In der Onlineausgabe der FAZ wird der ebenfalls ausgeladene Klaus Bednarz (früherer Moskau-Korrespondent der ARD) zitiert, dass ihm ein Mitarbeiter der Christiansen-Redaktion gesagt hätte, dass der russische Botschafter sich in einem Vorgespräch geweigert hatte, gemeinsam mit Kasparow vor die Kamera zu treten.
Machenschaften eines Campomanes oder Iljumschinow (1) scheinen irgendwie doch keine Randerscheinungen in einem kleinen fernen Planeten zu sein, bei denen FIDE-Präsidenten "kleiner, korrupter Diktator" spielen durften/dürfen.
Nur laufen die Dinge hierzulande subtiler und "demokratischer" ab. Als Bürger denkt man doch, dass man hier erhaben ist, von der schmutzigen Politik des einen oder anderen Landes ganz weit weg von hier. Ich persönlich habe aber das Gefühl, dass die Medienlandschaft in Deutschland den Bürger so richtig an den "Eiern" hat. Da wird z.B. von den Medien am Tag A wie Montag ein Thema gewählt (sei es nun Florida-Rolf, die Killerspieldebatte oder Mallorca-Karin) und die Bürger diskutieren anschließend bis zum Tag B wie Freitag fast nur noch ausschließlich darüber. Nichts anderes interessiert einen. Und so geht es Woche für Woche.
Man kann die Bevölkerung wie bei Schach Hinlenken, Ablenken, Fesseln. Oder bei heiklen Dingen wird so lange herumlaviert, bis es einem am Allerwertesten vorbei geht. Sie ziehen auch gemeinsam an einem Strang (Politik, Medienlandschaft...).
Daher sollte man sich die Frage stellen, wieso z.B. die Ausladung von Kasparow in der Medienlandschaft eine Woche lang eben nicht breitgetreten wird, wo doch viele noch so banale Themen Einzug in das mediale Bewußtsein der Bevölkerung finden?

P.S.:Eine Fußnote (1) noch zu Iljumschinow und dem lupenreinen Demokraten aus dem Kreml. Quelle Wikipedia:
"...Bei vorgezogenen Präsidentenwahlen 1995 erhielt er (Iljumschinow) 85%, was viele Beobachter überraschte, da seine Politik als nicht ganz unumstritten galt. 1998 wurde er, unter anderem von der Oppositionspartei Jabloko, verdächtigt, in den Mord an der regierungskritischen Journalistin Larissa Judina verwickelt zu sein. 2002 wurde er in seinem Amt bestätigt. Anfang Oktober 2005 bot er seinen Rücktritt an, wurde aber von Wladimir Wladimirowitsch Putin für eine weitere vierjährige Amtszeit nominiert..."
Und der Kreis schließ sich