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Hallo brulla,
ich habe letztes Jahr "Schach, aber richtig!" von Silman durchgearbeitet und muss leider sagen, dass sich - obgleich ich mich gut unterhalten fühlte - mein Schachspiel dadurch nicht merklich verbessert hat; im Gegenteil: ich spielte danach einige Zeit sogar schlechter, bis ich dann aufhörte, die im Buch vermittelten Prinzipien umsetzen zu wollen.
Mein Empfinden: Für Anfänger hilfreich und für Fortgeschrittene zumindest noch unterhaltsam, aber große Zuwächse an Spielstärke darf man sich nicht erhoffen, da das "Silman-System" einfach zu simpel ist. Erfahrenere Spieler verhalten sich meist automatisch danach, und wenn man sich nicht danach orientiert, dann hat das meist konkrete Gründe.
Und hier sehe ich ein Problem: wenn man irgendwelche - schon im Unbewussten abgelegte - Prinzipien wieder ausgräbt, dann stört das eher das selbständige und an der konkreten Situation orientierte Spiel. So war es zumindest bei mir.
Aber es ist ja nicht so, dass Silman das nicht sehr gut selbst wüsste. So schreibt er zum Beispiel: "Zwar ist es wichtig, sich die allgemeinen Regeln über die Störungen des Gleichgewichts zu vergegenwärtigen. Doch nicht minder wichtig ist, daß man sich eine andere Tatsache jederzeit vor Augen hält: daß nämlich diese Regeln sowohl einander zuwiderlaufen als auch in ihrer Bedeutung verstärken können." (Jeremy Silman, "Schach, aber richtig!", S.211)
Oder etwa hier: "Regeln und Richtlinien sind nützlich, doch jede Regel wurde aufgestellt, damit man sie bricht". (Jeremy Silman, "Schach, aber richtig!", S.53)
Ich entnehme daraus: wer wirklich gutes Schach spielen möchte, der muss sich (gleichsam als Meta-Spieler) über jede Regel stellen, denn nur so kann er beurteilen, ob sie in der konkreten Situation gut ist oder nicht. Und das führt - logisch gesehen - dazu, dass einfache Regeln immer nur als Handwerkszeug fungieren können: die eigentliche Schachkompetenz liegt aber viel tiefer.
Anderswo heißt es dann - recht schwammig anmutend -, dass "passives, planloses Spiel zum Verlust [führt]" oder "Die beste Defensive ist eine gute Offensive. Falls Sie sich verteidigen müssen, versuchen Sie solche Züge zu finden, die obendrein etwas für Ihre eigenen Pläne leisten."
Das hört sich zum Teil schon etwas tautologisch an, nach dem Motto: geben Sie nicht auf, sonst haben Sie verloren, oder: versuchen Sie stets so gut wie möglich zu spielen, nur dann können Sie ihr volles Potential ausschöpfen.
Scherz beiseite: ich will das Buch - resp. "Silman-System" - nicht madig machen, aber eine Wunderwaffe ist es kaum.
Es grüßt Dich,
gisi
Geändert von Gisibert (30.09.2010 um 17:47 Uhr)
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