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Regelkunde Schach

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  Remis anbieten Beitrag #1 (permalink)  
Alt 21.05.2006, 21:49
RedDevil21
Kenner
 
Registriert seit: 03.2006
Beiträge: 122
Remis anbieten

Es gab bei mir im Verein immer wieder Streitfälle wegen remis anbieten. Die einen sagen man darf nur remis anbieten wenn der Gegner am Zuge ist die anderen sagen man muss erst ziehen dann remis anbieten und dann die Uhr drücken. Wiederum andere sagen man darf jederzeit remis anbieten nur nicht mehr als einmal hintereinander. Wie ist das denn jetzt richtig mit dem remis anbieten? Wäre auch schön wenn ich einen Link bekäme wo ich das nochmal genauer nachlesen kann. Wenn nicht ist auch nicht schlimm.
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  Remis anbieten Beitrag #2 (permalink)  
Alt 21.05.2006, 22:08
blotto
beinahe ein Schachjournalist
DWZ/Elo: 2025
 
Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 254
Natürlich muss man nicht warten mit der Uhr drücken, um Remis zu bieten. Wenn der Gegner herumläuft (einen Kaffee trinkt oder aufs WC geht), dann führt man den Zug aus, und sobald der Gegner kommt bietet man remis. Wenn der Gegner am Brett ist bietet man direkt remis.
Ich glaube nicht, dass das Remis-Bieten so streng in den Regeln vorhanden ist, ich finde obige ausführung jedoch sportlich. Wenn man selbst am Zug ist bietet man sowieso nicht remis, und man bietet auch nicht remis, wenn der Gegner mitten in einer Variante am überlegen ist, das gebietet die sportliche Fairness. Es wäre ja ganz dreist, remis zu bieten, sobald die gegnerische Hand Richtung Figur geht um zu ziehen. Das wäre unfair.
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  Remis anbieten Beitrag #3 (permalink)  
Alt 21.05.2006, 22:18
ciedan
Kenner
DWZ/Elo: ~1700
 
Registriert seit: 03.2005
Beiträge: 115
Mahlzeit,

man darf nach den Regeln immer remis anbieten, aber wie blotto es schon ausführte sollte man dabei den Gegner nicht stören.
Bietet man Remis bevor man seinen eigenen Zug macht kann der Gegener, wenn er es geschickt anstellt natürlich diene Zeit noch für einige Minuten laufen lassen, deshalb sind die varianten: "erst ziehen dann remis anbieten und dann die Uhr drücken" und "Remis anbieten dann ziehen und dann die Uhr drücken" von vorteil, da hier der Gegener auf eigener Zeit überlegen muß ob er das Remis annimmt.
Das Remisgebot gilt übrigens bis der Gegner eine der folgenden Sachen macht, entweder mündlich das Angebot ablehnen oder einen Zug ausführt.
Mehrmaliges/ dicht aufeinander folgendes Remis bieten ohne das sich die Stellung wesentlich verändert hat, wird in der Tat als Störend/Lästig empfunden.

Bis denn
ciedan
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  Remis anbieten Beitrag #4 (permalink)  
Alt 21.05.2006, 22:43
Garfield
Forumsvollprofi mit Prädikat
 
Registriert seit: 03.2005
Beiträge: 243
In den FIDE-Regeln steht im Artikel 9.1 alles drin:

Die richtige Reihenfolge lautet:
1. Zug ausführen
2. Remis anbieten
3. Uhr drücken

Wenn du erst nach dem Drücken der Uhr remis anbietest, kann das als Störung nach Artikel 12.6 angesehen werden (wenn der Gegner nicht am Brett ist, kannst du natürlich erst die Uhr drücken und dann remis anbieten, wenn er zurückkommt, da du ihn in diesem Fall ja nicht störst).
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  Remis anbieten Beitrag #5 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 11:04
Kalchas
Sehr erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 94
Garfield hat die richtige Reihenfolge genannt. In der Praxis ist dies jedoch nicht so wichtig, da auch Remisangebote, die zu einem falschen Zeitpunkt abgegeben werden, angenommen werden können.
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  Remis anbieten Beitrag #6 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 15:27
Moenu
Aktiver
DWZ/Elo: ~2000
 
Registriert seit: 06.2005
Ort: Olten (Schweiz)
Beiträge: 44
Hatte neulich eine Partie, ich stand auf Gewinn. Die Stellung war allerdings kritisch (Springerendspiel, ich hatte einen Bauern mehr), es gab nur einen Gewinnzug. Ich rechnete etwa 10 Minuten, hatte mittlerweilen noch 5 Minuten Restbedenkzeit als mein Gegner remis anbot (ich war schon während 10 Minuten am Zug!). Ich habe darauf die Uhr angehalten und beim Schiedsrichter eine Störug reklamiert. Mir wurden 2 Minuten gut geschrieben!
Habe Aber nur so reagiert, weil einige Zuschauer da waren und auch der Schiedsrichter gleich daneben stand. Ansonsten hätte ers wohl sowieso abgestritten.
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  Remis anbieten Beitrag #7 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 15:34
Cpt. Bligh
Garry des Forums
DWZ/Elo: 1757
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: Münster
Beiträge: 2.415
Einige Leute meinen das nur gut, sie denken, joar, ich stehe schlechter, gleich läuft seine zeit aber ab, vielleicht will er ja remis machen.
Jemand aus unserer ersten Mannschaft (2350 elo etwa) kam während einer Partie in extreme Zeitnot, er hatte noch nichtmal mehr eine Minute auf der Uhr, aber eine relativ kurze Mattkombination gesichtet. Er rechnete, rechnete, wollte wohl gerade ziehen, da bot der Gegner remis. Unser Spieler war ganz verdutzt, äh, ne, war da nich, äh, matt, äh, kurz Blick zur Uhr, äh..... und schon war das Blättchen gefallen.
Interessante Entscheidung aber, der Schiedsrichter gab die Partie daraufhin für unseren Spieler gewonnen, da er das remisgebot in dieser Situation als grobe Unsportlichkeit wertete.
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  Remis anbieten Beitrag #8 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 16:59
Benutzerbild von hoppepit
hoppepit
Schachjournalist
DWZ/Elo: 1671 / ----
 
Registriert seit: 04.2006
Ort: Heimbach-Weis (NR)
Beiträge: 275
Zitat:
Zitat von Cpt. Bligh
Interessante Entscheidung aber, der Schiedsrichter gab die Partie daraufhin für unseren Spieler gewonnen, da er das remisgebot in dieser Situation als grobe Unsportlichkeit wertete.
Hallo zusammen,
hat diese Entscheidung des Schiedsrichters nicht für arge Diskussionen geführt. Klar, das Remis anbieten war nicht korrekt und störend, aber deshalb die Partie für den "anbietenden" Spieler verloren zu werten, halte ich persönlich für zu heftig. Der Schiedsrichter hätte da sicherlich noch andere Möglichkeiten gehabt.
Das Remisangebot (ich unterstelle mal das Gute im Menschen) kann ja auch gut und nicht unsportlich gemeint gewesen sein, um nicht in schlechterer Stellung auf Zeit zu gewinnen?!
Aber häufig sind die Gedankengänge der Menschen (besonders bei Schachspielern) sehr merkwürdig. Ich kenne das aus meinen Einsätzen als Schiedsrichter an eigenem Leibe.

Geändert von hoppepit (31.05.2006 um 17:04 Uhr)
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  Remis anbieten Beitrag #9 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 18:09
blotto
beinahe ein Schachjournalist
DWZ/Elo: 2025
 
Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 254
ich denke korrekterweise hätte der schiedsrichter dem "gestörten" (in diesem sinne der der das remis angeboten bekommen hat) 2 minuten geben müssen.
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  Remis anbieten Beitrag #10 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 18:32
Benutzerbild von hoppepit
hoppepit
Schachjournalist
DWZ/Elo: 1671 / ----
 
Registriert seit: 04.2006
Ort: Heimbach-Weis (NR)
Beiträge: 275
Zitat:
Zitat von blotto
ich denke korrekterweise hätte der schiedsrichter dem "gestörten" (in diesem sinne der der das remis angeboten bekommen hat) 2 minuten geben müssen.
.. genau das hätte ich als Schiedsrichter wohl getan. Den Störer verwarnen und 2 min. Zeitgutschrift für den Gegner. Ich persönlich halte nichts von Partieentscheidungen "am grünen Tisch".
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  Remis anbieten Beitrag #11 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 18:37
Benutzerbild von chessychess
chessychess
Garry des Forums
DWZ/Elo: DWZ: 1643
 
Registriert seit: 12.2004
Ort: Hamburg
Beiträge: 944
Also wenn es tatsächlich eine kurze Mattkombination gab, und davon gehen wir hier eindeutig aus, da Blight das sagte, kann sie nicht (viel) länger als fünf Züge betragen haben. Ein 2350 DWZ'ler (ca. 2450 Elo!!) sieht sowas. Man kann nun davon ausgehen, dass sein Gegner ebenbürtig stark war und es ebenfalls gesehen hat. Folglich hat er gesehen, dass er eigentlich schon verloren hat. Wenn nun der Betroffene noch in seinen allerletzten Sekunden (da es in der letzten Minute statt fand) noch fließig rechnet, ob er nicht doch was übersehen hat - man will ja sicher gehen - und just in dieser präkeren Situation ein Remis-Angebot kommt, ist das schon grob unsportlich. Jeder Schachspieler weiß, dass ein Remis-Angebot in jedem Fall stört, wenn es im eigenen Rechenvorgang kommt, weil es einen "herausreißt". Somit kann man sogar Absicht unterstellen.
Und aus der Tatsache heraus, dass es eine Mattkombination gab - was ja bedeutet, dass das Spiel zwingend zum Gewinn geführt werden konnte - war der gestörte Spieler eindeutig in einer Gewinnstellung. Angesichts dessen finde ich die Schiedsrichterentscheidung voll in Ordnung auf diesem hohen Spielniveau. Amateure wie wir müssten dann wohl erst zeigen, dass sie mit zwei Mehrminuten das Matt finden und gewinnen.
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  Remis anbieten Beitrag #12 (permalink)  
Alt 31.05.2006, 19:01
Benutzerbild von hoppepit
hoppepit
Schachjournalist
DWZ/Elo: 1671 / ----
 
Registriert seit: 04.2006
Ort: Heimbach-Weis (NR)
Beiträge: 275
Zitat:
Zitat von chessychess
Angesichts dessen finde ich die Schiedsrichterentscheidung voll in Ordnung auf diesem hohen Spielniveau. Amateure wie wir müssten dann wohl erst zeigen, dass sie mit zwei Mehrminuten das Matt finden und gewinnen.
...allerdings darf eine Schiedsrichterentscheidung nicht von der Spielklasse abhängen, denn die Regeln am Brett sind für alle Klassen gleich!
Nach Zeitgutschrift und Wiederaufnahme der Partie hätte man dann aber ein sportlich erzieltes Ergebnis bekommen.
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  Remis anbieten Beitrag #13 (permalink)  
Alt 05.06.2006, 12:26
nikolajewitsch
IM des Forums mit 2 GM-Normen
 
Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 410
Zitat:
Zitat von hoppepit
...allerdings darf eine Schiedsrichterentscheidung nicht von der Spielklasse abhängen, denn die Regeln am Brett sind für alle Klassen gleich!


Das gilt so meines Wissens nicht uneingeschränkt. Beispielsweise sind bestimmte Endspiele (z.B. mit symmetrischen Bauern und verschiedenfarbigen Läufern) auf bestimmtem Niveau einfach remis, so daß man das notfalls beim Schiri auch beantragen kann; auf niedrigerem Niveau kann man so was noch verlieren, so daß das remis nicht erzwingbar ist.
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  Remis anbieten Beitrag #14 (permalink)  
Alt 05.06.2006, 13:00
Benutzerbild von hoppepit
hoppepit
Schachjournalist
DWZ/Elo: 1671 / ----
 
Registriert seit: 04.2006
Ort: Heimbach-Weis (NR)
Beiträge: 275
Zitat:
Zitat von nikolajewitsch
Beispielsweise sind bestimmte Endspiele (z.B. mit symmetrischen Bauern und verschiedenfarbigen Läufern) auf bestimmtem Niveau einfach remis, so daß man das notfalls beim Schiri auch beantragen kann; auf niedrigerem Niveau kann man so was noch verlieren, so daß das remis nicht erzwingbar ist.
Klar, da hast du Recht. Das hat aber nichts mit dem Niveau zu tun. Die Regeln gelten für alle Spieler, egal welche Spielklasse!
Und die Beantragung geht nur nach Art. 10.2 der FIDE-Regeln, wenn die Restbedenkzeit des betreffenden Spielers unter 2 Minuten beträgt. Das soll ein "Über die Zeit heben" des Gegners verhindern.
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  Remis anbieten Beitrag #15 (permalink)  
Alt 05.06.2006, 21:58
Minos
Sehr Aktiver
DWZ/Elo: ca. 1700
 
Registriert seit: 03.2006
Ort: NRW
Beiträge: 53
Zitat:
Zitat von chessychess
Also wenn es tatsächlich eine kurze Mattkombination gab, und davon gehen wir hier eindeutig aus, da Blight das sagte, kann sie nicht (viel) länger als fünf Züge betragen haben. Ein 2350 DWZ'ler (ca. 2450 Elo!!) sieht sowas. Man kann nun davon ausgehen, dass sein Gegner ebenbürtig stark war und es ebenfalls gesehen hat. Folglich hat er gesehen, dass er eigentlich schon verloren hat. Wenn nun der Betroffene noch in seinen allerletzten Sekunden (da es in der letzten Minute statt fand) noch fließig rechnet, ob er nicht doch was übersehen hat - man will ja sicher gehen - und just in dieser präkeren Situation ein Remis-Angebot kommt, ist das schon grob unsportlich. Jeder Schachspieler weiß, dass ein Remis-Angebot in jedem Fall stört, wenn es im eigenen Rechenvorgang kommt, weil es einen "herausreißt". Somit kann man sogar Absicht unterstellen.
Und aus der Tatsache heraus, dass es eine Mattkombination gab - was ja bedeutet, dass das Spiel zwingend zum Gewinn geführt werden konnte - war der gestörte Spieler eindeutig in einer Gewinnstellung. Angesichts dessen finde ich die Schiedsrichterentscheidung voll in Ordnung auf diesem hohen Spielniveau. Amateure wie wir müssten dann wohl erst zeigen, dass sie mit zwei Mehrminuten das Matt finden und gewinnen.
Offenbar war die Mattkombination nicht so leicht und offensichtlich, da der eine Spieler ja seine ganze Restbedenkzeit dafür opferte. Hier böse Hintergedanken des Spielers zu unterstellen, der Remis angeboten hat, ist aufgrund des bisher geschriebenen überhastet. Hier sollte die Unschuldsvermutung gelten.

Ganz und gar nicht kann ich die Entscheidung des Schiedsrichters nachvollziehen, falls es sich wirklich so zugetragen hat und der Gegner nicht ein bekannter Störer ist und in der Partie sich nicht schon vorher etwas zu Schulden hat kommen lassen.

Disqualifikation (überhaupt Bestrafung) aufgrund eines Remisangebots? Ich hoffe, es hat sich nicht so zugetragen, wie es sich aufgrund der bisherigen Schilderungen darstellt. Ansonsten ein GRund, doch nicht wieder regelmäßig Schachzuspielen, was ich nach langer Pause eigendlich vorhabe.

Geändert von Minos (05.06.2006 um 22:00 Uhr)
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