Tokio - Der frühere Schachweltmeister Bobby Fischer ist im Alter von 64 Jahren gestorben, wie das isländische Fernsehen meldete. Der gebürtige Amerikaner lebte seit 2005 in Island. Zuvor hatte er seine US-Staatsbürgerschaft demonstrativ aufgegeben.
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Ex-Schachweltmeister Bobby Fischer im Jahr 1971: Der gebürtige Amerikaner starb in Island
Fischer, der als Genie gilt, wurde 1972 weltbekannt: Als erster Amerikaner gelang es ihm mitten im Kalten Krieg, einem Spieler aus der Sowjetunion, Boris Spassky, den Titel des Schachweltmeisters abzujagen. In ihrem Buch "Bobby Fischer Goes to War" enthüllten die BBC-Reporter David Edmonds und John Eidinow, dass KGB-Agenten während der Schach-WM diverse Täuschungsmanöver planten, um das desaströse Abschneiden des Russen beim "Match des Jahrhunderts" zu erklären.
Zunächst wurde der Verdacht gestreut, Spasskys Sekundant verrate geheime Strategien an Fischer. Dann wurde die Vermutung geäußert, in Spasskys Fruchtsaft befinde sich Gift, und man flog das Getränk zur Analyse nach Moskau. Schließlich bauten die Agenten einen Apparat in Fischers Sessel ein, um vorzutäuschen, dass Spassky Opfer einer perfiden US-Strahlenattacke gewesen sei. Als Röntgenaufnahmen des Sessels diese Manipulation bloßzustellen drohten, entfernten die Russen den Apparat wieder.
Nach dem Sieg weigerte sich Fischer gegen den nächsten russischen Herausforderer, Anatolij Karpow, anzutreten. Kampflos wurde Karpow daraufhin Weltmeister, und Fischer zog sich in Kalifornien zurück. Zwei Jahrzehnte lang lebte Fischer, Intelligenzquotient 186, wie ein Phantom.
Erst zum Revanchespiel gegen Boris Spassky trat Fischer im September 1992 wieder in der Öffentlichkeit auf. In Belgrad behielt der Amerikaner die Oberhand und bekam eine Siegprämie von 5,5 Millionen Dollar. Fischer konnte nach dem Match Serbien nicht verlassen. Nach Ansicht der US-Behörden brach er mit seiner Teilnahme das Handelsembargo gegen Serbien und Montenegro. Kurz vor Ende der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush wies das Washingtoner Außenministerium seine Botschaften auf den erlassenen Haftbefehl gegen den Schachspieler hin. Daraufhin tauchte er unter und lebte seitdem offenbar auf den Philippinen und in Japan.
Quelle: spiegel.de