Hallo Feltnix,
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Zitat von Feltnix
Als Vater von Kindern, die "Dank" Computer mehr und mehr sitzende Hobbys haben, würde ich nun auch eher einen Sport unterstützen, der mehr Bewegung erfordert als das Schachspielen.
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Schach wird nicht mit Bewegungssportarten konkurrieren können, das ist klar. Was mir aber auffällt, wenn ich mit Kindern arbeite, das ist der Umstand, dass diese meist ganz von alleine eine sehr bewegungsreiche Angelegenheit daraus machen. Sprich: sie sitzen nicht - wie Erwachsene das für gewöhnlich tun - Stunde auf Stunde still vor dem Brett, sondern ihr Spielstil ist in der Regel eher unruhig.
Insofern ist Schach für Kinder meiner Ansicht nach mehr ein Konzentrationstraining, es ist ein ständiger Kampf zwischen kindlichem Bewegungsdrang und der Notwendigkeit, sich auf ein Geschehen ganz gezielt zu fixieren. Wie gesagt: das alles ändert nichts an der Tatsache, dass Schach kein Ersatz für Fußball oder dergleichen ist, wenn es primär um bewegungspädagogische Absichten geht.
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Könnte man bei der Jugendarbeit nicht mehr drauf achten, dass Turniere etc. nicht am Wochenende, wo Fußball (was auch immer) stattfindet?
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Das Problem ist, dass diejenigen Leute, die in der Jugendarbeit tätig sind, dies zumeist ehrenamtlich tun und somit unter der Woche einem regulären Beruf nachgehen müssen. Beim Fußball wird dies nicht anders sein.
Ich wundere mich immer wieder, dass manche Eltern das scheinbar nicht berücksichtigen. Selbst wurde ich schon eindringlich darum gebeten, dass die Kinderschachgruppe in unserem Verein doch besser am frühen Nachmittag stattfinden solle, da die Kinder dann bei Helligkeit (im Winter) selbst nach Hause gehen können und außerdem noch nicht so müde seien.
Hier kann man zwar die Bedürfnisse der Eltern verstehen (sie haben die Kinder vom Hals und können Mittagsschlaf machen, brauchen sie nicht selbst abzuholen etc.), trotzdem ist das etwas arg einseitig gedacht, denn die ehrenamtlichen (!) Trainer haben womöglich ebenfalls Kinder/Familie und einen Beruf, dem sie am Mittag/Nachmittag nachgehen müssen.
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Wenn die Schulen hier aktiver wären, könnten auch Kinder aus kleinen Dörfern ohne Schachverein eine Chance bekommen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, als Schüler wäre weit mehr als mein Taschengeld draufgegangen, um eine Stadt mit Schachverein zu erreichen.
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Viele Schulen sind erstaunlich aktiv, aber eben nur dann, wenn Lehrkräfte (oder eben Vereine) darum bemüht sind. Bei uns gab es früher auch eine Schach-AG in der Schule, diese wurde aber von einem Lehrer betreut, der selbst kaum die Schachregeln kannte. Gelernt habe ich dort leider nichts, es gab keinen gezielten Unterricht, sondern war mehr eine Alibiangelegenheit; das heißt: die Schule konnte sich mit der Schach-AG (resp. dem Angebot) brüsten und wir Jugendliche hatten einigen Spaß beim gemeinsamen spielen. Schachlich war es aber - wie gesagt - leider ein Misserfolg.
Man benötigt einen motivierten Schachlehrer, der nach Möglichkeit selbst aktiv spielt und also ausreichend kompetent ist. Gerade für kleine Dorfschulen ist das leider nicht einfach.
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Dass die Jugend dann eher das Internet nutzt (wenn überhaupt für Schach) ist klar. Mag sein dass die wachsende Anzahl von Kindern aus H4 Haushalten ebenso zum Nachwuchsmangel beiträgt.
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Das kann ich eigentlich nicht bestätigen. Die schachinteressierten Jugendlichen, die ich kenne, sehen im Schach weniger ein reizvolles Computerspiel, sondern mehr eine gemeinschaftliche Angelegenheit. Das ist ja auch verständlich: Schach kann gegen andere Computerspiele (WoW u.ä.) kaum konkurrieren, da muss der Jugendliche schon sehr schachbegeistert sein (oder unterfordert, so dass er stärkere Gegner sucht), um im Internetschach sein Glück zu suchen.
Sozial benachteiligte Kinder haben es viel schwerer, da stimme ich voll und ganz zu. Die Armut wird langsam größer, auch das ist richtig. Aber ob das nun die aktuelle Entwicklung des Schachnachwuchses berührt (der wohl hauptsächlich aus bildungsnahen Elternhäusern rekrutiert wird), das bezweifle ich allerdings eher. Auszuschließen ist das aber durchaus nicht.
Beste Grüße,
gisi