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Schachgeflüster

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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #1 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 12:33
Benutzerbild von Khan
Khan
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Registriert seit: 11.2004
Beiträge: 81
Eine Journalistin über Schach(-spieler)

Über die Schlechtigkeit von Schachspielern wurde bereits diskutiert. Hier eine Stufe härter. Es ist ein langer Text und sollte nicht kurz nach dem Mittagessen gelesen werden. Personen mit Bluthochdruck sollten vorher ihre Medikamente einnehmen

Ein Artikel der Journalistin Sieglind Geisel vom 10.06.2000. Erschienen war der Artikel in der Onlineausgabe der "Berliner Zeitung". Leider ist der Artikel komischerweise auch nicht mehr im Archiv aufzufinden (obwohl weitaus ältere Artikel archiviert sind). Der Berliner Schachverband hat ihn jedoch noch rechtzeitig für die Schachnachwelt "retten" können.

Die Quelle die wiederum auf die Quelle verweist http://www.berlinerschachverband.de/...00/weltflucht/


Weltflucht im Schach

von Sieglinde Geisel

Ein Verein in Prenzlauer Berg: Zur Wirklichkeit haben die Spieler Distanz. Sie leben in Geschichten
Die Parterrewohnung in Prenzlauer Berg ist nicht renoviert, die Räumlichkeiten sind nüchtern. Im Turnierzimmer herrscht Stille, man hört nur die Schachuhren ticken. Im Rauchsalon dagegen ist es hektisch und laut, hier wird Blitzschach gespielt. Nach jedem Zug knallt die Hand auf den Stift der Schachuhr, wenn man für eine Partie nur fünf Minuten Zeit hat, geht es um Sekunden. Die Zuschauer haben meist eine Bierflasche in der Hand, die Luft ist schwer vernebelt. Dabei ist es noch nicht einmal neun Uhr abends. In einem Regal liegen Formulare: "Deutscher Schachclub der DDR" steht in jener klotzigen Schrift, die man schon fast vergessen hat. Im Rauchsalon hängen altmodische Schachposter mit erbaulichen Sprüchen: "geistig fit bis ins hohe Alter", oder: "ob jung oder alt, gemeinsam aktiv sein". Als wäre Schach ein unschuldiges Familienvergnügen.

Von der Spielstärke her gehört B. zu den schwächeren Berliner Schachvereinen. Unschlagbar ist der Club jedoch in puncto Vereinsleben: Nur hier gibt es Bockwurst und Stullen, und bei den meisten anderen Vereinen ist abends um zehn Uhr Schluss. Andreas findet die Atmosphäre "noch eins unter Mitropa", er kommt wegen der Leute hierher - ein Satz, den man öfters hört. Die Gemeinschaft beim Schach sei allerdings meist eine Täuschung. Die wenigsten treffen sich auch außerhalb der engen Schachwelt und gesprochen wird nur über das, was auf dem Brett stattfindet: mutige Eröffnungen, raffinierte Züge, riskante Opfer.

Schach ist eine sublimierte Form des Männerbündlerischen, die grobe Maskulinität des Stammtischs oder des Fußballklubs fehlt hier völlig. Über die Frage, warum das Schachspiel überwiegend Männer anziehe, gibt es haufenweise Theorien. Da auffallend viele Schachspieler Schwierigkeiten mit Beziehungen zu Frauen haben, sei die Konzentration aufs Schachspiel eine Kompensation für die verdrängte Sexualität sowohl gegenüber dem eigenen als auch gegenüber dem anderen Geschlecht. Mindestens die Hälfte der berühmten Spitzenspieler ist ohne Vater aufgewachsen: Wie der König im Märchen stehe auch die Königsfigur im Schach für den abwesenden Vater. Sowohl der Angriff auf den feindlichen als auch die Identifikation mit dem eigenen König sei ein unbewusster Ersatz für die Auseinandersetzung mit dem Vater. Wie für jede Regung des Menschen bietet die Psychoanalyse auch für die Schachleidenschaft die abenteuerlichsten Theorien. Hier wird das Geschehen auf dem Schachbrett als Inszenierung des ödipalen Dramas gedeutet. Der Sieg über den Gegner symbolisiere den Vatermord, womit der Sohn seinen stärksten Gegner im Kampf um die Liebe der Mutter ausschaltet. Gern wird dabei auch auf die phallische Gestalt der Figuren hingewiesen: Im unbeweglichen, verwundbaren König, von dem doch alles abhängt, wollen manche eine Inkarnation des Penis sehen - schachmatt entspricht demnach einer symbolischen Kastration.

Der Schachverein B. gilt als Chaotenclub, neben dem Schach wirkt der Alkohol als "der andere Seelentröster", und die wenigsten haben in ihrem sonstigen Leben das, was man "geordnete Verhältnisse" nennt. Zu DDR-Zeiten war die Existenz als hauptamtlicher Schachspieler nicht ungefährlich, denn wer nicht arbeiten ging, stand als Asozialer mit einem Bein im Knast. Ausgerechnet im kapitalistischen Westen ist die ökonomische Verweigerung einfacher geworden: Sozialhilfe und Arbeitslosengeld haben das Leben am Rand der Gesellschaft vom unmittelbarsten Druck befreit.

Im Schachverein B. ist nicht nur das Ambiente ein Stück konservierte DDR, ein Teil der Mitglieder stammt aus der DDR-Zockerszene, die sich im Volkspark Friedrichshain hinter dem Sport- und Erholungszentrum zum verbotenen Glücksspiel getroffen hatte. "Da wurden Werte bewegt: Es ging um Tausende von Mark", erzählt Andreas. Neben Schach wird Backgammon und Karten gespielt. Mit dem wechselnden Spielglück und -geschick lässt sich die Sozialhilfe aufbessern, ohne dass das Amt davon etwas mitkriegt. Andreas erhält nicht einmal Sozialhilfe. Ein Freund wollte ihm beim Antrag helfen und nahm in aufs Sozialamt mit. Leider war es das falsche, also schöpfte die Behörde Verdacht, er wolle doppelt abkassieren. Seither hat sich Andreas nicht mehr auf ein Amt getraut. In seiner Einzimmerwohnung gibt es seit zwei Jahren weder Strom noch Telefon. Für die Miete kommt seine Familie auf, sonst wäre er möglicherweise auf der Straße gelandet. Andreas verdient manchmal etwas Geld mit dem Renovieren von Wohnungen. Sonst spielt er Schach, bis zu acht Stunden am Tag.

Immer scheint es ein einziger unbedachter Zug gewesen zu sein, der die Katastrophe heraufbeschwört.

n Lichtenrade finden die offenen Berliner Meisterschaften statt: Ein großer, stiller Saal voller Spieltische. Nur die Schachuhren ticken gegeneinander an: Als würden winzige Pferdchen um die Wette traben, holen die geschäftigen Rhythmen einander ein, ticken für kurze Zeit im gleichen Takt und fächern sich dann wieder auf. Die Konzentration auf den Gesichtern ist mit Händen zu greifen: Züge werden vorausberechnet, Varianten erwogen, Fallen gestellt. Die unermüdlichen Schachuhren machen die Denkanstrengung hörbar und die Zeit, die den vor sich hinbrütenden Spielern im Nacken sitzt.

Der kleine Atila Figura, deutscher Meister unter den Zehnjährigen, zieht einen Zug gegen seinen erwachsenen Gegner, gleitet vom Stuhl und wandert zwischen den Brettern herum, bis sein Gegenspieler sich entschieden hat. Beim Endspiel ist es mit der Gelassenheit vorbei, gespannt rutscht er auf dem Stuhl hin und her. Er kann den nächsten Zug kaum erwarten, seine Antwort scheint er oft schon parat zu haben, bevor der Gegner gezogen hat. Wer bereits gewonnen oder verloren hat, sitzt draußen im Foyer, hier werden die Partien analysiert. Immer scheint es ein einziger unbedachter Zug gewesen zu sein, der die Katastrophe heraufbeschwört. Peter vom Schachclub B. hat auch hier eine Bierdose in der Hand. Er hat eben eine Partie gewonnen, und es gelingt ihm nicht ganz, den Triumph in seinen Augen zu verbergen. Schach sei ihm nicht mehr so wichtig wie früher, meint er, trainieren tue er kaum noch, der Ehrgeiz verliere sich mit der Zeit.

Mit Schachspielen hatte er 1984 angefangen, nachdem er wegen eines Ausreiseantrags seine Stelle als Lagerleiter verloren hatte. Er spielte Freiluftschach im Volkspark Friedrichshain, meist um Geld. Mit ein paar Gelegenheitsjobs reichte das zum Leben, "man brauchte ja nicht viel". Ein paar Jahre später fing er an, auf der Pferderennbahn zu wetten. Er hatte tausend D-Mark gespart, damit wollte er sich ein Rennpferd kaufen. Nach der Wende jedoch gingen alle Pferde in westdeutsche Hand. "Ich hatte eben keine sechstausend D-Mark." Das Pferd, auf das er damals ein Auge geworfen hatte, hat in den letzten vier Jahren Prämiengelder von 150 000 Mark eingelaufen. "Davon könnte ich jetzt leben. Na ja, ich weiß schon, da hat man auch Ausgaben. Aber man kann auf das eigene Pferd ja auch noch wetten, das erhöht dann die Gewinnsumme noch einmal kräftig." Zurzeit lebt Peter von Arbeitslosengeld, "und manchmal kommt etwas von oben". Jetzt gerade hütet er zum Beispiel das Haus seiner Schwester. Die Katze ist ihm abgehauen, er hat sie heute schon mit dem Rad gesucht.

"Dass sie nicht trainieren, sagen sie alle. Glaub s keinem", sagt Franz. Er kultiviert den Exzess: Vor einem Turnier schließt er sich drei Tage ein und studiert Partien - mit der gleichen Konzentration, mit der er Kafka oder Dostojewski liest. "Ich will das Lesen nicht unterbrechen. Wenn ich Dostojewski lese, dann möchte ich als Raskolnikow aufwachen." Die Lektüre bereite er vor wie eine Schlacht, fünfzehn Stunden am Stück habe er letzte Woche "Schuld und Sühne" gelesen, ein Buch, zu dem er immer wieder zurückkehrt. "Da mache ich es mir richtig gemütlich. Drei Kissen lege ich mir unter den Kopf, eines unter die Beine, damit die nicht wegrutschen."

Wenn Schachspieler sagen, dass sie wegen der Leute beim Schachverein B. mitspielen, dann meinen viele in erster Linie Franz. Zur Wirklichkeit hat Franz eine rätselhafte Distanz, denn er lebt in Geschichten, wahren und fiktiven. Schon wie es kam, dass er DDR-Bürger wurde, ist eine Geschichte: Nur durch Zufall nämlich war er am 13. August 1961 in Prenzlauer Berg bei seinen Eltern und nicht in Wedding bei seiner Großmutter, wo er auch zur Schule ging. Franz liebt die Absurdität der feinen Details. "Nach dem 13. August durfte in der Staatsoper Verdis Nabucco ein ganzes Jahr lang nur noch ohne den Gefangenenchor gespielt werden." Oder zitiert eine von Goebbels letzten Meldungen an das deutsche Volk: Ab sofort werde keine Hundesteuer mehr erhoben. "Da standen die Russen schon bei Weißensee", meint Franz mit einem Ernst, als könne man daraus etwas lernen. Seine Ironie ist ein flüchtiger Stoff, man muss ihn reden hören, den schnellen, perfekten Rhythmus seines Erzählens im Ohr haben. Franz spontane Poesie scheint in genau dem Moment zu entstehen, in dem er sie ausspricht - vergleichbar einem improvisierenden Musiker. Beim Turnier hält er sich nicht lange mit Sieg oder Niederlage auf. "Gestern habe ich so witzig gespielt, bin die Partie abends im Bett noch einmal durchgegangen, da musste ich dauernd kichern." Seine Gegner unterhält er mit eigenwilligen Sprüchen. "Was weg ist, brummt nicht mehr." Oder: "Das sind Kombinationen, da bleibt kein Auge trocken."

Schach bringt wenig Anerkennung. "Die Leute sind beeindruckt, solange man Schach nebenher spielt", meint Andreas. "Macht man es zur Hauptbeschäftigung, dann ist es mit der Bewunderung vorbei." Deshalb berührt die Frage, ob Schach im Lebensmittelpunkt stehe, ein Tabu: Wer nicht zu den Spitzenspielern gehört, macht sich damit lächerlich, denn dann rechtfertigt der Mangel an Talent den Zeitaufwand nicht. Die schachliche Leistung ist die einzige Rechtfertigung fürs intensive Spielen, Geld verdienen lässt sich damit nicht. Warum also entscheidet sich jemand dafür, das Schachspiel trotzdem zur Hauptsache seines Lebens zu machen?

"Mit Schach kannste alles kompensieren", sagt Heinz ohne zu zögern. Das gilt auch für ihn: Früher hatte er Fußball gespielt, bis ein kaputter Rücken dem Sport ein Ende setzte. "Ich hatte mich über Kraft definiert. Jetzt kann ich nicht mal alleine Kohlen klauen. Die Umstellung war hart." Seine Leidenschaft für Schach hatte er in Indien entdeckt, dem Ursprungsland des Spiels. Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus lassen sich Vorläufer des modernen Schachspiels in Indien nachweisen: "Chaturanga" war ein Kriegsspiel für vier Spieler, später wurde daraus "shatranj" für zwei Spieler. Beide Spielformen zeichneten sich dadurch aus, dass die verschiedenen Figuren je verschiedene Kräfte haben und dass sich der Sieg an einer einzigen Figur entscheidet: dem König. Durch den Handelsverkehr auf der Seidenstraße und durch buddhistische Pilger kam das Spiel nach Europa.

Während der zwei Jahre, die er in Indien verbrachte, spielte Heinz in jedem Dorf gegen den besten Schachspieler. "Die Inder sind fanatisch, aber sie spielen schlecht." Obwohl er wenig Training hatte, gewann er meistens. Zurück in Berlin stand er vor der Entscheidung, ob er sich als Fotograf eine Existenz aufbauen sollte. Die finanzielle Investition für eine professionelle Ausrüstung war ihm jedoch zu riskant. Schach kostet nichts - so beantragte er Sozialhilfe und widmete sich während der nächsten beiden Jahre vorwiegend dem Spiel. Inzwischen hat er einen schlecht bezahlten aber interessanten Job als Fotograf, beim Schach reiche es allerdings nur noch zur Schadensbegrenzung.

Andreas hatte 1991 durch die Abwicklung des Betriebes seine Stelle verloren. Damals begann er, sich intensiv dem Schach zu widmen; an manchen Tagen trainierte er acht Stunden. Seine raschen Fortschritte nährten die Hoffnung, vielleicht irgendwann vom Schach leben zu können. Kürzlich jedoch hat er beschlossen, sich für ein halbes Jahr völlig vom Schach zurückzuziehen. Um die Hürde für einen Rückfall höher zu setzen, hat er allen im Verein von seinem Entschluss erzählt. Ein verpatztes Turnier war dabei nur der Auslöser - seine Familie hatte ihm vor einiger Zeit die finanzielle Unterstützung entzogen. "Es gibt für mich Dinge, die ich nicht riskieren kann, zum Beispiel Obdachlosigkeit." Allerdings hätte er sich vor einigen Jahren auch noch nicht vorstellen können, so lange ohne Strom und Telefon zu leben. In dem halben Jahr der Schach-Abstinenz will er sein Leben in Ordnung bringen. Sein Ziel ist dabei nicht unbedingt ein fester Job. "Sozialhilfe wäre auch schon etwas."

Ist das Schach an seiner prekären Situation schuld? So würde er es nicht sagen - Schach brauche viel Zeit, das sei für Außenstehende nicht immer einzusehen. Ihm gehe es nun darum, das Schach auf einen anderen Platz in seinem Leben zu verweisen. "Schach ist ein unglaublich effizienter Wirklichkeitsverdränger." Andreas träumt manchmal ganze Schachpartien. Er hofft, eine Distanz zum Schach zu gewinnen, wie er es bei Johannes sieht, "unserem Quoten-Wessi". Tatsächlich ist Johannes der einzige Westler im Schachverein B., er ist auch einer der wenigen im Club, der Familie und Arbeit hat. "Wenn ich einen Tag Schach gespielt habe, dann sehe ich die Welt nur noch schwarz und weiß, ich habe dann kein Gefühl mehr für die Realität." Er habe jedoch "einen kleinen Mann im Ohr", der ihm sage, wann er aufpassen müsse. Schach spielt er freitags im Verein oft bis in die frühen Morgenstunden sowie ab und zu an einem freien Tag, wenn seine kleine Tochter nicht zu Hause ist. Nicht immer war Johannes so souverän. Die Schachleidenschaft habe zum Abbruch seines Germanistikstudiums beigetragen. Danach arbeitete er Teilzeit als Psychiatriepfleger, lebte mit einem Minimum an Geld und möglichst ohne gesellschaftliche Reibungsflächen. Weil der große Erfolg im Schach ausblieb, löste er sich allmählich vom Spielen.

Niemand fährt zu so vielen Turnieren wie Martin. Es soll vorkommen, dass er eine Partie nicht zu Ende spielen kann, weil er am gleichen Tag zu einem zweiten oder gar dritten Turnier antritt. Berufliche Ziele hat er nie mit einer vergleichbaren Leidenschaft verfolgt: Für das Studium der Kernenergietechnik hatte er sich zu DDR-Zeiten entschieden, weil er damit nur neun Monate zur Armee musste. Nach der Wende bewarb er sich an der Hochschule der Künste mit sechzig anderen Kandidaten für einen der vier Studienplätze als Tonmeister, ohne Erfolg. Nun hat er Psychologie studiert, eine Diplomarbeit schreiben will er vorerst jedoch nicht, "ich wüsste auch gar nicht, worüber." Mit Gelegenheitsjobs hält er sich über Wasser: Küchendienst bei Mövenpick, Arbeit auf dem Bau, Einsätze als Bühnentechniker. Vor einem halben Jahr ist die Beziehung mit seiner Freundin in die Brüche gegangen. Martin träumt von einer bürgerlichen Zukunft - er sei jedoch zu scheu, um sich wieder eine Freundin zu suchen und zu defensiv, um eine Berufskarriere zu verfolgen. Dabei ist ein Gegengewicht im Leben sogar für das Schach von Vorteil. Er hat die Erfahrung gemacht, dass sein Spiel dann freier, riskanter und damit besser wird. "Spieler, die nichts haben außer Schach, verlieren bei Turnieren mehr als nur eine Partie. Es ist ein Stück Identität."

Schach ist eine Welt für sich. Auf dem Schachbrett tummelt sich ein stilisierter Mikrokosmos: König, Turm, Dame, Läufer, Springer und Bauern - das ist das Personal einer höfischen Welt, in der altmodische Kriege gefochten werden. Jede Welt hat ihre Sprache; beim Schach ist der Jargon von der Dramatik des Kampfspiels geprägt: "da brennt die Luft", "über die Dörfer gehen", "in Beton spielen", "Krawall machen". Schach ist nicht nur ein Spiel, sondern auch eine Wissenschaft: In den letzten hundertfünfzig Jahren hat sich die Theorie der gedanklichen Kriegführung enorm verfeinert. Tausende von Büchern widmen sich einem bestimmten Eröffnungstyp, andere erforschen die Bauernstrategie oder Stellungen im Endspiel.

Das abstrakte System des Schachs führt in den Köpfen der Spieler ein Eigenleben. Andreas etwa kann eine Partie während einer Woche im Kopf behalten. Martin ärgert sich noch nach Jahren über Züge, die ihn einen Sieg gekostet haben. Natürlich findet der Kampf nicht nur auf dem Brett statt, sondern auch zwischen den beiden Menschen, die sich gegenübersitzen. Die psychologische Kriegführung im Schach bedient sich aller Mittel, um den Gegenspieler aus der Ruhe zu bringen. Man merke schnell, was der Gegner für ein Typ sei, bemerkt Franz. "An der pingeligen Art, wie einer das Protokoll führt, zeigt sich schon der Schrebergarten, mit Hecke drum herum und Gartenzwerg. Der weiß schon jetzt, wo er mit seiner Frau in zwei Jahren Silvester feiern wird. Dann machst du ein Loch in die Hecke - und auf einmal siehst du den Panzer stehen."

Für ein Improvisationstalent wie Franz sind die gängigen Regeln der Kunst nur wieder Spielmaterial. "Ich spiele kein Funktionärsschach." Schachspielen gegen Franz sei wie Schattenboxen, meint Christoph - man wolle eine Figur schlagen, da bedrohe sie bereits auf einem anderen Feld. Eiskalt halte Franz eine Gefährdung seiner Stellung aus, während er über zehn Züge hinweg eine doppelte Bedrohung aufbaut, die den siegessicheren Gegner zur Verzweiflung treibt. Wer die Nerven hat, kann die begrenzte Zeit als Waffe nutzen: Nachdem Franz einen Gegner in den letzten Minuten mit ein paar blitzschnellen Zügen matt gesetzt hatte, war dieser zu verstört, um ihm zu gratulieren. "Das ist Schach aus der Psychiatrie!" rief er aus.

Nur beim Fernschach herrscht kein Zeitdruck: Drei Tage ist Zeit für den nächsten Zug. In bewegten Zeiten kann dieses Zeitlupentempo die Weltgeschichte außer Kraft setzen. 1993 belegte die DDR-Mannschaft in der Fernschach-Olympiade den dritten Platz. Als der Wettkampf 1988 begonnen hatte, ahnte niemand, dass der Mannschaft demnächst ihr Staat abhanden kommen würde.

Beim Schach gehe es um Ausnahmen, meint Martin. "Man kommt nur weiter, wenn man Denkstrukturen sprengt." Vieles bleibe dabei im Dunkeln - für das Unerklärliche sei die Schachgöttin Caissa zuständig. Caissa ist nicht nur eine Frau, sondern eine Nymphe, der Inbegriff des unergründlich Weiblichen - dem Mythos zufolge vermag ihm bekanntlich kein Sterblicher zu widerstehen. Caissa ist eine Erfindung des Orientalisten Sir William Jones, sie entstammt einem Gedicht von 1763, in dem Jones beschreibt, wie der Kriegsgott Mars das "nachdenkliche Spiel" erschafft. Für Martin ist Schach nicht nur ein Kampfsport und eine Wissenschaft, sondern auch eine Kunst. "Die große Faszination des Schachspiels besteht im Wissen, dass man in jeder Partie etwas Großartiges schaffen könnte, ein Juwel - so etwas wie die unsterbliche Partie."

Spieler, die nichts haben ausser Schach, verlieren bei Turnieren mehr als nur eine Partie. Es ist ein Stück Identität.

Mitte des 19. Jahrhunderts gelang dem deutschen Schachmeister Adolf Anderssen ein spektakulärer Sieg, nachdem er sechs "Puppen" geopfert hatte - ein Meisterwerk der romantischen Epoche des Schach, als riskante Opfer und das schöne Spiel im Vordergrund standen. Damals war die Verteidigung noch wenig erforscht - heute könnte man mit solch heroischen Opfern kein Spiel gewinnen. In den letzten Jahren ist das Niveau im Schach nicht nur wegen der Theoriebildung gestiegen, sondern mehr noch durch den Computer. "Ich bin der letzte Ritter hier, komme noch an mit Schild und Schwert", sagt Franz beim Turnier in Lichtenrade. Die anderen würden ja längst mit Laserpistolen kämpfen. Er überlegt, ob er sich vielleicht doch einen Schachcomputer anschaffen solle. "Aber das passt nicht zu mir. Das wäre, wie wenn Don Quichote mit einem Raketenwerfer daherspaziert."

Die geistige Leistung des Schachs wird von der Gesellschaft kaum gewürdigt. Nur schon der Satz: "Ich könnte nie so lange still sitzen" signalisiere ein Missverständnis, sagt Martin. "Das sieht nur so aus. Die Erregung und Leidenschaft der Spieler bleiben dem Betrachter verborgen. Da herrscht ein ungeheurer Druck. Die Sache hat Tempo, man hat wenig Zeit für einen Zug." Bei Turnierpartien ist die Zeit auf fünf Stunden begrenzt. Sollte während dieser fünf Stunden tatsächlich ein Juwel gelingen, kann Beifall nur von den wenigen kommen, die selbst gut genug spielen, um das Schmuckstück zu verstehen. Wer als Kiebitz einmal den Versuch gemacht hat, in Gedanken den nächsten Zug vorherzusagen, weiß, wie selten die Prognose zutrifft. In der Regel ist Laien die Entscheidung der Spieler völlig rätselhaft, vor allem im Endspiel, wo nur noch wenige Figuren auf dem Brett stehen. "Je weniger Figuren man hat, desto abstrakter wird das Spiel", erklärt Christoph.

In keiner anderen Sparte muss das Publikum dem Künstler das Wasser reichen können, um an seiner Kunst teilzuhaben: Eine Beethoven-Sinfonie genießen wir zum Beispiel, ohne selbst komponieren zu können. Manchmal spüre er schon einen gewissen Neid auf den Tennissport, wo die ganze Welt sieht, was geleistet wird, sagt Martin. Als Ersatz für den tosenden Beifall der Massen erkämpfen sich die aktiven Spieler eine dürre Zahl, die in der Schachwelt als Identitätsausweis gilt: Das standardisierte Elo-Punktesystem weist einen Platz in der Weltrangliste zu. Wer in einem Turnier gegen einen punktschwächeren Gegner spielt, muss gewinnen, um seine Zahl halten zu können. Verliert er, büßt er Punkte ein.

Das Schachspiel wird von der Gesellschaft nicht wahrgenommen - umgekehrt kümmert sich das Schach auch nicht um die Werte, welche die Gesellschaft für sakrosankt erklärt. Die Ökonomie des Schachs funktioniert ohne Geld. Im Schachverein B. sind die Monatsbeiträge im Abstand von einer Mark gestaffelt: Angestellte bezahlen zwölf Mark, Arbeitslose sieben, Studenten sechs, Sozialhilfeempfänger fünf und Schüler drei Mark - und selbst diese Beträge kann man anschreiben lassen. Die Preisgelder bei Turnieren liegen im höchsten Fall bei dreitausend Mark für den ersten, zweitausend für den zweiten und tausend für den dritten Platz, meist jedoch weit darunter. Bei Mannschaftsturnieren bezahlen Vereine besonders guten Spielern manchmal unter der Hand ein Antrittsgeld - auch dieses jedoch beträgt nicht mehr als ein paar hundert Mark. Schach ist kein Massensport: Einzig für Medienstars wie Kasparow oder Karpow lassen sich Sponsoren finden.

Der internationale Schachverband Fide stand vor einigen Jahren vor dem Bankrott, und dies dürfte denn auch der Grund sein, warum Kirsan Ilyumschinow, der Präsident der winzigen Republik Kalmückien, zum Schachpräsidenten gewählt wurde. Durch besondere schachliche Leistungen hat er bisher nicht von sich reden gemacht, umso mehr dagegen durch seine Millionen. Niemand weiß, ob sie von der Mafia stammen oder aus den Staatskassen seines verarmten Landes, denn die Bürger Kalmückiens müssen für die Schachleidenschaft ihres exzentrischen Präsidenten Sondersteuern bezahlen. Zur Schacholympiade 1998 ließ Ilyumschinow in der Hauptstadt Elista eine Schachstadt bauen. Obwohl das Schach in dem buddhistischen Staat keine Tradition hat, ist es in der Schule Pflichtfach, wie übrigens auch im Schachdorf Ströbeck im Harz - seit 1823 gibt es dort Schachunterricht in der Schule. Nach dem ungeklärten Auftragsmord an einer Journalistin, die Ilyumschinows Geldangelegenheiten recherchiert hatte, gab es Boykottaufrufe gegen die Schacholympiade. Der 38-jährige Provinzfürst, der nicht nur beim Dalai-Lama Lama und dem Papst Audienz erhielt, sondern auch Saddam Hussein zu seinen Freunden zählt, genießt als Schachpräsident ansonsten jedoch erstaunliche Akzeptanz.

"Wer im Leben nichts geworden ist, dem ersetzt Schach den Abenteuerurlaub", meint Franz, aus dem, konventionell gesprochen, in der Tat nichts geworden ist. Dies jedoch hat nichts zu besagen, denn seine Existenz steht außerhalb aller Kategorien: Er ist der einzige echte Bohemien in Prenzlauer Berg. Bis 1981 war er schwerer Alkoholiker, seither ist er trocken, jedoch ohne sich eine bürgerliche Ersatzwelt geschaffen zu haben. Arbeiten mochte er nie, und es wäre auch niemandem geholfen, wenn man ihn acht Stunden am Tag in ein Büro setzen würde. Die Arbeitspflicht der DDR setzte ihn unter Druck, schließlich fand er eine Nische als Bühnenmusiker - er gehörte zu den Leuten, die Frank Castorf in die Verbannung ans Stadttheater Anklam folgten. Heute lebt er von Sozialhilfe. "Seit 1991 haben wir hier den Kommunismus" - das ist einer seiner schönsten Sätze. Er spielt in Friedhöfen auf Trauerfeiern Harmonium, das Honorar von gut vierzig Mark wird mit der Sozialhilfe verrechnet. Sein Hauptproblem ist der Schlaf: Er geht meist gegen sechs Uhr früh ins Bett, und wenn er vor vier Uhr nachmittags aufstehen muss, ist das eine Quälerei.

Schach ist eine Gegenwelt, die niemandem genommen werden kann. Man braucht dazu nicht einmal ein Brett. Schach ist ein Gefängnisspiel, im belagerten Sarajewo soll es Hochkonjunktur gehabt haben. Dass die Sowjetunion traditionell die meisten und stärksten Schachspieler hatte, erstaunt genauso wenig wie die überproportionale Anzahl der Großmeister Islands: Sowohl im kommunistischen Imperium als auch auf der winzigen Insel waren die Grenzen gesetzt. Schach ist eine Verführung, denn am Anfang geht es schnell voran. "Da denkst du, wenn das so weitergeht, bin ich in zwei Jahren Weltmeister", meint Martin. Doch je weiter man den Berg hochsteige, desto schwieriger werde der nächste Schritt. "Oft ist es eine Illusion, dass man sich immer weiter verbessern wird, und manche vertrödeln damit ihr Leben."

Der Lustgewinn beim Schach besteht nicht nur im Triumph des Sieges. "Man kann sich völlig in diesem Labyrinth verlieren, in das man immer tiefer eindringt", beschreibt es Andreas, der inzwischen seine Anträge beim Sozialamt erfolgreich eingereicht hat. "Wenn ich nach fünf Stunden merke, dass ich völlig vergessen habe, wo ich bin, dann ist das eine Erfahrung, die man immer wieder haben möchte. Vor allem, wenn man so Probleme hat wie ich." Das Leben hat keine Sicherheiten zu bieten - auf die Schachgöttin jedoch ist immer Verlass. "Sie verspricht nicht und enttäuscht nicht" sagt Martin. "Sie ist wie ein Haustier, das sich freut, wenn es gefüttert wird. Es schimpft nicht mit einem, es ist einfach da." Schach sei oft die Ursache für Zukunftssorgen - und gleichzeitig das beste Mittel, diese zu verdrängen.

"Schach ist eine Sucht, die der Staat vergessen hat zu verbieten", sagt Christoph. Er erzählt von Schachexzessen. Nach zwölf Stunden Blitzschach mit Franz ging er halb im Delirium nach Hause - als er die Türklinke in der Hand hielt, dachte er unwillkürlich: Ist das ein Springer oder ein Läufer?
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #2 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 12:57
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JoelH
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Beiträge: 265
hmm,

Zitat:
Zitat von Khan
Über die Schlechtigkeit von Schachspielern wurde bereits diskutiert. Hier eine Stufe härter. Es ist ein langer Text und sollte nicht kurz nach dem Mittagessen gelesen werden. Personen mit Bluthochdruck sollten vorher ihre Medikamente einnehmen
Deine Satz kann ich nicht ganz nachvollziehen, ich meine es geht hier um eine Schar gescheiterter Existenzen die sich durch das Schach über Wasser halten und vor allem auch noch in irgendeinerweise Integriert sind in ie Gesellschaft und sei es nur via ihres 'Chaotenclubs'. Nichtsdestotrotz zeigt dies doch die Offenheit des Schachsports oder meinste diese Leute dürften auf Golf/Tennis -meisterschaften mitspielen?
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #3 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 13:19
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Also ich finde den Artikel gut. Es passt natürlich nicht rein, dass der eine, oder andere sein Privatleben nicht ordnen kann/will und am Existenzminimum, oder gar darunter angekommen ist. Das auch auf alle Schachspieler zu übertragen wäre schlicht dumm. Was aber die Verfasserin nicht beabsichtigt.
Aber besonders der zweite Teil des Artikels, der, ich meine sehr sinnlich, dem nicht spielenden Beobachter die Welt des Schachs ein wenig erläutert und ein Stück weit öffnet finde ich sehr gut. Es trifft die Sache auch in meinen Augen.
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #4 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 17:11
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Khan
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Beiträge: 81
Ich möchte nicht gänzlich ausschliessen, dass meine Schlussfolgerungen aus dem Beitrag der Autorin aus meiner Sichtweise zu pessimistisch ausgefallen sind. Die Botschaft des Beitrages sehe ich nicht nur in der Schilderung eines Vereins und dessen Mitgliedern, sondern auch versteckte Tendenzen, das Schach & seine Schachspieler in ein schlechtes Licht zu rücken. Was wird nämlich ein unbedarfter Leser denken, wenn er solch einen Artikel über Schach liest ? Was wird zudem ein Vater bzw. eine Mutter denken, die ihr Kind zum Schachspiel schicken wollte (man erinnere sich hierzu an den älteren Beitrag bei dem jemand sein Kind nicht zum Schach schicken wollte)?

Man kann nicht von einer unbedarften Person erwarten, dass er nach der Lektüre dieses Artikels die Hintergründe in der Schachszene recherchiert, um dann vorurteilsfrei an die Schachthematik zu gehen und sein Kind zum Schach zu schicken. Denn selbst unter Schachspielern herrschen schon die zur Diskussion stehenden (Vor)urteile. Der im Alltag stehende, normale Mensch kann nicht anders, als im Sinne der Induktion sich eine Meinung zu bilden und daraus seine Entscheidung (+Konsequenzen) abzuleiten. Das kann in der Praxis bedeuten, dass er bisher sehr wenig Informationen über das Schach (ausser vielleicht dass Schach intellektuell, langweilig und von z.B. introvertierten Personen gespielt wird) hatte und dieser Beitrag die Waagschale zu Ungunsten des Schachs umschwenken lässt.

Hier: ohne Prüfung der objektiven Tatsachen voreilig gefasste oder übernommene Meinung zum Thema Schach bzw. Schachvereine und seinen Spielern. Keiner (sprich der unbedarfte potentielle Schachinteressierte) wird sich nach dem Lesen des Beitrages die Mühe machen, mehrere Schachvereine zu besuchen und zu hinterfragen, ob der Artikel der Autorin einfach nur ihre gefühlsmäßige, negative Meinung ist. Der Otto-Normal-Zeitungsleser nimmt als Medienkonsument ohnehin vieles was ihm vorgesetzt wird als Faktum.

Sicherlich gibt es im Schach wie auch in anderen Wettkampfdisziplinen Punkte, die man kritisch anmerken kann. Der Artikel dieser Journalistin enthält Punkte, die alleine vielleicht so darstehen könnten, aber im Gesamtbild doch zeigen, was ihre Grundintention war. DM 2.000 soll sie für den Artikel und ihre "Recherche" erhalten haben.

Hier einige Punkte die mir auffielen. Es ist ganz interessant, wie sie bei vielen sehr kritischen Aussagen andere zitiert (sei, wäre). Eher macht es den Eindruck, dass es die alleinigen, emotionalen Meinungen der Autorin sind, die sie aus der Verantwortlichkeit auf andere abwälzt um sich nicht selbst ins Kreuzfeuer zu stellen und sich rechtfertigen zu müssen. Die Spielernamen sind übrigens erfunden, so dass man die Autorin nicht festnageln kann, wenn sie Kommentare aus ihrer Fantasie als die der anderen darstellt!

1) Im Rauchsalon hängen altmodische Schachposter mit erbaulichen Sprüchen: "geistig fit bis ins hohe Alter", oder: "ob jung oder alt, gemeinsam aktiv sein". Als wäre Schach ein unschuldiges Familienvergnügen.

2) Die Gemeinschaft beim Schach sei allerdings meist eine Täuschung.

3) Da auffallend viele Schachspieler Schwierigkeiten mit Beziehungen zu Frauen haben, sei die Konzentration aufs Schachspiel eine Kompensation für die verdrängte Sexualität...

4) Hier wird das Geschehen auf dem Schachbrett als Inszenierung des ödipalen Dramas gedeutet. Der Sieg über den Gegner symbolisiere den Vatermord, womit der Sohn seinen stärksten Gegner im Kampf um die Liebe der Mutter ausschaltet.

(Man achte auf "gedeutet" und "symbolisiere")

5) Gern wird dabei auch auf die phallische Gestalt der Figuren hingewiesen: Im unbeweglichen, verwundbaren König, von dem doch alles abhängt, wollen manche eine Inkarnation des Penis sehen - schachmatt entspricht demnach einer symbolischen Kastration.

(Ja, ja. Man achte auf die Formulierung "wollen manche")

Da kann ich nur sagen, wer sind denn diese Leute, auf die sich die Autorin bezieht ? Nämlich auch wieder andere Journalisten bzw. Psychologen die meinen, in der Deutung von Schach eine für ihre Karriere hilfreiche Nische zum Austoben gefunden zu haben.

6) neben dem Schach wirkt der Alkohol als "der andere Seelentröster"

7) Peter vom Schachclub B. hat auch hier eine Bierdose in der Hand.

8) "Wenn ich einen Tag Schach gespielt habe, dann sehe ich die Welt nur noch schwarz und weiß, ich habe dann kein Gefühl mehr für die Realität." Er habe jedoch "einen kleinen Mann im Ohr", der ihm sage, wann er aufpassen müsse.

(Hier zitiert sie jemanden, als wenn er ganz Balabala wäre. Da hat sie eventuell das Vertrauen bzw. die Freundschaft zu jemanden aufgebaut und präsentiert deren Statements dem unbedarften Leser so, als wären das Psychos.)

9) Martin träumt von einer bürgerlichen Zukunft - er sei jedoch zu scheu, um sich wieder eine Freundin zu suchen und zu defensiv, um eine Berufskarriere zu verfolgen.

(Aha, daraus entwickelt sie ihre fast allgemeingültigen Psychologiethesen)

10) "Wer im Leben nichts geworden ist, dem ersetzt Schach den Abenteuerurlaub"

11) Schach ist ein Gefängnisspiel, im belagerten Sarajewo soll es Hochkonjunktur gehabt haben. Dass die Sowjetunion traditionell die meisten und stärksten Schachspieler hatte, erstaunt genauso wenig wie die überproportionale Anzahl der Großmeister Islands

12) Das Leben hat keine Sicherheiten zu bieten - auf die Schachgöttin jedoch ist immer Verlass. "Sie verspricht nicht und enttäuscht nicht" sagt Martin. "Sie ist wie ein Haustier, das sich freut, wenn es gefüttert wird. Es schimpft nicht mit einem, es ist einfach da."

(Noch drastischer wäre z.B.: Die armen sozial vereinsamten Schweine er schaffen sich ihren Fantasiezoo mit vielen Plüschtieren...)

13) Er erzählt von Schachexzessen. Nach zwölf Stunden Blitzschach mit Franz ging er halb im Delirium nach Hause - als er die Türklinke in der Hand hielt, dachte er unwillkürlich: Ist das ein Springer oder ein Läufer?

(Und wenn die Beine meiner Oma Pedalen hätte, wäre sie ein Fahrrad

Es soll nicht mal abgestritten werden, dass der eine oder andere Punkt zutreffen kann bzw. ein Körnchen Wahrheit enthält. Man muss den Beitrag aber im Zusammenhang sehen und da formiert sich der Artikel der Autorin zum Bildnis des Dorian Gray ! Die angeblichen Meinungen & Statement die sie von den anderen Spielern zitiert, sind die Meinungen von frei erfundenen Personen. So kann kein Spieler aus dem Verein später protestieren, dass ihm ein Wort in den Mund gelegt worden bzw. die Autorin vorsätzlich richtungsweisend Dinge frei erfunden hat um ihr gewünschtes Resultat zu bekommen. Unsereins kann natürlich sagen, dass es nur der Verein drüben in Berlin ist. Aber der normale Leser und Schachlaie wird ganz andere Schlüsse aus dem Artikel ziehen.
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #5 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 18:04
Benutzerbild von chessychess
chessychess
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Tja, da muss ich dir zum Teil auch Recht geben. Bis auf zwei Punkte, haben mich die anderen auch genervt. Ganz weit vorn: "Als wäre Schach ein unschuldiges Familienvergnügen.", und "Peter vom Schachclub B. hat auch hier eine Bierdose in der Hand".

Aber ich weiß jetzt nicht, woher du weiß, dass die Namen erfunden sind.

Ich habe mir das ganze jetzt nochmal durchgelesen, weil nach deinem zweiten Post ich plötzlich ein ganz anderes Bild bekam und dabei festgestellt, dass mir aus diesem Artikel die Dinge so gut gefallen haben, die als Statements von den, angeblich fiktiven Spielern stammen. Also eigentlich nicht das was die Verfasserin schrieb.

Aber wie genau meinst du dass:
Zitat:
Zitat von Khan
Die angeblichen Meinungen & Statement die sie von den anderen Spielern zitiert, sind die Meinungen von frei erfundenen Personen.
Meinst du, dass sie nur die Namen von realen Personen geändert hat, oder dass sie sich letztlich alles ausgedacht hat, inklusive der Statements, weil die Personen gänzlich fiktiv sind?
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #6 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 18:17
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kleineme
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Moin,

unter dem oben angegebenen Link gibt es am Ende des Artikels folgendes Nachwort:

Zitat:
Nachwort
Der Artikel erschien im Magazinteil der Berliner Zeitung vom 10./11.Juni 2000. Die Journalistin Sieglinde Geisel - eine Freundin des Schachfreundes Karl-Heinz Grünberg - hatte dazu etwa ein Jahr vorher im Umfeld des SV Berolina Mitte recherchiert. Nach Veröffentlichung des Artikels bedankte sich die Journalistin beim Verein mit einem üppigen Büffet, das sie von ihrem Honorar (2000 DM) bezahlte.

Der Artikel sorgte für viel Gesprächsstoff und mancher fühlte sich auf den Schlips getreten. Dabei sind die Spielernamen größtenteils frei erfunden, nur Insider wissen, um wen es geht.

Berolina spielte 1999 in der Dietrich-Bonhoeffer-Str.11 und der Vorsitzende Werner Windmüller beschäftigte sich jeden Freitagabend mit der Küche (auf dem Foto mit Bernd Hiller zu sehen). Das große Foto zeigt Martin Windmüller (links) und Frank Müller.

Frank Hoppe
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #7 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 18:18
Benutzerbild von chessychess
chessychess
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Danke, dem Link bin ich nicht gefolgt. Das klärt meine Fragen an Khan.

Geändert von chessychess (06.04.2005 um 18:21 Uhr)
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #8 (permalink)  
Alt 06.04.2005, 18:40
Benutzerbild von Khan
Khan
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Beiträge: 81
Die Autorin hat, wie in dem Nachwort zu dem von mir angegebenen Link, die Spielernamen größtenteils frei erfunden.

Ich denke, dass die Autorin unter dem Schein, wahren Personen aus Identitätsschutz einen anderen Namen zu geben, auch für sich viel Freiraum schaffen konnte, um den Leitfaden in ihrem Artikel den Wünschen entsprechend zu manipulieren. Durch diese Vermischung ist unter journalistischen Gesichtspunkten keine richtige Trennlinie mehr zwischen Realität und Fantasie möglich.

Der unbedarfte Leser wird bei der Lektüre denken, dass es sich um eine Reportage bzw. um einen Tatsachenbericht (ähnlich wie die Fernsehreportagen über eine Thematik) handelt und weniger um eine Satire (was es in meinen Augen eher ist). Zudem kann sie keiner aus dem Verein festnageln, wenn die Aussagen der Dritten übertrieben, manipuliert oder ganz einfach erfunden (Lüge) sind.

Und die Aussagen im Artikel, die das ganze Schach mit gezielter Tendenz in Verruf bringen, kommen meistens von Dritten. Das ist das Fundament ihres Artikels. Das ist ihre clevere Strategie. So nach der Art:

"Ich hab' das ja als seriöse Journalistin gar nicht behauptet, sondern diese Schachdeppen haben das alles selber zugegeben und mir offenbart..."

Selbst die Psychologietheorien mit z.B. Phallussymbol, Kastration... erwähnt sie aus sicherer Distanz und mit einem scheinbar seriösen, wissenschaftlichen Touch (es waren ja schliesslich die anderen die zu dieser o. jener Erkenntnis gekommen sind...). Eine Sache gewinnt doch nicht dadurch an Substanz, nur weil sie als Journalistin die in den Raum aufgestellten Theorien von anderen Journalisten bzw. Psychologen repetiert. Auch wenn jemand aus der Psychologiebranche kommen sollte, so ändert es trotzdem nichts an der Sache, dass es sich um eine weiche Wissenschaft handelt; mit viel Raum für kreative Theorien und Leitsätze.

Im Klartext: Sie schiesst immer aus sicherer Distanz und ist sich bewußt, dass sie aus der Entfernung heraus nicht dingfest gemacht werden kann.

Nachtrag:

Auch die Erwähnung, dass sie 1 Jahr vorher recherchiert hätte, gibt dem Ganzen einen scheinbar ernstzunehmenden Touch Paaah Sie war lediglich mit ihrem Schachfreund zusammen und hatte damit unweigerlich über den Zeitraum Kontakt. Der Nächste geht für ein halbes Jahr nach Mallorca und schreibt dann in seinen Bewerbungsunterlagen kulturelle Sprachreise mit Schwerpunkt Spanisch.

Geändert von Khan (06.04.2005 um 18:46 Uhr)
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #9 (permalink)  
Alt 22.04.2005, 11:08
GeDa
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Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 237
Also ich kenne die Berliner Zeitung nicht, aber vom Stil u. der Polemik ist das Bildzeitungsniveau.

Niemand fährt zu so vielen Turnieren wie Martin. Es soll vorkommen, dass er eine Partie nicht zu Ende spielen kann, weil er am gleichen Tag zu einem zweiten oder gar dritten Turnier antritt.

Was sollen das für Turniere sein? Blitzen mit 3 Teilnehmern?
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #10 (permalink)  
Alt 22.04.2005, 15:04
Benutzerbild von scrooge
scrooge
CM des Forums
 
Registriert seit: 01.2005
Beiträge: 355
der artikel ist trotzdem interessant.er zeigt eben die "schlechtere" seite das schach( ich denke ich kann es so nennen) und die autorin vergisst eben dies zu erwähnen.das nciht alle schachspieler so sind.aber es stimmt wirklich das man mit schach sehr gut verdrängen kann.in dem artikel wird eigentlich nichts verfälscht, nur werden tatsachen weggelassen die das ansehen des schachs fördern würden.ncihtsdesdotrotz finde ich den artikel hochgradig interessant und er beinhaltet ja eine gewisse warnung.nicht an außenstehende sondern als schachspieler selbst.
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #11 (permalink)  
Alt 22.04.2005, 16:36
Yossarian
Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 1471
 
Registriert seit: 01.2005
Beiträge: 82
Ich hab den Artikel vor ner Ewigkeit in der S-Bahn gelesen. Ich musste einige Male lachen. Geärgert hab ich mich damals jedenfalls nicht. Und die Phallus- und Kastrationsgeschichte? Mann, da macht das Mattsetzen doch gleich noch mehr Spaß und den Turm sieht man plötzlich auch mit ganz anderen Augen.
Die Phalluszusammenhänge in allen Lebenslagen sind doch so alt und inzwischen ist doch wirklich schon alles ödipal verphallt worden - irgendwann musste doch auch mal einer den König kastrieren.
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #12 (permalink)  
Alt 22.04.2005, 16:48
Benutzerbild von Fast Ferret
Fast Ferret
Kenner
DWZ/Elo: 1940
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 116
Beitrag

Hallo Schachfreunde,

solche Artikel sind einfach köstlich.

In einem anderen Thread war ein Artikel zu lesen, in dem Schachspieler als übel riechende, frauenverschreckende und mit körperlichen Defiziten versehene Ansammlung von Totalfreaks beschrieben worden sind (sind schachspieler komisch? ).

Der hier besprochene Artikel haut offensichtlich in eine ähnliche Kerbe.

Das Schöne an solchen Artikeln ist doch, dass uns mindestens eine Person aus dem Schachumfeld bekannt ist, die wir in solchen Artikeln klar wiederzuerkennen glauben.

Das Schlechte daran ist, dass diese Artikel in einer derart verallgemeinernden Form verfasst sind, die in einem unbedarften Leser die Assoziation Schachspieler = asoziale Freaks hervorruft.

Woran beide Artikel kranken, ist doch die Momentaufnahme aus der sie allgemein gültige Schlüsse zu ziehen versuchen : dort ein einziges Tunier, hier ein einziger Verein als Maßstab.

Betrachtet man jedoch über den Tellerand hinaus auch andere Vereine und Tuniere sollte man kein derart verzerrtes Bild erhalten.

Als Fazit läßt sich sagen, dass Verallgemeinerungen aufgrund solch geringer Vergleichsmenge absolut unzulässig sind, auch wenn sie ein Fünkchen Wahrheit enthalten.

Im übrigen, und das glaube ich als These in den Raum stellen zu dürfen, ist alles was man übersteigert betreibt, im gewissen Sinne krankhaft ( Alkohol=Alkoholiker, Arbeit=Workoholik, 8 Stunden täglich Schach als Amateur= Schachgestörter.)
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #13 (permalink)  
Alt 12.05.2005, 12:58
Benutzerbild von Samson
Samson
Blitzmonster
DWZ/Elo: 2034/2076
 
Registriert seit: 08.2004
Ort: Berlin
Beiträge: 12
Zitat:
Zitat von GeDa
Also ich kenne die Berliner Zeitung nicht, aber vom Stil u. der Polemik ist das Bildzeitungsniveau.

Niemand fährt zu so vielen Turnieren wie Martin. Es soll vorkommen, dass er eine Partie nicht zu Ende spielen kann, weil er am gleichen Tag zu einem zweiten oder gar dritten Turnier antritt.

Was sollen das für Turniere sein? Blitzen mit 3 Teilnehmern?
Die Berliner Zeitung ist eine seriöse (Ost-)Berliner Tageszeitung und hat schon seit Jahren die höchste Abonnentenzahl aller Berliner Zeitungen und in Deutschland eine der am meisten zitierten Zeitungen. Mit Bild, BZ oder Berliner Kurier - den sogenannten Boulevardblättern - hat die Zeitung rein garnichts zu tun.
Die Wochenendausgabe enthält einen Magazinteil im gleichgroßen Format, wo Themen behandelt werden, die sonst aus Platzgründen nicht erscheinen. So gab es in der Ausgabe vom 9./10.April folgende lange Artikel: Der Zugbegleiter - eine Reise mit der russischen Bahn von Berlin nach Moskau; ein Bericht über ein Bühnenstück über den Mord von Potzlow; Interview mit dem Historiker Joachim Fest über den Nationalsozialismus.
Der Magazinteil vom 8./9.1.05 enthielt folgende Artikel: Elvis lebt - ein besuch bei seinen Fans; Porträt des französischen Innenarchitekten und Schloßbesitzers Jacques Garcia; Interview mit Georg Pieper über seelische Verletzungen durch Katastrophen.
Alle Artikel enthalten wenige Bilder und viel Text - genau wie damals am 10./11.6.00. Ich hatte zufällig damals die Berliner Zeitung nicht selbst gekauft, sondern bekam das Exemplar später von Horst Wojtkowiak, einem Spieler vom SC Post Wedding. Ich habe den Artikel eingescannt und beim Berliner Schachverband veröffentlicht. Einen Download zu diesem Scan werde ich in Kürze (wieder) bereitstellen.

Beim oben erwähnten Vielspieler Martin wurde zufällig (?) der richtige Name meines Vereinskameraden angegeben. Martin Gebigke war damals einer der aktivsten Berliner Spieler und es kam schon mal vor, das er vormittags irgendwo eine Turnierpartie spielte und abends im Verein noch eine in der Vereinsmeisterschaft.

Die anderen Namen sind alle verändert worden. Da ich nicht selbst jede Lebensgeschichte kenne, bin ich bei einigen Namen nicht eindeutig sicher, wer gemeint ist. Meine Person taucht nicht im Artikel auf.
Mit "Schachverein B." ist der SV Berolina Mitte gemeint.

Meine Ex-Frau hat sich damals köstlich über den Artikel amüsiert.

Die durch das Spiellokal vorgegebenen äußeren Umstände, verstärkten natürlich den Eindruck, die Autorin hätte einen Chaotenclub vor sich. Wir waren Untermieter beim "Zentrum der direkten Kommunikation" (heute: Humanistisches Zentrum), die in einer Parterrewohnung in der Dietrich-Bonhoeffer-Str.11 untergekommen waren.
Wenn man die "Wohnung" betrat, war links gleich die Küche, wo unser Vorsitzender Werner Windmüller Imbiß und Getränke unter die Leute brachte. Das brachte es mit sich, das einige Biertrinker (wir hatten zwei Extremtrinker im Verein, wovon einer wohl auch im Artikel auftaucht) ständig den Flur bevölkerten. Der Raum am Ende des kurzen Flurs war immer gut gefüllt - mit den rauchenden Schachspielern. Die beiden Nichtraucherräume waren leider nicht ganz so gut besucht.

Als eines unserer kurzzeitigen Mitglieder das "en passant" eröffnete, nahmen wir sein Angebot an und zogen dort mit ein.

SV Berolina Mitte
Fotos vom Berolina-Mannschaftsschnellturnier am 30.Oktober 2004
Fotos aus dem en passant vom Mannschaftspokal am 9.Mai 2004
Fotos vom Schachcafé-Blitzturnier am 18.Oktober 2003

Geändert von Samson (12.05.2005 um 13:01 Uhr)
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  Eine Journalistin über Schach(-spieler) Beitrag #14 (permalink)  
Alt 19.05.2005, 16:44
fischers_friend
Neuling
 
Registriert seit: 05.2005
Beiträge: 3
Laaaaaangweilig...

Wenn einem gar nichts mehr einfällt, verweist man (und besonders frau) gerne auf die berühmt-berüchtigte Freudianische Phallussymbolik - die hat nicht nur den Vorteil, dass man sie vom Kugelschreiber des nervös am selbigen kauenden Schülers bis hin zum neuen Hochhauskomplex der (durchweg männlich besetzten) Chefetage eines internationalien Bankunternehmens geradezu überall erblicken kann, sie sorgt auch verlässlich für den frivolen Touch des Spiels mit dem Sexuellen auf "gebildetem" Niveau.
Man siehe: ca. zweimillionenfünfhunderteinundachtzigtausend vergleichbare Texte im weltweiten Netz

Geändert von fischers_friend (19.05.2005 um 17:40 Uhr)
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