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  Das leidige Thema Geld Beitrag #1 (permalink)  
Alt 07.02.2011, 13:17
bauerb4
Neuling
DWZ/Elo: 2079
 
Registriert seit: 02.2011
Beiträge: 5
Frage Das leidige Thema Geld

Hallo, folgende Situation: eine Mannschaft irgendwo im oberen Verbandsliga-Bereich. Die meisten spielen seit Jahren zusammen und haben DWZ von 2000 oder etwas darüber und erhalten kein Geld vom Verein.
Nun hat sich für die nächste Saison ein Spieler angeboten, welcher mit knapp über DWZ 2000 von der Spielstärke her im unteren Durchschnitt der Mannschaft liegen würde. Aber: er will Geld haben, dafür dass er in der Mannschaft spielt. Seine Begründung: er wäre arbeitslos und hätte schon soviel Zeit im Leben für Schach verwendet, dass es sich nun auch mal auszahlen müsse. Tatsächlich hat sich auch im Verein ein reicher Rentner gefunden, welcher ihm pro MK einen Hunderter zahlen will. Den anderen will er aber nichts zahlen, sondern nur dem möglichen Neuzugang (der anscheinend sehr eloquent ist und Talent hat, sich selbst gut zu verkaufen).
Andere im Vorstand des Vereins sind damit einverstanden.
In der Mannschaft hingegen gibt es eine Minderheit von Spielern, die damit nicht einverstanden sind. Begründung: sie hätten mindestens ebenso viel Zeit in ihrem Leben in Schach investiert, hätten die gleiche oder eine höhere Spielstärke als der pot. Neuzugang und würden trotzdem kein Geld vom Verein bekommen. Und was die Arbeitslosigkeit betreffen würde, so könnte ja jeder mit morgendlichem Zeitungsaustragen, Jobs bei McDonalds usw Geld verdienen, wenn er nur wolle.
Die Mehrheit im Verein ist, wie gesagt, dafür dass der Neue kommt und fürs Spielen bezahlt wird (als Einziger).
Letztlich scheint es darauf hinaus zu laufen, dass einer kommt und 1 oder 2 langjährige Spieler, die damit überhaupt nicht einverstanden sind, dann wohl zur nächsten Saison den Verein verlassen werde. Diese sind der Meinung, dass diese Neuregelung völlig ungerecht sei und wenn überhaupt, dann nach Leistung bezahlt werden müsse und nicht nach Gutdünken einzelner.
Frage: wie ist eure Meinung dazu? Hat jemand schon Erfahrungen mit ähnlichen Situationen gesammelt?
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  Das leidige Thema Geld Beitrag #2 (permalink)  
Alt 07.02.2011, 19:09
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Ja, das ist in der Tat ziemlich lächerlich, mit DWZ ~2000 für das Spielen in der Verbandsliga Geld haben zu wollen. Halbwegs normal ("akzeptabel") ist das wohl erst Oberliga aufwärts. Und eigentlich auch nur, wenn man die Mannschaftsstärke deutlich steigert! Also etwa ein Titelträger am Spitzenbrett. Möglichst als Spielertrainer. Ist dann wohl okay.

Bin zwar im Prinzip ein Anhänger des Amateurprinzips. Aber es kann nun mal z.B. passieren, daß in einer Mannschaft 7 Spieler sind, die die nötige Stärke für Brett 2-8 haben (um aufzusteigen/ um höhere Klasse zu halten), von denen an Brett 1 aber keiner mithalten kann. Dann mag man sich Verstärkung holen.

Ob jetzt jeder Arbeitslose auch beliebig anders Geld hinzuverdienen könne, "wenn er nur wolle", lasse ich mal dahingestellt. Einen Anspruch, Geld mit Schach zu verdienen, hat sicherlich keiner.
Falls man dem Arbeitslosen entgegenkommen will, kann man ihm auch anders helfen: Vereinsbeitrag senken, reale Fahrkosten großzügig erstatten, pro Spieltag ein Freigetränk/Freiverzehr, einmaliger Schachbuchgutschein o.ä.

Sollte es aber wie beschrieben den Extrahunderter geben, kann ich jeden gut verstehen, der abhaut! Sollte man den Vorstand, dem Arbeitslosen und dem reichen Rentner vielleicht nochmal verdeutlichen; ich habe in den letzten Jahren schon einige Vereine an diesen Fragen kaputtgehen sehen.

tracke
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  Das leidige Thema Geld Beitrag #3 (permalink)  
Alt 07.02.2011, 21:41
Gisibert
Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 122
Hallo bauerb4,

im eigenen Verein habe ich sowas zwar (zum Glück) noch nicht erlebt, aber es gab bei uns im Bezirk vor Jahren einen Verein, der durch ähnliche Vorfälle (großer Ehrgeiz und bezahlte Spieler, weshalb der Verein schließlich zerstritten war) zerbrach. In etwas anderer Färbung ereignete sich erst kürzlich ein Fall, bei dem ein Verein durch Geldgeber künstlich aufgebaut wurde und als der Geldgeber sich - warum, das weiß man nicht so recht - plötzlich verabschiedete, da fiel der aufgepumpte Verein wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Was will man daraus lernen? Nun, vielleicht kann man ersehen, dass Geld und Ehrenamt schlecht verträgliche Angelegenheiten sind und einander auch nur bedingt (wenn überhaupt) ergänzen können.

Den von Dir geschilderten Fall halte ich für problematisch und ehrlich gesagt finde ich, dass hier einige Leute eine für das Vereinsklima wenig gewinnbringende Einstellung (übertriebener Ehrgeiz?) pflegen. Einen fremden Spieler zu kaufen, der mit dem Verein bisher nichts zu tun hatte und offenkundig eine primär egoistische Zielsetzung pflegt, das schreit nach Problemen.

Entweder man trifft hier eine einvernehmliche Entscheidung, wodurch eine solche Ausnahmeregelung ausreichend legitimiert ist, oder man verzichtet darauf. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Ich wünsche euch alles Gute!

gisi
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  Das leidige Thema Geld Beitrag #4 (permalink)  
Alt 09.02.2011, 08:26
bauerb4
Neuling
DWZ/Elo: 2079
 
Registriert seit: 02.2011
Beiträge: 5
Danke euch für die Antworten!
Meine Meinung ist auch, dass wenn überhaupt, Geld nach dem Leistungsprinzip, gezahlt werden soll. Nicht nach dem Motto, wer am lautesten jammert, bekommt etwas. Nur wenn ein Spieler eine deutliche größere Spielstärke als alle anderen hat und Geld verlangt, kann man darüber reden.
Grüße, B.
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  Das leidige Thema Geld Beitrag #5 (permalink)  
Alt 11.02.2011, 11:34
Gisibert
Kenner
 
Registriert seit: 02.2006
Beiträge: 122
Zitat:
Zitat von bauerb4 Beitrag anzeigen
Danke euch für die Antworten!
Meine Meinung ist auch, dass wenn überhaupt, Geld nach dem Leistungsprinzip, gezahlt werden soll. Nicht nach dem Motto, wer am lautesten jammert, bekommt etwas. Nur wenn ein Spieler eine deutliche größere Spielstärke als alle anderen hat und Geld verlangt, kann man darüber reden.
Grüße, B.
Hallo bauerb4,

es ist ja nicht so, dass es in einem Verein prinzipiell keine Sonderregelungen geben darf, wichtig ist nur, dass solche Ausnahmen einvernehmlich beschlossen werden. Als Beispiel: Wenn die konkrete Situation des arbeitslosen Schachspielers, der privat (und also nicht auf Kosten anderer Vereinsmitglieder) von einem Rentner gefördert werden soll, für die anderen Vereinsmitglieder nachvollziehbar ist und also keine Bedenken gegen eine solche Ausnahme bestehen, so wäre daran wenig auszusetzen.

In der von Dir beschriebenen Situation ist das natürlich nicht naheliegend, da der besagte Spieler mit dem Verein bisher offenbar nichts zu schaffen hatte und er insofern auch keine Reputation genießt.

Selbst wenn nun ein FM (als Beispiel) mit 2300 DWZ angeworben wird und er als einziger Spieler Geld bekommt, wäre das nicht eben unproblematisch und müsste von der überwiegenden Mehrheit aller Vereinsmitglieder befürwortet werden. Schließlich zieht ein anderer Wind auf, wenn plötzlich das, was für viele "nur" Hobby und Freizeitvergnügen darstellt, mit professionellen Ambitionen in Berührung kommt. Wie gesagt: daran ist wohl schon so mancher Verein zerbrochen.

Es grüßt Dich,

gisi
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