar keine Ahnung, aber ein sehr gutes Positionsgefühl. Er kam als Diener eines Oberst nach Europa und wurde gleich mal englischer Meister, was er noch zweimal wiederholen konnte. Der Oberst ging dann nach Indien zurück und nahm Khan mit. Khan gehörte damals zu den zehn besten Spielern der Welt. Der absolute Wahnsinn der Typ! Seine beste historische Elozahl wird mit Elo 2699!!! angegeben. Er gehört zu den wenigen Leuten die Capa besiegen konnten. Filmreif, weil so wunderbar mysteriös.
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  Sultan Khan Beitrag #2 (permalink)  
Alt 11.06.2010, 21:51
HMarkus
Meister des Matts
DWZ/Elo: 1888
 
Registriert seit: 06.2009
Ort: Deutschland
Beiträge: 287
http://www.chesshistory.com/winter/e...ultankhan.html
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  Sultan Khan Beitrag #3 (permalink)  
Alt 11.06.2010, 22:00
TAFKABP
Schachjournalist
 
Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
Meine Güte! Was hat Khan denn bei der Partie gegen Tartakower für einen Turban? Hab ich noch nie gesehen.
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  Sultan Khan Beitrag #4 (permalink)  
Alt 13.06.2010, 01:18
TAFKABP
Schachjournalist
 
Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
Zu Khan fällt mir noch eine Frage ein. Großmeister unterscheiden sich von durchschnittlichen Spielern darin, dass sie auf eine riesige Datenbank an Mustern zurückgreifen können. Khan hat wohl bevor er nach Europa kam indisches Schach gespielt. War dieses denn dem modernen Schach so ähnlich, dass er die erlernten Muster auf das moderne Schach übertragen konnte?
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  Sultan Khan Beitrag #5 (permalink)  
Alt 13.06.2010, 10:11
Fälix
Super GM des Forums
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 478
Zitat:
Zitat von TAFKABP Beitrag anzeigen
War dieses denn dem modernen Schach so ähnlich, dass er die erlernten Muster auf das moderne Schach übertragen konnte?
Wie indisches Schach genau ist, weiß ich nicht, aber bei den anderen Schachspielen (Indisch, Chinesisch usw.) wird man wohl auch das logische Denken trainieren. War auch ähnlich, als ich einem Chinesen Scach beigebracht habe- der konnte schon davor bereits das chinesische und hatte auch bereits nach wenigen Stunden ein Schachverständnis, das etwa einem 1500er entsprach.
Ich denke also schon, dass das indische Schach Khan sehr geholfen haben muss
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  Sultan Khan Beitrag #6 (permalink)  
Alt 12.11.2010, 19:59
Dede
Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 2122/----
 
Registriert seit: 08.2010
Ort: Hamburg
Beiträge: 87
In der Tat beeindruckend!

Moin,
in der Tat, Sultan Khans Karriere ist wirklich beeindruckend. Er war mit ziemlicher Sicherheit der größte unter den so genannten Naturspielern.

Was das Indische Schach angeht, das Sultan Khan zunächst erlernte und spielte, so weiß ich darüber auch nur, dass die Figuren im Prinzip die gleichen Zugrechte hatten wie im internationalen Schach. Allerdings waren die Regeln bezüglich der Bauernumwandlung anders (wie?) und ein Patt galt als Verlust für die pattgesetzte Partei. Außerdem gab es nicht den Doppelschritt des Bauern aus dessen Grundstellung heraus (und insofern auch kein En-passant-schlagen). Dadurch entwickelten sich die Partien langsamer und waren auch eher positioneller, denn taktischer Natur. So ist es möglicherweise auch nicht so verwunderlich, dass Sultan Khan im internationalen Schach zu den positionellen Spielertypen gezählt wird.

Ich selbst spiele außer der internationalen Variante des Schachs auch noch Xiang-Chi (chinesisches Schach), Jiang-Ghi (koreanisches Schach) und vor allem Shogi (japanisches Schach). Darum kann ich Fälix in gewisser Weise zustimmen, dass die Art des logisch-strukturierten Denkens eine enorme Hilfe ist, in jeder dieser Schachversionen ein gewisses Spielniveau zu erreichen. Aber ich möchte Fälix dennoch auch etwas widersprechen. Ich gebe zu bedenken, dass wir hier nicht von einem (äquivalenten) Niveau von 1500 bis 1900 DWZ sprechen, sondern von (historischen) 2700 Elo! Solche Werte erreicht man eigentlich nur, wenn man tatsächlich die Muster und "Chunks" (wie sie zum Beispiel H. Berliner nennt) beherrscht. Und das erreicht man eigentlich nur nach jahrelangem Studium. Gleichzeitig ist es ebenfalls recht entscheidend, in welcher Schachvariante man aufgewachsen ist.
Ich habe eine DWZ von guten 2100, also kann ich sagen, dass ich ein bisschen von unserem Spiel verstanden habe. Aber ich bin im Grunde trotzdem ein Patzer, der beängstigend viel Schwachsinn in Partien denkt und immer wieder krasse Fehlurteile fällt. Im Shogi hatte ich mal eine Elo um die 1800 (klingt wenig, aber in Europa war ich damals - um 2002 - unter den besten 20 Spielern), bevor ich mich aus dem aktiven Turniergeschehen zurückgezogen habe. Ich denke, dass ich im Shogi nur diese Spielstärke erreichen konnte, weil ich mich einmal überaus intensiv mit dem Spiel auseinandergesetzt (und sogar ein unveröffentlichtes Buch geschrieben) habe. Darum kann ich auch hier für mich reklamieren, dass ich einen kleinen Einblick in das Geschehen auf einem Shogibrett habe. Und dennoch spiele ich nur kopfschüttelnd die Partien von Meijins wie Habu oder Tanigawa oder, oder, oder nach. In den meisten Fällen verstehe ich kaum einen von ihren Zügen. Fazit: Ohne die Beherrschung der grundlegenden Konstellationen und Muster, ohne die Kenntnis von geeigneten Angriffs- und Verteidigungsstrategien hat man keine Chance, über ein mittelprächtiges Spielniveau eines Patzers hinaus zu kommen.
Und jetzt schaut euch Sultan Khan an. Es stimmt: Er kam, sah und siegte, und das in einer Zeitspanne von nicht einmal fünf Jahren! Er lernte die Regeln des internationalen Schachs 1926. 1928 gewann er bereits die All-India-Meisterschaft und ein Jahr später - er war mittlerweile mit seinem Herrn Sir Umar Hayat Khan kurz nach London übersiedelt - auch die britische! Dann gings wieder kurz nach Indien, aber im Mai 1930 war er wieder in Europa und diesmal blieb er bis Ende 1933. In dieser Zeit gewann er 1932 und 1933 noch zweimal die britische Meisterschaft, wurde unter anderem in Liège 1930 Zweiter hinter Tartakower, in Hastings 1930/31 Dritter hinter Euwe und Capablanca und hinter Aljechin und Flohr mit Kashdan geteilter Dritter in London 1932. Außerdem vertrat er Großbritannien am ersten Brett der Olympiamannschaften von 1930, 1931 und 1933, um nur seine größeren Erfolge aufzuzählen.
Genau so bemerkenswert wie sein Erscheinen auf der Schachbühne ist auch sein Abgang gewesen. Anfang 1934 verließ er England zusammen mit seinem Herrn wieder in Richtung Indien und kehrte nie wieder nach Europa zurück. Damit war auch seine Schachkarriere beendet, was Sultan Khan offenbar nie bedauerte. Laut einer anderen Bediensteten im Haushalt von Sir Umar - Fatima (die übrigens 1933 ihrerseits die britische Damenmeisterschaft im Schach gewann!) - soll Sultan Khan einmal dazu gesagt haben, dass er sich beim Verlassen von England gefühlt habe, als sei er aus einem Gefängnis befreit worden. Er litt dort an Malariaschüben und aufgrund des britischen Klimas auch an chronischen Erkältungen und Halsentzündungen.
Als Sir Umar 1944 starb, hinterließ er Sultan Khan ein kleines Gehöft im Punjab, in der Nähe seiner Geburtsstadt. Bemerkenswert ist noch folgende Geschichte, die man sich von ihm erzählt. Er soll seine Kinder niemals in die Regeln des Spiels eingeführt haben. Im Gegenteil, als ihn sein ältester Sohn einmal darum bat, soll Sultan Khan geantwortet haben, er (der Sohn) solle seine Lebenszeit lieber mit etwas sinnvollerem verbringen!
Sultan Khan muss als Naturspieler angesehen werden, weil er weder lesen noch schreiben konnte und schon deshalb niemals ein Buch über das Spiel studieren konnte. Er war übrigens über sich selbst der Meinung, keine spezielle Schachbegabung oder eine besondere Stärke gehabt zu haben. Er ging vielmehr davon aus, dass derjenige Spieler, der in der Lage wäre, sich länger zu konzentrieren (und damit weniger fehleranfällig zu sein), die Partie gewinnen würde.
Und so saß er unbeweglich, mit stoischer Miene am Brett, verriet keine Emotionen, egal, ob seine Stellung gut oder schlecht war. Er saß da, konzentrierte sich und - gewann beeindruckend oft.

Lg von der Waterkant.
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  Sultan Khan Beitrag #7 (permalink)  
Alt 12.11.2010, 21:37
HMarkus
Meister des Matts
DWZ/Elo: 1888
 
Registriert seit: 06.2009
Ort: Deutschland
Beiträge: 287
Zitat:
Zitat von Dede Beitrag anzeigen
Sultan Khan muss als Naturspieler angesehen werden, weil er weder lesen noch schreiben konnte und schon deshalb niemals ein Buch über das Spiel studieren konnte.
Naja, wenigstens das darf bezweifelt werden, hat er doch seine Partien mitgeschrieben, und bei Edward Winter ist ein Foto zu sehen, auf dem es so ausschaut, als lese er gerade etwas.
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